Simulations-Tool für Maßnahmen gegen Hitze soll Stadtplanern helfen

10. September 2020 - 14:41

Sommerliche Hitzeinseln werden in Städten zunehmend zum Problem. Die Rezepte, um Plätze und Gebäude zu kühlen, sind laut Experten prinzipiell simpel, man muss sie nur richtig anwenden. Das EU-Projekt Clarity will Planern ein digitales Tool an die Hand geben, um die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen wie Begrünung, Entsiegelung oder Farbgebung zu simulieren. Die Stadt Linz war daran beteiligt.

Hilfe für Städte im Kampf gegen den Klimawandel
Hilfe für Städte im Kampf gegen den Klimawandel

Eine der im Rahmen des vom Austrian Institute of Technology (AIT) geleiteten Projektes angestellten Simulationen betrifft den Linzer Hauptplatz, der mit gut 13.000 Quadratmetern einer der größten Plätze bundesweit ist: Mit neun Bäumen könnte man dort die Strahlungstemperatur um zwölf Grad reduzieren, so die Forscher. Allerdings geht man dabei von großen, in der Erde verwurzelten Bäumen mit rund 15 Metern Kronendurchmesser aus, wie Tanja Tötzer, AIT-Expertin für resiliente Stadtplanung, schilderte.

Am Hauptplatz ließ sich das aber so nicht verwirklichen - eine Tiefgarage und ein Bunker verhinderten bisher die Schaffung des nötigen Wurzelraums. Daher stehen nun 30 Linden in Töpfen auf dem Pflaster, was laut Tötzer auch einen Effekt bringe, aber eben entsprechend weniger. Die Linzer Umweltstadträtin Eva Schobesbeger (Grüne) sieht in den Hauptplatz-Bäumen zwar "kein Klimaschutz-, aber ein Bewusstseins-Projekt", das den Leuten das Problem zumindest vor Augen führe.

Berechnungen für mehr als 400 städtische Gebiete möglich

Bei Clarity (Integrated Climate Adaptation Service Tools for Improving Resilience Measure Efficiency) waren insgesamt 17 Partner mit an Bord, u.a. auch die ZAMG. Herausgekommen ist ein Tool, mit dem Berechnungen für mehr als 400 städtische Gebiete in Europa angestellt werden können. "Es ist ein sehr guter Prototyp, aber noch kein fertiges Produkt", beschreibt es Projektleiter Denis Havlik. Ziel ist, es weiter zu verfeinern, um dann Stadtplanern und Gemeinden, aber auch Architekten oder Bauherrn ein Instrument zu geben, mit dem sie die Auswirkungen ihrer Detailplanung rasch abschätzen können - etwa um die Frage zu klären: Wie muss ich ein Gebäude gestalten, damit ich ohne Klimaanlage auskomme? Schobesberger hofft nun, für Linz ein entsprechendes Folgeprojekt für diese Feinjustierung aufsetzen zu können.

Noch in den Kinderschuhen ist in der Stadtplanung die Frage der Farbgebung. Laut einer amerikanischen Studie wäre der Effekt heller Dächer wohl recht groß, berichtete Havlik. Allerdings muss man hier noch andere Auswirkungen beachten, etwa ob man nicht sehr geblendet würde. Für Schobesberger sind auch die Simulationen über Veränderungen in den Grün- bzw. Frischluftkorridoren der Stadt ein wichtiges Thema. Hier gibt es in Linz immer wieder Befürchtungen, dass diese teilweise verbaut werden könnten.

(APA/red, Foto: APA/APA (OTS/AIT))

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