Per Lockdown in die Bluthochdruck-Krise

19. November 2020 - 12:41

Maßnahmen zur sozialen Isolierung und Verhinderung der weiteren Ausbreitung von SARS-CoV-2 haben nicht nur psychologische Auswirkungen. In einer groß angelegten argentinischen Studie hat sich ergeben, dass der Lockdown im Frühjahr zu einer deutlichen Steigerung des Anteils der Notfallambulanz-Patienten mit Bluthochdruck geführt hat, teilte die Europäische Kardiologengesellschaft (ESC) mit.

Studie umfasst Daten von 12.241 Patienten
Studie umfasst Daten von 12.241 Patienten

In Argentinien war es im Frühjahr 2020 zu verpflichteten Einschränkungen der Sozialkontakte samt einem generellen Lockdown ab dem 20. März gekommen. Die Wohnung durfte man nur noch für das Besorgen der wichtigsten Güter des täglichen Bedarfs etc. verlassen. "Nachdem diese sozialen Isolierungsmaßnahmen begonnen hatten, sahen wir plötzlich in der Notfallaufnahme mehr Patienten mit hohem Blutdruck", schilderte Matias Fosco von der Universitätsklinik in Buenos Aires bei der Online-Tagung der argentinischen Kardiologengesellschaft (SAC).

Daraufhin wurde an der Klinik eine Studie durchgeführt. Man registrierte die Häufigkeit von Hypertonie bei Patienten über 21 Jahren, die vom 20. März bis 25. Juni, also rund drei Monate lang, im Rahmen des Lockdowns in die Notfallambulanz kamen, und verglich das mit zwei Zeiträumen: den drei Vergleichsmonaten im Jahr 2019 und den drei Monaten unmittelbar vor dem Lockdown im Frühjahr 2020.

Häufige Hypertonie

Die Studie umfasste schließlich die Daten von 12.241 Patienten. Sie waren im Durchschnitt 57 Jahre alt, knapp 46 Prozent waren Frauen. Während des Lockdowns selbst sank die Frequenz in der Notfallaufnahme der Universitätsklinik gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um fast 57 Prozent, im Vergleich zu den drei Monaten davor um fast 54 Prozent.

Die potenziell lebensgefährlich Hypertonie allerdings schlug während der Lockdown-Periode voll durch: 391 Patienten oder 23,8 Prozent, welche die Notambulanz frequentierten, wiesen Bluthochdruck auf. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 17,5 Prozent gewesen, in den drei Monaten vor dem Lockdown 15,4 Prozent.

Fosco erläuterte: "Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Verbindung zwischen sozialer Isolation und Hypertonie. Vermehrter Stress durch die Pandemie, weniger Personenkontakte, eine sich verschlechternde finanzielle Situation oder Probleme in der Familie. Auch ein geändertes Verhalten kann die Ursache sein, zum Beispiel zu viel Essen oder vermehrter Alkoholkonsum, inaktiver Lebensstil oder Gewichtszunahme."

Ursachen blieben gleich

Gleich geblieben waren die Ursachen für das Aufsuchen der Notambulanz: vor allem Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Bauchschmerzen, Fieber, Husten oder eben Blutdruckprobleme. In einer Folgestudie soll jetzt ausgewertet werden, wie sich die spätere Lockerung der Restriktionen nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 auswirkte.

Jedenfalls sollten behandelnde Ärzte gerade während solcher Zeiten ein besonders scharfes Auge auf ihre Patienten mit Bluthochdruck haben. "Wenn wir unsere kardiologischen Patienten nicht entsprechend behandeln und aufmerksam beobachten, werden wir in Zukunft negative Folgen sehen", warnte Jose Luis Zamorano von der argentinischen Kardiologengesellschaft.

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))

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