Wiener Volksschüler mit Deutschproblemen oft in Österreich geboren

12. Februar 2024 - 14:26

Die Zahl der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler in Wiens Volksschulen ist zuletzt um ein Viertel gestiegen, insgesamt konnten rund 13.500 Kinder im Schuljahr 2022/23 dem Unterricht wegen Deutschproblemen nicht ausreichend folgen. Unter Wiens Erstklasslern hat mittlerweile ein Drittel außerordentlichen Status. Dabei wurden zwei Drittel dieser Kinder in Österreich geboren, zeigt die Beantwortung einer ÖVP-Anfrage durch Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS).

Seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es separate Deutschförderklassen
Seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es separate Deutschförderklassen

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Der überwiegende Teil der außerordentlichen Erstklassler hat hierzulande auch einen Kindergarten besucht, zwei Drittel länger als ein Jahr. Dass sie bis zum Schuleintritt dennoch nicht so gut Deutsch sprechen, dass sie in allen Fächern regulär benotet werden können, ist für Wiens ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß ein "massives Bildungs- und Integrationsversagen". "Damit rauben SPÖ und Neos tausenden Kindern jedes Jahr ihre Zukunftschancen und lassen die Stadt mit massivsten Problemen zurück."

Die Wiener ÖVP fordere schon lange eine massive Aufstockung der Deutschförderkräfte in Kindergärten und eine Kindergartenpflicht mit drei Jahren für alle, die nicht ausreichend Deutsch können, so der Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer. Er warnte vor negativen Auswirkungen auf die Bildungschancen der Kinder. In weiterer Folge könne das zu Jugendarbeitslosigkeit, mangelnden Perspektiven, Kriminalität und Radikalisierung führen. Die Wiener Grünen forderten ebenfalls mehr Sprach- und Deutschförderung. Die Kindergärten müssten mit genug Ressourcen ausgestattet werden, dass an jedem Standort wirkungsvolle Sprachförderung stattfinden kann, so die bei den Wiener Grünen für Bildung Verantwortlichen, Julia Malle und Felix Stadler.

Bildungsstadtrat Wiederkehr hatte die steigende Zahl außerordentlicher Schüler zuletzt mit einer Zunahme bei den Familienzusammenführungen erklärt und vor einer Überlastung des Wiener Bildungssystems gewarnt. Wien übernehme schon die Grundversorgung von mehr Asylwerbern, als in der Quotenaufteilung zwischen den Bundesländern vorgesehen wäre. Zusätzlich kämen auch noch die meisten Flüchtlinge nach positivem Abschluss ihres Asylverfahrens nach Wien. Wiederkehr forderte deshalb neben Strafzahlungen bei Nichterfüllung der Bundesländerquote auch, dass Nicht-Berufstätige, deren Asylverfahren abgeschlossen wurde, für drei weitere Jahre in dem Bundesland leben müssen, in dem das Verfahren durchgeführt worden ist. Um eine Überlastung der Schulen und außerordentlichen Schüler selbst zu verhindern, sollen Kinder, die noch nicht schulreif sind, weil sie etwa jahrelang in türkischen Flüchtlingslagern gelebt und noch keine Erfahrung mit Schule haben, in Wien ab diesem Semester zunächst vorschulische Orientierungskurse besuchen. Darüber hinaus habe Wien bereits die Zahl der Sprachförderkräfte in den Kindergärten erhöht, was zeitversetzt auch eine Wende bei außerordentlichen Schülerinnen und Schüler bringen sollte.

Bis zu 20 Stunden Deutschunterricht

Als außerordentlicher Schüler bzw. außerordentliche Schülerin wird ein Kind dann eingestuft, wenn es zwar über die geistige Reife für die betreffende Schulstufe verfügt, aber dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse noch nicht folgen kann. Für maximal zwei Jahre können daher außerordentliche Schüler in jenen Gegenständen, in denen wegen Deutschproblemen noch keine positive Beurteilung möglich ist, nicht benotet werden. Seit dem Schuljahr 2018/19 sieht das Schulorganisationsgesetz für außerordentliche Schüler bis zu 20 Stunden Deutschunterricht in separaten Deutschförderklassen vor. Wenn die Schüler schon etwas besser Deutsch sprechen, sind es sechs Stunden im Deutschförderkurs. Voraussetzung dafür ist eine Mindestzahl an Schülern, laut einer Befragung hält sich aber auch ein Drittel der Schulleitungen nicht an die Vorgaben und setzt wie früher auf Deutschförderung in regulären Klassen.

Unterdessen hat der oberste Wiener Pflichtschullehrervertreter Thomas Krebs (FCG) mehr Handhabe bei Gewalt an Schulen gefordert. Die aktuelle Maßnahmen seien so, "als würde man mit einer Sandsack-Barriere eine Tsunami-Flutwelle aufhalten wollen". Konkret forderte er Securities und die Möglichkeit, jene Schüler, die andere wiederholt gefährden, am Eingang zu kontrollieren. Außerdem sollten Schüler nach einer Suspendierung, wenn sie also wegen wiederholter Gewalt auf Zeit vom Unterricht ausgeschlossen werden, vor der Rückkehr in die Regelklasse in speziell Einrichtungen betreut werden. Wiens FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss betonte per Aussendung, dass die Freiheitlichen schon länger Sicherheitspersonal an Brennpunktschulen gefordert hätten. Für "renitente Schüler" müsse Bildungsstadtrat Wiederkehr außerdem "Bootcamps" einrichten.

(APA/red, Foto: APA/HANS KLAUS TECHT)

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