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Unermüdliche Entwicklungs-Psychologin - Brigitte Rollett wird 85

3. Oktober 2019 - 9:41

Über Jahrzehnte hinweg prägte die Entwicklungspsychologin, Familienforscherin und Mitbegründerin Österreichischen Gesellschaft für Psychologie Brigitte Rollett das Bild ihres Faches mit. Am 9. Oktober wird die Wissenschafterin 85 Jahre alt. An ihrer langjährigen Wirkungsstätte, der Universität Wien, ist sie immer noch nahezu täglich in Forschung und Lehre aktiv.

Rollett prägte den Begriff der "Anstrengungsvermeidung"
Rollett prägte den Begriff der "Anstrengungsvermeidung"

Rollett wurde im Jahr 1934 in Graz geboren. Sie studierte an der Universität Graz Psychologie, Pädagogik und Philosophie und promovierte 1957. In der Folge wurde sie Studienassistentin am Psychologischen und Pädagogischen Institut der Uni. Nach ihrer Psychotherapeutischen Ausbildung habilitierte sie sich 1964 für das Gesamtfach Psychologie in ihrer Heimatstadt. Nach Professuren in Osnabrück, Kassel und Bochum wurde sie 1979 als Leiterin der Abteilung für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie am Institut für Psychologie der Uni Wien berufen.

In der Folge sollte Wien zu ihrer wissenschaftlichen Heimat werden. So entwickelte sie das Psychologie-Institut, das 2002 zur Fakultät wurde, auch über einige Jahre hinweg als dessen Leiterin federführend weiter. Immer wieder mahnte Rollett die bessere Ausstattung ihres und anderer universitärer Institute in Österreich ein. Das tat sie u.a. auch als Chefin der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie (ÖGP), der sie nach der Gründung im Jahr 1993 als Gründungspräsidentin vorsaß.

Über viele Jahrzehnte hinweg setzte sich Rollett u.a. intensiv mit dem Thema Autismus - ihr "Praxisbuch Autismus für Eltern, Erzieher, Lehrer und Therapeuten" fand weite Verbreitung - und vor allem mit Bildung, Lernen und Motivation auseinander. So prägte sie etwa den Begriff der Anstrengungsvermeidung. Gemeint ist damit ein aktives Einsetzen von Vermeidungsstrategien gegenüber Anforderungen, die die Umwelt an eine Person stellt. Auf Rolletts Forschungsarbeit basiert nicht nur der in der psychologischen Diagnostik breit eingesetzte Anstrengungsvermeidungstest (AVT), sondern auch eine entsprechende Therapiemethode, mit der die Lernstörung behandelt werden kann. Um die Weiterentwicklung lerntherapeutischer Ansätze hat sich Rollett vielfach verdient gemacht.

Ein Schwerpunkt liegt auf Erziehungsberatung und Familienentwicklung

Ein weiterer Schwerpunkt der Wissenschafterin liegt auf der Erziehungsberatung und Familienentwicklung. Im Rahmen eines Projekts mit dem Titel "Familienentwicklung im Lebenslauf" (FIL) begleiten Rollett und Kollegen etwa seit den frühen 1990er Jahren werdende Eltern, die Frühphase des Zusammenlebens mit ihrem Kind, das Kindergarten- und Schulalter, den weiteren Bildungsweg oder den Berufseinstieg. Ziel des Vorhabens ist es auch, wissenschaftlich fundiert Optionen aufzuzeigen, um negative Entwicklungen in Familien aufzufangen.

Mittlerweile befindet sich das aufgrund seines detaillierten Fokus auf familiäre Dynamik gepaart mit der langen Laufzeit bemerkenswerte Projekt in der achten Erhebungsphase. "Manche der Kinder bekommen bereits selbst Kinder", erklärte Harald Werneck, der das Vorhaben seit Beginn in Zusammenarbeit mit Rollett vorantreibt, der APA.

Alleine im Rahmen dieses Vorhabens habe Rollett bis heute über 50 Diplomanden betreut, auch mehr als 15 Jahre nach ihrer Emeritierung (2003) ist die Wissenschafterin als Betreuerin aktiv und hält Lehrveranstaltungen. Den Kontakt zu Studenten, Jungforschern und den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zu halten sei der als sehr belesen geltenden und vielfältig interessierten Forscherin weiterhin ein großes Anliegen, so Werneck.

Rollett fungierte auch als Präsidentin der 1977 gegründeten Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren. In diesem Zusammenhang warnte die Wissenschafterin, die 1994 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhielt, vielfach vor dem Gefährdungspotenzial etwa für junge Menschen.

(APA/red, Foto: APA/APA (Müller))


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