Physik-Nobelpreis für Kosmologie-Schlüsselfigur und Planetenjäger

8. Oktober 2019 - 14:59

Eine "Schlüsselfigur" der Kosmologie und zwei Planetenjäger bekommen den Physik-Nobelpreis 2019: Eine Hälfte geht an den Kanadier James Peebles für Entdeckungen in der Kosmologie, die andere Hälfte an die beiden Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz für den Nachweis des ersten Exoplaneten, gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt.

Auszeichnung für James Peebles, Michel Mayor und Didier Queloz
Auszeichnung für James Peebles, Michel Mayor und Didier Queloz

Das Nobelpreis-Komitee würdigte die Beiträge der Preisträger, die "unsere Vorstellungen vom Kosmos für immer verändert haben". Die theoretischen Entdeckungen des 84-jährigen James Peebles von der Princeton University hätten zu unserem "Verständnis beigetragen, wie sich das Universum seit dem Urknall entwickelt hat". Michel Mayor (77) von der Universität Genf und Didier Queloz (53), der ebenfalls an der Uni Genf und an der Universität Cambridge arbeitet, hätten "auf der Jagd nach unbekannten Planeten unsere kosmische Nachbarschaft erforscht".

Erste Entdeckung eines Exoplaneten 1995 bekanntgegeben

Mayor und Queloz gaben im Oktober 1995 die erste Entdeckung eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplanet) bekannt. Der Gasplanet, vergleichbar mit dem Jupiter, umkreist den Stern "51 Pegasi" und erhielt den Namen "51 Pegasi b". Diese Entdeckung habe "eine Revolution in der Astronomie ausgelöst und über 4.000 Exoplaneten wurden seither in der Milchstraße gefunden", heißt es seitens des Nobelpreis-Komitees.

"Diese Entdeckung ist die aufregendste unserer gesamten Karriere, und einen Nobelpreis zu erhalten, ist einfach außergewöhnlich", wurden die Mayor und Queloz in einer Aussendung der Universität Genf zitiert. Für Luca Fossati vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist es angesichts des Aufsehens, das die erste Entdeckung eines Exoplaneten auf sich zog, erstaunlich, dass es über 20 Jahre gedauert hat, bis das entsprechend gewürdigt wird. 1995 habe wirklich einen wissenschaftlichen Anfang markiert.

Übergang der Kosmologie von der Spekulation zur Wissenschaft

Peebles war mit seinen theoretischen Werkzeugen und Berechnungen in der Lage, Spuren über den Anfang des Universums zu interpretieren und neue physikalische Prozesse zu entdecken. Für Matthias Steinmetz vom Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam "steckt James Peebles praktisch hinter allen Ideen zum Aufbau des Universums auf großen Skalen". Das Nobelpreis-Komitte bezeichnete Peebles als "Schlüsselfigur" beim Übergang der Kosmologie von der Spekulation zur Wissenschaft in den 1960er Jahren.

Peebles erkannte etwa, dass die Temperatur der Kosmischen Hintergrundstrahlung, ein Beleg für die Urknall-Theorie, Auskunft darüber geben kann, wie viel Materie beim Urknall gebildet wurde. Der Physiker schlug 1982 auch schwere, langsame Teilchen als Kandidaten für die Dunkle Materie vor, die nicht mit der bekannten Materie interagieren und rund 26 Prozent des Universums ausmachen. Entdeckt wurden diese Teilchen bisher noch nicht.

"Ich habe das nicht alleine geschafft", sagte Peebles nach der Bekanntgabe am Telefon. Neben den Erkenntnissen, für die er nun geehrte werde, dürfe man nicht vergessen, dass er auch "viele falsche Ideen publiziert" habe, sagte Peebles. Daniel Grumiller vom Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität (TU) Wien bezeichnete Peebles als "einen der wichtigsten lebenden theoretischen Kosmologen". Die Zuerkennung sei aber "ein wenig überraschend", weil er viele seiner einflussreichen Arbeiten mit Kollegen verfasst habe.

Die Auszeichnung ist heuer mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Übergeben wird der Preis alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

(APA/red, Foto: APA/APA (AFP/Nackstrand))


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