Historiker diskutieren in Graz die Entnazifizierung an Universitäten

16. Mai 2019 - 12:05

An den österreichischen Universitäten gestaltete sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Umgang mit dem Nationalsozialismus schwierig. Die neuen Zeiten waren vielerorts nicht ganz so neu wie erhofft. Ein Symposion an der Universität Graz beleuchtet noch bis zum 17. Mai den Umgang mit den NS-Wissenschaftern an den österreichischen Hochschulen.

Archivbild zeigt die Universität Graz zur Zeit des Nationalsozialismus
Archivbild zeigt die Universität Graz zur Zeit des Nationalsozialismus

Laut Gerald Lamprecht, Leiter des Centrum für jüdische Geschichte an der Universität Graz und Ko-Organisator der Tagung, war die Situation an den Universitäten nach dem Mai 1945 ambivalent: Zwar habe man sich bemüht eine "Stunde null" zu proklamieren. Das habe sich aufgrund der verschiedensten Interessen einzelner Akteure und der Notwendigkeit, den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, bald als illusorisch erwiesen.

So seien etwa die an der Universität Graz die Gremien zur Entnazifizierung aus der Universität selbst heraus zusammengesetzt worden, wie Susanne Korbel vom Centrum für jüdische Studien konstatierte. Der Mangel an Lehrenden und beständige Netzwerke brachten nicht immer die notwendige personelle als auch inhaltliche Neuorientierung. Das habe dazu geführt, dass nationalsozialistische Protagonisten nicht entlassen wurden oder sich nach einer Pause als Professoren an anderen Universitäten wiederfanden.

Prozessabläufe unter der Lupe

Das Centrum hat gemeinsam mit dem Grazer Zeithistoriker Heimo Halbrainer in einem dreijährigen Projekt untersucht, wie die Prozesse um eine 'Neubegründung' der Universität Graz abliefen, wie sich die entsprechenden Gremien organisierten und wie die steirische Landespolitik, die Bundesstellen sowie die kurzzeitige sowjetische und britische Besatzungsmacht dabei interagierten. Im Zentrum der Forschung standen die natur- und geisteswissenschaftliche und die juridische Fakultät.

Dabei sind die Wissenschafter sowohl auf Brüche als auch Kontinuität gestoßen. Der "inkonsistente Prozess des demokratischen Neubeginns und der Entnazifizierung sollte letztlich die Hochschulen über Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart prägen", resümieren die Organisatoren der Tagung. Das Grazer Symposion präsentiert die steirischen Ergebnisse und ermöglicht zugleich einen Vergleich mit anderen österreichischen Universitäten.

Service: http://go.apa.at/JHlORtHe

(APA/red, Foto: APA/APA (Sammlung Kubinzky))


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