"Stresstest" für die neue Induktionsphase für Junglehrer

30. August 2019 - 12:59

Mit Schulstart beginnen die ersten Junglehrer zu unterrichten, die ihren Bachelor in der neuen Lehrerausbildung gemacht haben. Im Zuge der sogenannten Induktionsphase sollen sie im ersten Jahr von erfahrenen Lehrern in den Beruf eingeführt werden. Praktiker kritisieren das neue Modell, sie befürchten Qualitätseinbußen. Für den obersten Lehrervertreter Paul Kimberger kommt jetzt der "Stresstest".

Höherer Praxisanteil während des Studiums gefordert
Höherer Praxisanteil während des Studiums gefordert

Früher war bei den an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Pflichtschullehrern (u.a. Volks-, Neue Mittelschule, Sonderschule) die Schulpraxis bereits Teil der Basisausbildung. Die an den Unis ausgebildeten Lehrer für AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) wurden indes nach dem Magister-Abschluss in einem einjährigen Unterrichtspraktikum in die Schulpraxis eingeführt. Mit der neuen Ausbildung sollen Lehrer aller Schultypen nun zuerst ein Bachelorstudium mit Praxisanteilen absolvieren und danach - parallel zum Masterstudium - eine einjährige Induktionsphase durchlaufen.

Lange war allerdings unklar, wie die Induktionsphase genau aussieht. Dieser Kritikpunkt ist mittlerweile ausgeräumt, ein Erlass des Bildungsministeriums regelt, in welchen Bereichen die Mentoren ihre Schützlinge beraten und beobachten sollen: Neben der Vermittlung des Stoffs stehen auch "erzieherisches Wirken" sowie die Zusammenarbeit mit Kollegen und Eltern auf der Liste. Die Intensität der Betreuung soll sich "stark an den Gegebenheiten des Einzelfalls orientieren". Verpflichtend vorgeschrieben sind ein Erst- und ein Abschlussgespräch sowie ein Zwischen- und ein Abschlussbericht. Ein negatives Gutachten und damit keine Vertragsverlängerung gibt es, wenn ein Junglehrer "nicht ausgleichbare persönliche, fachliche oder pädagogische Defizite" aufweist oder "persönlich nicht für den Lehrberuf geeignet" scheint.

Strukturelle Probleme

Kimberger (FCG) sieht allerdings noch immer strukturelle Probleme: Es fehle etwa an ausgebildeten Mentoren, "weil die Ausbildung und die Funktion so unattraktiv sind", erklärt er im Gespräch mit der APA. Er vertraue zwar darauf, dass während der Übergangsfrist bis 2029/30 jene Lehrer, die im Zuge der alten Lehrerausbildung für die Berufseinführung zuständig waren, die Aufgabe gut lösen werden. Wegen der anstehenden Pensionierungswelle bräuchten die Schulen aber gerade besonders viel Lehrernachwuchs und deshalb auch mehr solche Einschuler als vorhanden.

Im Bildungsministeriums wird zumindest an den Bundesschulen nicht mit Engpässen gerechnet, da alle bisherigen Betreuungslehrer aus dem Unterrichtspraktikum auf freiwilliger Basis auch Mentoren sein können. "Auf Landesebene kann es mitunter etwas schwieriger werden, da der Bedarf in den nächsten Jahren steigt", heißt es aus dem Büro von Ministerin Iris Rauskala. Das werde man sich genau ansehen, um sicherzustellen, dass genug Mentoren zur Verfügung stehen.

Für BMHS-Lehrervertreter Roland Gangl (FCG) bedeutet die Indiktionsphase im Vergleich zum Unterrichtspraktikum vor allem einen "qualitativen Rückschritt". Dass die Einschulung der Junglehrer nicht mehr zwingend durch einen Lehrer des selben Fachs erfolgen muss, sei "Wahnsinn". Dass er nicht einmal an der selben Schule unterrichten muss, werde die Betreuung deutlich ausdünnen. "Wenn ein Junglehrer in Baden angestellt ist und sein Mentor sitzt am Semmering, dann wird er dessen Unterricht nicht oft sehen."

Kein Rechtsanspruch

Für Probleme dürfte aus Gangls Sicht auch sorgen, dass im Gegensatz zum Unterrichtspraktikum Junglehrer in der Induktionsphase bereits eine Anstellung an der Schule brauchen. Sprich: Nur, wenn im jeweiligen Fach ein Posten an einer Schule frei ist, kann auch die Induktionsphase begonnen werden. Einen Rechtsanspruch wie beim Unterrichtspraktikum gibt es nicht.

Das einzige Positive sei für ihn, dass an den BMHS nur sehr wenige Lehramtsabsolventen überhaupt die Induktionsphase beginnen. "In Niederösterreich werden es nicht viel mehr als 15 sein." Auch an den AHS werde nicht mit vielen Kandidaten gerechnet. "Die meisten Studenten beginnen nach dem Bachelor gleich mit dem Master und machen ihn nicht berufsbegleitend, sondern beginnen erst danach zu unterrichten", so Gangl. Abseits der Ballungsräume käme nämlich zur hohen Belastung, die ein Berufseinstieg samt parallelem Masterstudium bedeuten würde, das mühsame Pendeln zwischen Schulstandort und Uni.

"Dieses Modell gehört geändert, das ist nicht zukunftsorientiert", fasst Gangl zusammen. Pflichtschullehrer-Vertreter Kimberger fordert außerdem, dass der Praxisanteil während des Studiums deutlich erhöht wird - "so wie eigentlich versprochen. Dann ist die Induktionsphase auch nicht mehr so brisant."

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa/Julian Stratenschulte))


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