Duales Studium: Ausbau der Kombi-Ausbildung von FH und Firmen geplant

21. Januar 2019 - 10:41

2002 wurde das erste Duale Studium an einer österreichischen Fachhochschule gestartet: Dabei kommt nach einem Jahr Vollzeitstudium die "duale Phase", in der sich Lernen an der Fachhochschule und bezahlte Praxis in Unternehmen abwechseln. Mittlerweile bieten sechs FH diese Form der Ausbildung an. Geht es nach dem Bildungsministerium, sollen es noch deutlich mehr werden.

Lernen an der FH und bezahlte Praxis in Unternehmen wechseln sich ab
Lernen an der FH und bezahlte Praxis in Unternehmen wechseln sich ab

So ist im neuen Fachhochschulentwicklungs- und Finanzierungsplan bis 2022/23 ein "verstärkter Ausbau" vorgesehen. Duale Studiengänge sollen "weiterhin bevorzugt gefördert werden", heißt es in dem Strategiepapier. 419 Studenten belegen laut der AQ Austria (Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria) derzeit einen Dualen Bachelorstudiengang, zwei Jahre zuvor waren es nur 256.

Bei dieser Form des Studiums verbringt man im Vergleich zu Pflichtpraktika bei einem klassischen FH-Studium deutlich mehr Zeit im Unternehmen, schildert Franz Geiger, Vorsitzender der Plattform dualstudieren.at und Studiengangsleiter für Elektrotechnik Dual der FH Vorarlberg, im Gespräch mit der APA. Ein Fünftel des Lernaufwands bzw. insgesamt eines von drei Studienjahren wird in einer Firma absolviert, wobei ein Teil der jeweils dreimonatigen Praxisphasen für die Ausbildung aufgewendet wird. Nach dem Abschluss blieben laut Geiger zumindest an der FH Vorarlberg "so gut wie alle" im Unternehmen - auch wenn es dafür explizit keine Verpflichtung gebe.

Theorieanteil genauso groß wie im Vollzeitstudium

Um die Qualität bei der Praxisausbildung sicherzustellen, werde einiger Aufwand betrieben, betont Geiger. Und der Theorieanteil des Studiums sei trotz des umfangreichen Praxisteils genauso groß wie im Vollzeitstudium. Nachdem die Studenten in den kooperierenden Unternehmen angestellt werden, haben sie nämlich wie andere Angestellte auch nur fünf Wochen Urlaub und können die vorlesungsfreien Zeiten in den Firmen verbringen.

Kritik eben daran kommt von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH): Die Arbeitsbelastung verdopple sich bei solchen Studienmodellen, Lehrveranstaltungen fänden verstärkt am Abend und an den Wochenenden statt, so die Vize-Vorsitzende Johanna Zechmeister von den Fachschaftslisten (FLÖ) zur APA. Sie sieht noch weitere Druckpunkte: Durch den großen Praxisanteil verliere das Studium nämlich an Breite, die Vergleichbarkeit beim in ECTS gemessenen Arbeitsaufwand in Firmen sei "besonders schwierig". Bei manchen Studenten entstehe außerdem eine große Abhängigkeit von den Unternehmen.

Offiziell laufen die dualen Studien unter dem Titel berufsbegleitendes Studium, obwohl sie vom Charakter her laut Geiger vielmehr einem Vollzeitstudium entsprächen. Mit der Plattform dualstudieren.at haben die FH mit Dualem Studienangebot gemeinsam mit der AQ Austria und dem Bildungsministerium immerhin eine Vernetzungsplattform eingerichtet, um darzustellen, was ein Duales Studium in Österreich bedeutet.

Teil des Curriculums wird von den Firmen vermittelt

Die Idee der Dualen Studien war es, Studenten besonders praxisnah auszubilden, ohne dafür wichtige Theorieteile zu opfern, indem ein Teil des Curriculums von den Firmen selbst in Projekten vermittelt wird. "Die Studierenden gehen mit den neuesten Inhalten in die Firmen und lassen das in die Umsetzung einfließen. Und umgekehrt kommen sie zu uns zurück mit den Problemstellungen, die sie in den Firmen erfahren haben und können dadurch Theorie und Praxis verbinden", schwärmt Geiger.

Das erste Angebot startete 2002 an der FH Joanneum, erst 2014 folgte dann an der FH Vorarlberg der zweite duale Studiengang. Mittlerweile wird diese Form des Studiums an sechs Fachhochschulen angeboten, vor allem im technischen Bereich. In Vorarlberg sei aus der Wirtschaft wiederholt der Ruf nach mehr Absolventen von Technik- und vor allem Elektrotechnikstudien gekommen, schildert er die Entstehungsgeschichte im Ländle. Das Duale Studium war der Versuch, auch jene Jugendlichen anzusprechen, die technikaffin sind, sich aber das Studium nicht zutrauen, weil sie eine AHS und keine HTL besucht haben. Der Plan ist für Geiger aufgegangen: "Meine Jahrgänge sind heterogener, genau das wollten wir."

Zielgruppe sind Maturanten und Berufstätige

Das Studium richtet sich dabei an Maturanten ebenso wie Berufstätige. In Vorarlberg werde der Duale Studiengang von Unternehmen im Bereich Elektrotechnik auch als Personalentwicklungsinstrument gesehen, schildert Geiger. Immerhin habe es davor in Vorarlberg keine akademische Ausbildung für Elektrotechnik gegeben, und eine Weiterbildung in dem Bereich war für die Unternehmen deshalb immer mit der Gefahr verbunden, dass die Mitarbeiter danach nicht zurückkehren. Beim ersten Jahrgang kam knapp die Hälfte der Studienanfänger über ein Unternehmen, mittlerweile sind es noch rund 25 Prozent.

Vorbild für Österreich war das bereits 1974 eingeführte Duale Studium in Deutschland. Laut einer aktuellen Studie der Hans Böckler Stiftung wurden 2016 dort mehr als ein Viertel der Bachelorstudien als Duales Studium angeboten, vor allem in den Bereichen Technik und Wirtschaft und neben den FH in Einzelfällen auch an Unis. Allerdings, wird in der Studie kritisiert, war "eine 'echte' Verzahnung der Ausbildungsbereiche von Hochschule und Betrieb an kaum einer Stelle zu beobachten". Die beim Dualen Studium vorgesehene enge Kopplung zwischen den Lernorten steht demnach nur in den Konzepten, findet aber "oft nur eingeschränkt bis gar nicht Eingang in den Alltag".

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))

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