Ragweed: Herkunft und Umweltverschmutzung beeinflussen Aggressivität

5. August 2022 - 11:23

Mehr als 33 Millionen Menschen in Europa leiden an einer Ragweed-Allergie. Forschende prognostizieren aufgrund des Klimawandels einen Anstieg auf 77 Millionen Fälle bis 2060. Teams von MedUni Wien, Universität Wien und BOKU Wien fanden nun außerdem heraus, dass die Herkunft von Ragweed-Pollen aus verschiedenen geografischen und klimatischen Regionen sowie Umweltverschmutzung die Schwere von allergischen Reaktionen beeinflussen kann. Die Pollen sind unterschiedlich aggressiv.

Die Ragweed-Saison wird immer länger
Die Ragweed-Saison wird immer länger

Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) ist eine hochallergene Pflanze, deren Pollen bei sensibilisierten Menschen Heuschnupfen verursacht sowie zu Asthma führen kann, erläuterte die MedUni Wien am Freitag in einer Aussendung. Das universitätsübergreifende Forschungsteam setzte Mäuse den Pollen aus, die in unterschiedlichen geografischen Regionen gesammelt wurden. Es zeigte sich, dass für eine allergische Reaktion bereits eine geringe Menge (insgesamt 180 Pollenkörner) ausreichend ist, viel weniger als die hohen Pollenkonzentrationen, die während der saisonalen Blütezeit in der Luft vorzufinden sind.

Längere Blütezeit durch Klimawandel

Durch den Klimawandel verlängert sich die Blütezeit in Europa, die Pflanze kann sich in nördlichere Gebiete ausbreiten. Aber auch die regionale Herkunft der Pollen bestimmt die Schwere der allergischen Reaktion. "Unsere Studie zeigt, dass Pollen aus verschiedenen Umgebungen unterschiedlich aggressiv sein können. Also nicht nur die Pollenkonzentrationen in der Luft, sondern auch intrinsische (von innen her) Veränderungen im Zusammenhang mit der Umgebung könnten die Sensibilisierungsfähigkeit der Pollen verändern und schlimmere allergische Symptome verursachen", erläuterte die leitende Forscherin und Koordinatorin des Projekts "Atopica", Michelle Epstein von der MedUni.

"Wir wissen jetzt, dass sich die Aggressivität der Pollen durch Umwelteinflüsse verändert. Die nächsten Schritte sind eine weitere Charakterisierung der Pollen, insbesondere auf molekularer Ebene, um die Zusammensetzung allergener Komponenten eindeutig zu identifizieren", ergänzte Wolfram Weckwerth vom Department für Funktionelle und Evolutionäre Ökologie der Universität Wien. "Die Bekämpfung von Ragweed ist ein wichtiges Anliegen der öffentlichen Gesundheit und eine Anpassungsstrategie zur Eindämmung und Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels", betonte auch Gerhard Karrer, Botaniker an der Universität für Bodenkultur.

Die Ragweed-Saison beginnt im August und erstreckt sich über den ganzen Herbst, mit der globalen Erwärmung wird die Saison jedoch länger. Der Einfluss des Klimawandels und anderer Umweltfaktoren umfasst laut den Forschenden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Reihe anderer pollenproduzierender Pflanzen. Die jährliche wirtschaftliche Belastung der EU durch allergisches Asthma wird bereits jetzt auf bis zu 151 Milliarden Euro geschätzt.

Service: Die Studie im Fachblatt "Frontiers in Allergy": https://doi.org/10.3389/falgy.2022.854038

(APA/red, Foto: APA/Wikimedia Commons/H. Rose)

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