Staffelübergabe an Uni Graz - Rektorin Neuper zieht Bilanz

8. Juli 2019 - 12:05

An der Universität Graz scheidet Rektorin Christa Neuper Ende September nach zwei Amtsperioden aus ihrer Funktion aus und übergibt an ihren Nachfolger Martin Polaschek. Im Gespräch mit der APA zeigte sie sich zufrieden mit der Entwicklung der Universität im Bereich der Forschungs- und Nachwuchsförderung, den regionalen und internationalen Kooperationen und auch der Geschlechtergleichstellung.

Neuper wurde nach 246 Männern zur ersten Rektorin der Universität gewählt
Neuper wurde nach 246 Männern zur ersten Rektorin der Universität gewählt

Die profilierte Neuropsychologin war im Jahr 2011 nach 246 Männern zur ersten Rektorin der Universität gewählt worden. Zuvor war sie in verschiedenen leitenden Positionen an der Universität Graz und TU Graz tätig, unter anderem als Vorständin des Instituts für Semantische Datenanalyse der TU Graz und seit 2009 als Leiterin des Instituts für Psychologie der Uni Graz. Die damalige Pendlerin zwischen zwei Unis und der Gehirnforschung war mit der Vision angetreten, vor allem die Forschung und Nachwuchsförderung der Uni voranzutreiben. Gegenüber der APA bilanzierte sie, was die "Kraft des Gedankens" auch trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen bewirken konnte.

Qualitätssteigerung gelungen

"Bei dem Ziel die Qualität und Quantität laufend zu steigern, ist uns einiges gelungen", blickte die scheidende Rektorin zurück. Die Zahl der Veröffentlichungen habe sich von 2011 bis 2018 "fast um die Hälfte" erhöht, im Leiden-Ranking, bei dem die Zitierungen der Publikationen der Unis gezählt werden, liege die Uni Graz immer unter den Top-200, zuletzt auf Platz 70.

Wichtig sei auch gewesen, "die Forschung auf Bereiche zu fokussieren und von reiner Individualforschung stärker zur interdisziplinär vernetzten Arbeit auszubauen". Lösungen für gesellschaftliche und globale Herausforderungen wie Klimawandel oder altersassoziierte Erkrankungen oder die Herausforderungen der Europäisierung stehen im Mittelpunkt. Die neuen Impulse hätten das Profil und die Sichtbarkeit der Universität gestärkt.

Die Zahl der Professuren wurde in acht Jahren um 25 Prozent erhöht, "mit der neuen Leistungsvereinbarung kommen noch 40 neue hinzu", legte die 61-Jährige dar. Der Anteil der internationalen Berufungen sei in diesem Zeitraum von 33 auf 80 Prozent gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Drittmitteleinnahmen von 19,7 auf 30,8 Millionen Euro erhöht, fasste Neuper zusammen. "Wo wir noch Potenzial sehen, ist im EU-Bereich. Wir versuchen hier mit Anschubfinanzierung, Co-Finanzierung und zusätzlichen Doktoratstellen zusätzlich zu stärken", wie Neuper ausführte.

Nachwuchs fördern

Um die Forschung an der Uni nachhaltig abzusichern, werde der wissenschaftliche Nachwuchs "fordernd gefördert". "Wir haben die strukturierte Doktoratausbildung fast flächendeckend etabliert und die Zahl der angestellten Doktoranden von 20 auf mittlerweile 34 Prozent erhöht", erläuterte Neuper. Die 230 Stellen für angestellte Doktoranden im 30-Stunden-Ausmaß würden in der neuen Leistungsperiode noch um 80 weitere Stellen erhöht.

Die "Doctoral Academy" sei die international am besten wahrgenommene Maßnahme. Diese biete das "Dach" für die bisher erfolgreichen Doktoratkollegs, die nur für eine gewisse Periode vom FWF gefördert wurden. Durch die Academy gebe es nun die Möglichkeit Konsortien zu bilden, die zumindest zu 50 Prozent drittmittelfinanziert sind, "die Uni versorgt sie dann mit weiteren Stellen". Mittlerweile gebe es 13 Konsortien mit 150 Nachwuchsforscherinnen und -forschern. Die Stellen werden international kompetitiv ausgeschrieben.

Erfolg auf europäischer Ebene: ARQUS-Allianz

Mit der Zusage für eine von 17 European Universities hat die Uni Graz kürzlich einen Erfolg auf europäischer Ebene eingefahren: Mit sechs weiteren europäischen Universitäten wird man die Universitätsallianz ARQUS zum Leben erwecken: Die Unis Granada, Bergen, Graz, Leipzig, Lyon, Padua und Litauen wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen und werden dafür in den kommenden drei Jahren mit bis zu fünf Millionen Euro gefördert. "Ziel ist es, dass Studierende Teile ihres Studiums an den anderen Unis absolvieren, Kontakte zur Industrie bekommen, in die Arbeitswelt hineinkommen und ein europäisches Diplom erwerben. Das ergänzt unsere Internationalisierungsstrategie und wird die Kooperation auf vielen Ebenen weiterbringen", zeigte sich Neuper erfreut.

In der interuniversitären Kooperation BioTechMed arbeiten Forscher der Uni Graz, Med-Uni Graz und der TU Graz in der Medizin, Technik, Molekularen Biomedizin, Neurowissenschaft, Modellierung und Pharmazie eng zusammen, um Spitzenforschung voranzutreiben und international sichtbarer zu werden, führte Neuper weiter aus. "Hier wurden einige Leuchtturmprojekte vergeben und diese Projekte haben wiederum in Folge Großprojekte, etwa im Bereich Molecular Metabolism, mit sich gezogen", wie Neuper schilderte.

Um die - mittlerweile 15 Jahre alte - Kooperation "NAWI Graz", der Kooperation der Uni Graz und TU Graz im naturwissenschaftlichen Bereich - werde man vielerorts bereits beneidet. In dem österreichweit noch immer einzigartigartigen Zusammenschluss werden rund 5.300 Studierende in 21 naturwissenschaftlich-technischen Studien gemeinsam betreut. Rund 19 Millionen Euro wurden seit 2004 in moderne Infrastruktur investiert und 20 Professuren gemeinsam berufen. "Hier wurde zuerst bei der Lehre angesetzt und die Forscher der Unis haben sich dann als logische Konsequenz zusammengefunden", blickte Neuper zurück. Mittlerweile seien interuniversitäre Departements eingerichtet, wie das Geozentrum mit den Erdwissenschaften, der Geotechnik, Tunnelbau und weiteren Bereichen. Geplant sei nun auch ein gemeinsames Gebäude am Areal der Innfeldgasse, der Bauleitplan sei jedoch noch nicht freigegeben. Für die Physiker liefen laut Neuper Gespräche mit den Ministerien, um ein gemeinsames "Graz Center of Physics" zu realisieren.

Frauenanteil und Familienfreundlichkeit

An der Universität Graz stellen Frauen mit 63 Prozent die Mehrheit der Studierenden. In punkto Geschlechtergleichstellung wurden an der Uni Graz in den vergangenen zehn Jahren einige familienfreundliche Maßnahmen etabliert. Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen und flexiblen Betreuungsangeboten wurde erhöht und ein Papamonat wie auch Sonderurlaube für die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger über das gesetzlich vorgesehene Ausmaß hinaus eingeführt. Seit 2011 ist sie als familienfreundliche Hochschule zertifiziert. Damals lag der Anteil der Professorinnen bei 23 Prozent: "Wir konnten den Frauenanteil unter den Professuren auf 30 Prozent steigern. Wir sind noch nicht angekommen, wo wir sein wollen, aber ich glaube, dass wir eine gute Basis haben", schloss Neuper.

(APA/red, Foto: APA/APA (UNI GRAZ/KANIZAJ))


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