Österreichs Politiker twittern häufig zu internationalen Debatten

16. September 2020 - 20:05

Da sich politische Kommunikation auch in Europa immer mehr in Richtung Online-Kanäle verschiebt, richtet auch die Forschung ihren Blick verstärkt dort hin. Niederländische und schwedische Forscher haben nun die Twitter-Aktivitäten von Parlamentariern aus 26 Ländern in einer neuen Datenbank zusammengefasst. Österreichs Politiker erscheinen darin recht aktiv in internationalen Debatten.

Kleine Länder erscheinen stärker nach außen orientiert
Kleine Länder erscheinen stärker nach außen orientiert

Die nun vorgestellte "Twitter Politician Database" von Forschern um Livia van Vliet von der Universität Amsterdam umfasst neben den Tweets der nationalen Volksvertreter auch die Twitter-Aktivitäten von Europaparlamentariern von Mai 2017 bis Oktober 2019. Insgesamt handle es sich laut Kenntnisstand der Projekt-Initiatoren um die umfassendste Zusammenfassung von Informationen dieser Art bisher, schreiben sie in der im Fachjournal "Plos One" erschienen Arbeit.

Dieses relativ neue Phänomen der Politikkommunikation beschränkt sich schon lange nicht mehr auf den ob seiner Tweets berüchtigte Vorreiter auf dem Gebiet, US-Präsident Donald Trump. Bisherige einschlägige wissenschaftliche Studien seien allerdings vielfach Einzelaufnahmen, die etwa nur auf ein oder wenige Länder betreffende Fragestellungen fokussieren, und mit unterschiedlichem Datenmaterial und Methoden arbeiten, heißt es.

80 Prozent der Parlamentarier auf Twitter

Aus dem neuen Fundus heraus sind die Forscher verschiedenen Fragen zur Nutzung nachgegangen. Demnach sind im Durchschnitt mittlerweile 80 Prozent der Parlamentarier auf Twitter vertreten. Die höchste Durchdringung gibt es in den USA. Im Schnitt aller Länder setzen die Politiker 2,8 Tweets am Tag ab.

Insgesamt zeige sich, dass die Parlamentarier auf der Plattform zum allergrößten Teil innenpolitische Themen verhandeln. Bei einer Analyse darüber, wie stark sich Politiker mittel Twitter an internationalen Debatten beteiligen, wurden große Länderunterschiede deutlich: Im Zentrum dieser Diskussionen stehen demnach meistens Großbritannien und Deutschland und etwas weniger stark Frankreich - also wenig überraschend die politischen Schwergewichte Europas. Auf der anderen Seite sind es großteils Vertreter kleinerer Länder, die sich von außen an diesen Debatten beteiligen.

So ist der Anteil an Erwähnungen, die sich auf andere Länder beziehen, unter österreichischen Parlamentariern am größten, heißt es in der Studie. Dahinter folgen in der Auswertung mit Island und Malta weitere kleinere Staaten. "Kleine Länder erscheinen stärker nach außen orientiert", schreiben die Autoren. Umgekehrt erwähnen der Analyse zufolge nur sehr selten Parlamentarier aus anderen Ländern, Volksvertreter aus kleinen Ländern wie Österreich. Innerhalb Europas landet Österreich hinter Italien und vor Irland an der zwölften Stelle der für internationale Twitter-Debatten wichtigsten Staaten.

Service: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0237073

(APA/red, Foto: APA/APA (AFP/Douliery))

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