Wie sich Ernährungsformen im "One Health"-Ansatz unterscheiden

7. Januar 2022 - 13:05

Bei der Bewertung von Ernährungsformen wird zunehmend eine "One Health"-Perspektive eingenommen, die eine optimale Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigt. Nach diesem Ansatz fällt die Antwort auf die Frage, wie man sich ernähren soll, nicht so eindeutig aus - je nachdem, welche Auswirkungen man sich genau anschaut, zeigte eine Studie der Uni Bonn und des IIASA in Laxenburg bei Wien, die im Fachjournal "Science of The Total Environment" veröffentlicht wurde.

Mit dem häufigeren Verzicht auf Fleisch tut man Gesundheit, Tieren und Umwelt etwas Gutes
Mit dem häufigeren Verzicht auf Fleisch tut man Gesundheit, Tieren und Umwelt etwas Gutes

Studien, die die "One Health"-Perspektive auf Ernährungsfragen anwenden, seien "noch rar", erklärte Juliana Paris vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn in einer Aussendung. Für ihre Untersuchung haben die Forscher jene Produkte, die bei Menschen in Nordrhein-Westfalen häufig auf dem Speiseplan stehen, als Referenzkost definiert. Diese haben sie dann mit einer Umstellung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, also weniger Fleisch und mehr Obst- und Gemüse, dem Wechsel zu einer Mittelmeer-Diät mit viel Fisch und Meeresfrüchten bzw. der Änderung hin zu einer veganen Ernährung verglichen.

Effekt auf Umwelt

In jedem dieser drei Szenarien wurden die Lebensmittel so gewählt, dass sie sich so wenig wie möglich von der Referenzernährung unterschieden. Zudem sollten insgesamt dieselben Nährstoffe in ähnlichen Mengen enthalten sein wie bisher. Den jeweiligen Lebensmittel-Korb für jedes Szenario analysierten die Forscher dann weiter und stützten sich dabei auf verschiedene Datenbanken.

"So konnten wir zum Beispiel den Effekt jeder Ernährung auf bestimmte Umweltaspekte abschätzen - etwa die bei ihrer Produktion entstehende Menge an Klimagasen oder den Wasserverbrauch. Ähnlich gingen wir vor, um die Auswirkung der jeweiligen Ernährung auf die Gesundheit zu bewerten", erklärte Neus Escobar vom Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.

In die Bewertung floss etwa ein, wie viele Tiere durch den Konsum der Lebensmittel ihr Leben verlieren und unter welchen Bedingungen sie gehalten werden. Anhand der Neuronenzahl im bzw. der Größe des Gehirns im Verhältnis zum Körper wurde abgeschätzt, "inwiefern die jeweiligen Tiere unter ihrer Nutzung tatsächlich leiden", so Paris.

Aus der "One-Health"-Perspektive sei jede der drei Ernährungsformen nachhaltig von Vorteil, konstatieren die Wissenschafter - allerdings nicht unter jedem Aspekt: So erhöht den Forschern zufolge etwa die mediterrane Diät das Tierleid aufgrund der größeren Zahl an Tieren, die dabei am Teller landen. Sowohl die Mittelmeer-Diät also auch vegane Ernährung würden aufgrund der höheren Aufnahme von Nüssen und Gemüse den Wasserverbrauch steigern.

Ernährung ist zu reichhaltig

Die Empfehlungen der deutschen Ernährungsgesellschaft gehen laut Studie in die richtige Richtung. Mit Blick auf die menschliche Gesundheit seien aber die beiden anderen Optionen besser. Mit dem häufigeren Verzicht auf Fleisch tue man aber nicht nur der eigenen Gesundheit etwas Gutes, sondern auch den Tieren und der Umwelt.

"Es wäre also von Vorteil, den Proteinbedarf insgesamt weniger aus tierischen Quellen zu decken", betonte Escobar. "Zudem ernähren sich viele Menschen heute deutlich zu reichhaltig. Würden sie ihre Nahrungsmenge auf das reduzieren, was sie wirklich brauchen, hätte das möglicherweise zusätzliche positive Effekte."

Um die potenziellen Auswirkungen einer Ernährung, die durch einen hohen Verzehr von tierischen Produkten gekennzeichnet ist, aus einer "One Health"-Perspektive besser beurteilen zu können, sei es wichtig, Indikatoren für das Wohlergehen von Tieren und die menschliche Gesundheit in die Ökobilanz aufzunehmen, betonen die Wissenschafter in ihrer Arbeit.

Service: Internet: https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2021.151437

(APA/red, Foto: APA/APA/GEORG HOCHMUTH)

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