Senkung der Klassenschülerzahl führte nicht zu besserer Leseleistung

8. Oktober 2019 - 9:41

Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl ab Herbst 2007 hat nicht zu einer Steigerung der Leseleistung in der Volksschule geführt. Das zeigt eine Analyse von Forscherinnen des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie). Vom Gratis-Pflichtkindergarten sowie der Bildungsstandards profitierten wiederum nur einheimische Kinder, nicht aber Migranten.

Resultate der PIRLS-Studien 2006, 2011 und 2016 analysiert
Resultate der PIRLS-Studien 2006, 2011 und 2016 analysiert

Für ihren im neuen Sammelband "Lesekompetenz der 10-Jährigen im Trend - Vertiefende Analysen zu PIRLS" erschienenen Beitrag untersuchten Silvia Salchegger und Iris Höller den Einfluss diverser Reformmaßnahmen der vergangenen Jahre auf die Ergebnisse der Kinder mit bzw. ohne Migrationshintergrund in der Lesestudie PIRLS, für die alle fünf Jahre Kinder der vierten Klasse Volksschule getestet werden. Dafür herangezogen wurden die Resultate der PIRLS-Studien 2006, 2011 und 2016.

Für die Untersuchung wurde dabei zwischen Kindern der ersten (Kind nicht in Österreich geboren) und zweiten Zuwanderergeneration (Kind in Österreich, beide Eltern im Ausland geboren) unterschieden, da erstere bei späterer Zuwanderung unter Umständen nicht den Gratis-Pflichtkindergarten besuchten. Kinder mit deutschen Eltern wurden wiederum aufgrund des gleichen sprachlichen Hintergrunds den einheimischen Kindern zugerechnet.

Resultat: "Entgegen der politischen Intention geht die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl nicht mit gestiegenen Schülerleistungen einher. Tatsächlich waren die Leistungen von Kindern ohne Migrationshintergrund sowie von jenen der zweiten Migrantengeneration nach Kontrolle des sozialen Hintergrunds 2011 sogar signifikant niedriger als 2006."

Maßnahmen im Kindergartenbereich

Etwas anders verhält es sich mit den Maßnahmen im Kindergartenbereich (2008/09: Start der sprachlichen Frühförderung, 2009/10: bundesweiter Bildungsrahmenplan, 2010/11: Pflicht-Kindergartenjahr) sowie den Bildungsstandards (ab 2010): Deren Auswirkungen waren erstmals bei PIRLS 2016 messbar. "Unerwartet ist, dass zwar bei einheimischen Kindern, die bereits von diesen beiden Reformmaßnahmen profitierten, die Lesekompetenz höher ist als bei jenen der Vorgängerkohorte, bei Kindern mit Migrationshintergrund ergibt sich allerdings keine positive Veränderung." Das ist insofern überraschend, als etwa Kinder einheimischer Eltern schon vor 2010 häufiger den Kindergarten besucht haben als Kinder mit Migrationshintergrund. Insofern wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass letztere vom Pflichtkindergartenjahr bzw. sprachlicher Frühförderung stärker profitieren und nicht umgekehrt.

Über die Gründe für diese Entwicklung könne nur spekuliert werden, so die beiden Forscherinnen in ihrem Beitrag: Möglicherweise sei in Schulen und Kindergärten mit geringem Migrantenanteil die Unterrichts- bzw. pädagogische Qualität stärker gestiegen als in solchen mit hohem Ausländeranteil. Außerdem besuchen einheimische Kinder den Kindergarten im Schnitt länger als Kinder mit Migrationshintergrund. Die Forschung deute darauf hin, dass erst der längere Besuch einer qualitativ hochwertigen Einrichtung langfristig positiv wirke.

(APA/red, Foto: APA)


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