Übergewicht bleibt weiterhin größtes Gesundheitsproblem

28. Juni 2018 - 14:05

Die neuen EU-Ernährungsrichtlinien hat das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) zum Anlass genommen, um bei einem Medientermin auf Europas größtes Gesundheitsproblem hinzuweisen: Übergewicht. "Gesunde Ernährung ist kein Mythos", so die Conclusio des ÖAIE-Präsidenten Kurt Widhalm. Eine Botschaft, die bei 3,4 Millionen Österreichern erst ankommen muss.

Diabetes: Medizinische Kosten machen rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr aus
Diabetes: Medizinische Kosten machen rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr aus

Das ist die Zahl der Übergewichtigen (32 Prozent) oder Adipösen (14 Prozent), die trotz aller Erkenntnisse über gesunde Ernährung weiter im Steigen begriffen ist. Die Ursache dafür ist, dass die Österreicher weiterhin zu viel, und dazu auch noch das Falsche essen. Ein zu hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, Zucker und Salz und eine zu geringer an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten steht weiterhin auf dem durchschnittlichen Speiseplan. Nicht das Wissen muss sich daher verändern, sondern das Verhalten, folgerte Widhalm deshalb, denn Übergewicht und Adipositas seien die bedrohlichsten Formen aller ernährungsbedingten Krankheiten.

Die simple Tatsache, dass die Energiebilanz bestimmt, ob man normal oder übergewichtig ist, hob der Ernährungswissenschafter und Biochemiker Clemens Röhrl hervor. "Der Mensch hat über Jahrtausende in einem Mangelzustand gelebt", so der Experte, daher sei er darauf konditioniert, Fett zu speichern, anstatt es auszuscheiden. "Es liegt also auf der Hand, dass wir in Zeiten des Nahrungsüberschusses ein Problem haben". Alleine ein Krügel Bier pro Tag zusätzlich, das man sich etwa während der Fußball-WM angewöhnen könnte, bedeute 8,8 Kilogramm mehr Fett pro Jahr, erläuterte Röhrl die "großen Auswirkungen von kleinen Modifikationen". Aber diese gelte auch im Positiven, denn das eine Bier zu streichen, hätte natürlich langfristig den gegenteiligen Effekt.

"Non Communicable Diseases"

Röhrl erinnerte an die Folgen der Adipositas, nämlich Atherosklerose, die Verfettung von Organen ("Fettleber"), Diabetes durch Überlastung der Bauchspeicheldrüse, Darmkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs: "Insgesamt hat die Ernährung einen großen Anteil an diesen Krankheiten, im Fachjargon Non Communicable Diseases (NCDs) genannt. Sie machen in der EU 77 Prozent aller Krankheiten und 86 Prozent der frühzeitigen Mortalität aus - und ihr Zusammenhang mit ungesunder Ernährung und Übergewicht evident.

"Es ist dramatisch." Mit diesen Worten beschrieb Markus Pock, Gesundheitsökonom vom Institut für Höhere Studien (IHS), dann die ökonomische Bedeutung von Übergewicht und Adipositas. Seriöse Zahlen gebe es zwar keine, aber alleine die medizinischen Kosten der Diabetes mellitus würden laut einer Johanneum Research Studie von 2015 in Österreich rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ausmachen, was fünf Prozent der Gesundheitsgesamtausgaben wären.

Die Symptome des Übergewichts könnte man dank des medizinischen Fortschritts Symptome relativ gut in den Griff bekommen, schilderte Gabriele Müller-Rosam, Internistin und Ernährungsmedizinerin, aus der Praxis. Um den Lebensstil nachhaltig zu ändern, bräuchten Patienten jedoch auch zusätzlich ein Motivationstraining, was durch Krankenkassen derzeit nicht gedeckt sei. "Man bräuchte Diätassistenten und psychologische Betreuung - und das auf lebenslange Sicht", forderte Müller-Rosam, denn "der Patient muss geführt werden". Aber auch die Nahrungsmittelindustrie mit dem Motto "Hauptsache viel und billig" gehöre in die Pflicht genommen. Eine Werbeverbot für Energydrinks wäre da eine Forderung der Internistin: "Da könnte rasch viel getan werden."

Service: EU-Ernährungsrichtlinien im EFSA-Report "Dietary Reference Values": http://go.apa.at/hYoNN0AT

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))


tutor18

Studium.at Logo

© 2010-2018  Hörsaal Advertainment GmbH

Kontakt - Impressum - Werbung & Mediadaten - Haftungsausschluss - Datenschutz

Studium.at versichert, sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet zu haben.
Für etwaige Fehlinformationen übernimmt Studium.at jedenfalls keine Haftung.