Das weltweit einzigartige Live Quiz für Ihre Veranstaltung

www.streamquiz.at

STRICKEN vor dem "Hitler-Balkon": Installation zeigt "Leerstelle" auf

15. Mai 2019 - 13:41

Einen kaum beachteten Aspekt des NS-Erbes thematisiert ab Donnerstag die Kunstinstallation STRICKEN im Vorraum zum oftmals als "Hitler-Balkon" bezeichneten Altan der Neuen Burg am Heldenplatz. Zu sehen sind von der Künstlerin Magda Korsinsky geführte Gespräche mit afrodeutschen Frauen, deren Großmütter in der NS-Zeit lebten. Für hdgö-Direktorin Monika Sommer historisch eine "absolute Leerstelle".

STRICKEN. Installation von Magda Korsinsky
STRICKEN. Installation von Magda Korsinsky

Es sei gut, dass diese Installation jetzt bis zum 10. Juni genau an diesem geschichtsträchtigen Ort zu sehen ist, sagte die Direktorin des Haus der Geschichte Österreich (hdgö) zur APA. Künstler hätten vor diesem Ort auch durchaus Respekt, so Wolfgang Schlag, Kurator der "into the city"-Schiene der Wiener Festwochen, in deren Rahmen das Werk gezeigt wird. Korsinskys Installation besteche auch im Kontrast zum Balkon, auf dem Adolf Hitler einst den verhängnisvollen "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland verkündete: "Sie hätte auch genau für diesen Raum entstanden sein können", so Schlag.

Die Künstlerin hat vor rund zwei Jahren sechs schwarze Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren vor allem zu ihrer Beziehung mit ihren weißen Großmüttern ausführlich interviewt. Projiziert werden die Gespräche über sehr persönliche Auseinandersetzungen mit der Familienhistorie und der NS-Vergangenheit auf sechs großflächige Patchworks aus Textilien aus dem "weiblich konnotierten Alltagsleben" der Interviewpartnerinnen. Diese Stoffe kommen aus dem Fundus der Großmütter, die oftmals auch eine mütterliche Rolle gegenüber den befragten Frauen einnahmen.

Als Ausgangspunkt für die multimediale Arbeit, deren nunmehriger Aufstellungsort unweit des "Hitler-Balkons" der deutschen Künstlerin einen "Gänsehautmoment" beschert hat, fungierte das Buch "Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen" von Jennifer Teege. Die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers, die mit Korsinsky am Freitag (17. Mai) im hdgö diskutieren wird, erfuhr im Alter von 38 Jahren, dass sie die Enkelin des berüchtigten, aus Wien stammenden KZ-Kommandanten Amon Göth ist. Von Teege stammt auch die Aussage "der Holocaust ist Familiengeschichte", so Korsinsky: "Man geht aber nicht unbedingt davon aus, dass es auch eine 'schwarze Geschichte' sein kann", sagte die afrodeutsche Künstlerin.

Familienmuster und familiäre Verstrickungen

Sie habe dann interessiert, wie die Rückschau auf die NS-Zeit "in der die reine Rasse propagiert wurde" in diesen besonderen Familienkonstellationen von Statten geht und wie sich die afrodeutschen Frauen, die als "deutsche Personen wahrgenommen und nicht danach gefragt werden wollen, woher sie kommen", zum deutschen Schuldthema positionieren. Einblicke geben die Interviews, in denen es viel um Familienmuster und familiäre Verstrickungen geht - woraus sich letztendlich auch der Titel STRICKEN ableitete.

Fragen des Umgangs mit Identitätsentwicklung, dem Aufwachsen an sich und mit Rassismus seien wichtige Triebfedern für die insgesamt dreiteilige Ausstellung "Das Wissen der Kindheit", die neben Korsinskys Installation zwei weitere Teile im ZOOM Kindermuseum im Museumsquartier und auf dem Vorplatz des Parlaments umfasst. Für Verena Melgarejo-Weinandt, Kuratorin der Schau, ist der Diskurs über die NS-Zeit und ihr Nachwirken "immer noch sehr weiß dominiert". Korsinskys Arbeit mache hier nun eine wichtige Lücke in der Aufarbeitung auf.

Service: Website der Künstlerin: http://magdakorsinsky.com/; Das hdgö online: www.hdgoe.at; Wiener Festwochen "Das Wissen der Kindheit": http://go.apa.at/MDhEz87F

(APA/red, Foto: APA/eSeL.at/Lorenz Seidler)


Hol dir unseren Academic Informer:

Mit dem Studium.at Newsletter verpasst du nichts mehr: Hochschul-& Wissenschafts-News, Jobs, Events und Sonderangebote für Studierende. Jederzeit abbestellen.


tutor18

Studium.at Logo

© 2010-2019  Hörsaal Advertainment GmbH

Kontakt - Werbung & Mediadaten - Datenschutz - Impressum

Studium.at versichert, sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet zu haben.
Für etwaige Fehlinformationen übernimmt Studium.at jedenfalls keine Haftung.