Bildungsforscher Eder: "AHS-Matura allein ist zur Sackgasse geworden"

9. Juli 2019 - 6:05

"Die AHS-Matura allein ist zur Sackgasse geworden", sagt Bildungsforscher Ferdinand Eder. Zwar beginnen die meisten danach eine weitere Ausbildung. Wer das nicht tut, plagt sich jedoch bei der Arbeitssuche: Nicht einmal jeder Fünfte findet in den ersten drei Monaten nach Abschluss einen Job - das sind deutlich weniger als bei anderen Ausbildungsarten, zeigt der jüngste Nationale Bildungsbericht.

Viele finden, dass die erworbenen Fähigkeiten nicht zu ihrem Beruf passen
Viele finden, dass die erworbenen Fähigkeiten nicht zu ihrem Beruf passen

"Es ist schwierig, heute noch eine Tätigkeit zu finden, die mit einer allgemeinbildenden Matura ausgeübt werden kann", so Eder zur APA. Die AHS-Matura als Vorbildung für ein Studium ist ausschließlich allgemeinbildend angelegt. "In der Praxis haben AHS-Maturanten deshalb wesentlich schlechtere Chancen beim Berufseinstieg als Personen mit anderen Abschlüssen, vor allem die mit einer berufsbildenden Matura."

Kaum Unterschied zwischen Abbruch und Abschluss

Der Nationale Bildungsbericht zeigt gar: Punkto raschem Berufseinstieg macht es kaum einen Unterschied, ob man die AHS abgebrochen oder erfolgreich abgeschlossen hat. Erfolgreiche AHS-Absolventen sind allerdings immerhin deutlich seltener beim AMS gemeldet (ein Prozent zu 13). Die Gruppe, die gleich nach der Reifeprüfung arbeiten will, ist ohnehin "speziell und relativ klein": Acht von zehn Absolventen beginnen nach der Reifeprüfung eine weitere Ausbildung.

Früher hätten Banken gerne AHS-Maturanten angestellt, schildert Eder. Mit dem "Siegeszug der berufsbildenden höheren Schulen" (BHS) hätten die Unternehmen dann allerdings lieber auf BHS-Absolventen zurückgegriffen, die zur Reifeprüfung auch noch berufspraktische Fähigkeiten erlernt haben. Im Job selbst hadern die AHS-Absolventen dann vielfach mit ihrer Ausbildung: Fast 50 Prozent finden, dass die in der Schule erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen nicht zu ihrem Beruf passen - doppelt so viele wie in anderen Ausbildungsformen.

Akuten Reformbedarf bei der AHS-Oberstufe sieht Eder dennoch nicht, mit nur 22 Prozent einer Altersstufe besuchten relativ wenige Jugendliche diese Schulform. Und: "AHS-Maturanten gehen bevorzugt in die Bereiche Kunst, Kultur, Medien und Wissenschaft und dafür ist diese Art von Allgemeinbildung eine gute Voraussetzung." Dort werde auf formale Voraussetzungen weniger geachtet.

Schwerpunktsetzung in der Oberstufe

Dennoch solle man "sehr darüber nachdenken, wie die berufliche Anschlussfähigkeit dieser jungen Leute unterstützt werden kann", etwa indem bei den Schwerpunktsetzungen in der Oberstufe auch darauf geachtet werde, dass die erworbenen Kompetenzen auch beruflich genutzt werden können. "Zum Teil gibt es das schon, wenn etwa Schwerpunkte in Richtung Informatik gehen."

Der Anteil an Schülern, der über die AHS-Oberstufe zur Matura gelangt, ist laut Statistik Austria seit den 1970ern übrigens deutlich zurückgegangen - von davor mehr als zwei Drittel auf weniger als die Hälfte. Die Kombination aus der Möglichkeit, ein Studium zu beginnen, und einem Berufsabschluss war laut Eder für viele Schüler und Eltern eben eine "unwiderstehliche Kombination".

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))


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