Neuer Uni-Wien-Rektor muss bei Corona und Teuerung "auf Sicht fahren"

28. September 2022 - 8:59

Sebastian Schütze tritt sein Amt als neuer Rektor der Uni Wien am kommenden Montag in unsicheren Zeiten an. Das Wintersemester will er im dritten Corona-Jahr zumindest unter halbwegs normalen Rahmenbedingungen beginnen - "im Moment fahren wir auf Sicht". Dasselbe gilt angesichts der extremen Teuerung beim Budget. Als Vision schweben Schütze an der Uni Wien noch mehr Vernetzung der Disziplinen und mehr Mut zur angewandten Forschung vor. Und ein Center for Advanced Studies.

Sebastian Schütze hofft auf ein "ordentliches Zusatzbudget"
Sebastian Schütze hofft auf ein "ordentliches Zusatzbudget"

Nach zwei Jahren mit viel coronabedingtem Distance Learning sei es ganz zentral, Studierende und Lehrende wieder an die Uni als sozialen Raum als sozialen Raum zurückzuholen, betonte der Nachfolger von Heinz Engl am Dienstagabend im Klub der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen. Deshalb starte man "halbwegs normal" ins neue Studienjahr - "wie lange wir das aufrecht erhalten können, wissen wir nicht".

Gleichzeitig betonte Schütze, dass die Uni ihre Lektion in Sachen Digitalisierung nicht verlernt habe: Es werde Ersatzangebote für Risikogruppen geben und ebenso für coronainfizierte Studierende, die an der Uni Wien zum Fernbleiben angehalten werden. Viele Lehrende hätten ihr Angebot bereits hybrid angelegt, weil sie mit vielen Ausfällen rechnen bzw. dann ein möglicherweise erzwungener Umstieg auf reinen Online-Unterricht leichter wäre.

Um der Teuerung zu begegnen, wurden an der Uni Wien bereits Sofortmaßnahmen ergriffen, von geringeren Raumtemperaturen bis zum Verzicht auf Festbeleuchtung. Als Vorsichtsmaßnahme würden auch schon notwendige Ausgaben wie Berufungen hinausgezögert. Welche weiteren Maßnahmen nötig sein werden, hängt laut Schütze davon ab, ob es vom Bildungsministerium wie erhofft ein "ordentliches Zusatzbudget" geben wird und wie das Ergebnis der Kollektivvertragsverhandlungen aussieht - immerhin bestehe das Budget der Uni Wien zu zwei Drittel aus Personalkosten. "Egal wie das Zusatzbudget ausfällt: Es werden Einsparungen notwendig sein." Dafür etwa auf digitale Lehre umzustellen hielte er für den falschen Ansatz, außerdem sei das Sparpotenzial im Vergleich zu den Personalkosten nicht sehr groß.

Synergien und Vernetzung vorantreiben

Neben der Bewältigung der aktuellen Krisen hat sich Schütze mittelfristig vorgenommen, an der Uni Wien Synergien und Vernetzung voranzutreiben. Innovation passiere oft an der Schnittstelle zwischen den Fächern - gerade auch jenen, die traditionell nicht so eng zusammenarbeiten, etwa Geistes- und Naturwissenschaften. Aber auch in Kooperationen mit anderen Unis oder Forschungsinstitutionen sieht Schütze Potenzial - bei der Behandlung komplexer Themen wie künstlicher Intelligenz oder Klimawandel mit ihren vielfältige Auswirkungen auf die Gesellschaft, aber auch um in Zeiten geringerer Budgets etwa bei der technischen Ausstattung Synergien nutzen zu können.

An der Uni selbst will er die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen an gesellschaftlich relevanten Fragestellungen künftig durch neue Querstrukturen fördern, in einer ähnlichen Form wie den bestehenden Forschungsplattformen. "Die brauchen ein ordentliches Budget, aber es ist vergleichsweise überschaubar und der Effekt ist sehr groß."

Außerdem will Schütze Berührungsängste mit dem Thema anwendungsorientierte Forschung abbauen: Für ihn bedeute das, Ergebnisse der Grundlagenforschung einem breiteren Publikum als den Lesern des eigentlichen Fachartikel zugänglich zu machen. In Zeiten großer Transformationen gebe es etwa Bedarf an verlässlichen historischen Statistiken, auch für die Beratung etwa von politischen Organen hätten Ergebnisse von Grundlagenforschung Relevanz. "Da sehe ich großes Potenzial."

Viel Potenzial hätte für Schütze an der Uni Wien angesichts ihrer Größe und Relevanz auch die Einrichtung eines Center for Advanced Studies. International sei das ein gut eingeführtes Instrument, um die eigene Reputation zu verbessern und jene Netzwerke zu knüpfen, die es brauche, um an hochkompetitiv vergebene Forschungsmittel zu kommen. Auch eine Kooperation mit anderen Wiener Unis wäre hier möglich.

(APA/red, Foto: APA/APA/UNIVERSIT€T WIEN/JOHANNES HLOCH)

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