Kritik an Ausbauplänen für Fachhochschulen

3. Januar 2019 - 13:59

Mehr als 3.000 zusätzliche Plätze sollen bis 2022/23 an den Fachhochschulen (FH) geschaffen werden. Das sieht der Fachhochschulentwicklungs- und Finanzierungsplan der Regierung vor, den Betroffene nun jedoch kritisieren: Das Strategiepapier bringe zu wenig Tempo beim Ausbau der Studienplätze und zu wenige Mittel, FH nennen es "inhaltlich bescheiden", "qualitätsgefährdend", "existenzbedrohend".

Die FHK fordert 1.000 zusätzliche Anfängerstudienplätze pro Jahr
Die FHK fordert 1.000 zusätzliche Anfängerstudienplätze pro Jahr

Im Entwicklungsplan wird u.a. die Zahl der Studienplätze, ihr Ausbaupfad und die Finanzierung festgehalten. Ende Oktober wurde das Papier für die Jahre 2018/19 bis 2022/23 im Ministerrat präsentiert. Darin vorgesehen: 1.450 neue Anfängerplätze an den FH bis 2022/23, im Vollausbau sind das 3.054 Studienplätze mehr als 2017/18.

Konkret sind 2020/21 und 2021/22 jeweils 330 neue Anfängerplätze vorgesehen, 2022/23 sind es 340. Im Regierungspapier mitgerechnet - oder laut Management Center Innsbruck (MCI) "künstlich (...) zugerechnet" - werden auch die 450 neuen Plätze, die im aktuellen Studienjahr (2018/19) ohne längerfristige Planung im Hintergrund geschaffen wurden. 2019/20 wird es keinen einzigen zusätzlichen Platz geben, weil der bisherige Entwicklungsplan schon mit Juni ausgelaufen war.

Harsche Kritik am Strategiepapier

Bis Ende Dezember konnten Betroffene Stellungnahmen zu dem Papier abgeben - und die sind zum Teil recht harsch ausgefallen. Der Tenor: Der vorliegende Plan stehe im Widerspruch zum von der Regierung angekündigten signifikanten Ausbau des FH-Sektors, der Bedarf von Wirtschaft und Industrie könne so nicht gedeckt und es müssten auch in Zukunft eine Vielzahl an Bewerbern abgewiesen werden. "Ein wenig erfreulicher Ausblick", heißt es von der FH Joanneum. Das MCI findet den Ausbau "absolut unzureichend" und ortet auch eine Widerspruch zum Strategiepapier "Zukunft Hochschule" des Bildungsressorts. Immerhin bringe der Ausbau um 330 bzw. 340 Plätze bei 21 FH "statistisch kaum mehr als 10(!) Anfangsstudienplätze pro Einrichtung per anno".

Ein weiteres Problem sind für die Betroffenen real sinkende Mittel pro Platz: Da die Fördersätze seit 2016 nicht wertangepasst wurden, hätten diese um 19 Prozent an Wert eingebüßt, rechnet die FH Joanneum vor. Der Ausbau der FH-Plätze muss deshalb, wie die Fachhochschulkonferenz (FHK) es formuliert, "über Einsparungen finanziert werden". Dadurch seien Erfolgsfaktoren wie gute Betreuungsverhältnisse und die Größe der Lehr- und Lerngruppen gefährdet. Wenn nicht mehr die üblichen Gehälter bezahlt werden können, werde es außerdem schwerer, geeignetes Lehr- und Forschungspersonal zu finden - vor allem durch die stärkere Konkurrenz mit den Unis, wo mit der Budgeterhöhung 360 neue Professorenstellen finanziert werden.

Forderung nach Doktoratsstudien und zusätzlichen Anfängerplätzen

Auf Unverständnis stößt außerdem, dass die FH weiterhin keine eigenständigen Doktoratsstudien anbieten dürfen, sondern für 2019 eine Ausschreibung für kooperative PhD-Studien zwischen Unis und FH vorgesehen ist. "Die Darstellung des Doktorats als Alleinstellungsmerkmal der Universitäten ist standespolitisch motiviert und sollte aus dem Entwicklungs- und Finanzierungsplan entfernt werden", meint dazu die FHK.

Weitere Forderungen: Pro Jahr müssten 1.000 zusätzliche Anfängerstudienplätze geschaffen sowie eine jährliche Inflationsabgeltung fixiert werden. Die Arbeiterkammer verlangt eine Überarbeitung des Plans "insbesondere mit dem Fokus der stärkeren Förderung der sozialen Durchlässigkeit", außerdem müssten neben dem Schwerpunkt auf MINT-Studien (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) "auch gesellschaftspolitisch wichtige Studienfelder wie Sozialarbeit" berücksichtigt werden.

Hoffnung auf mehr Budget sollten sich die FH nicht machen: Im Bildungsministerium findet man es auf Anfrage der APA zwar "verständlich", dass die Fachhochschulerhalter "ein Maximum" fordern. Allerdings würde alleine eine von der FHK geforderte Valorisierung der Fördersatzhöhen von fünf Prozent bis 2025 einen Budgetbedarf von 170 Mio. Euro bedeuten, "womit noch kein einziger neuer Studienplatz finanziert wäre". Außerdem verweist man darauf, dass die letzte Erhöhung der Fördersätze im Jahr 2016 um acht Prozent bzw. 7,3 Mio. Euro pro Jahr eigentlich mit Ende 2018 befristet war. In den Verhandlungen mit dem Finanzministerium habe man eine Senkung verhindern können, die derzeitigen Fördersätze würden bis 2023 verlängert.

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))

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