Das bringt 2019 - Zeugnisjahr an Österreichs Schulen und neue Beschränkungen an den Unis

19. Dezember 2018 - 9:59

Viele Tests bzw. Testergebnisse bringt 2019 für Österreichs Schulen: Überprüft werden die Bildungsstandards Englisch sowie die Mathe- und Naturwissenschaftskompetenzen bei der internationalen TIMSS-Studie. Zudem werden die Ergebnisse der PISA-Studie, der OECD-Lehrerstudie TALIS sowie der Mathe-Bildungsstandards und Details der internationalen Lesestudie PIRLS unter den Zehnjährigen veröffentlicht. An den Universitäten bringt 2019 neue Platzbeschränkungen.

Mehrere Änderungen treten erst im Herbst in Kraft
Mehrere Änderungen treten erst im Herbst in Kraft

Zum Test antreten müssen am 4. April alle Schüler der 4. Klasse AHS und Neue Mittelschule (NMS) in Englisch, wenn die Bildungsstandards überprüft werden. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich im Jänner 2020 vorliegen. Zwischen März und Juni sollen außerdem die Zehn- und 14-Jährigen bei der internationalen Studie TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) zeigen, wie es um ihr Wissen in Mathe und Naturwissenschaften steht. Getestet wird eine Stichprobe von rund 7.000 Schülern an 259 Schulen, die Ergebnisse werden voraussichtlich im Dezember 2020 bekanntgegeben.

Auftakt der "Zeugnisvergabe" ist dann voraussichtlich bereits Ende Jänner/Anfang Februar, wenn die Ergebnisse der heuer im Frühjahr durchgeführten Mathematik-Bildungsstandardüberprüfungen in der 4. Klasse Volksschule veröffentlicht werden. Dabei erhält die Schulaufsicht die Ergebnisse aller Schulen, der Schulleiter jene aller Klassen, der Lehrer jene der von ihm unterrichteten Schüler und jeder Schüler seine eigenen Resultate. Im Frühjahr erscheint dann ein Expertenbericht zur internationalen PIRLS-Studie, bei der die Lesekompetenzen Zehnjähriger untersucht wurden. Für Juni angekündigt sind die Ergebnisse der OECD-Lehrerstudie TALIS (Teaching and Learning International Survey). Im Dezember erscheinen schließlich die Ergebnisse der PISA-Studie, Schwerpunkt des OECD-Bildungsvergleichs unter 15-Jährigen ist diesmal Lesen. Umfassende Analysen des österreichischen Bildungssystems verspricht der im Drei-Jahres-Rhythmus erscheinende Nationale Bildungsbericht. Die vierte Ausgabe des Sammelbands soll im Frühling erscheinen.

Einheitliche Kriterien für die Schulreife

Neuerungen gibt es bei der Schuleinschreibung im Jänner: Erstmals sollen einheitliche Kriterien dafür gelten, ob ein Kind als schulreif eingestuft wird. Allerdings wird das neue Diagnostikverfahren vorerst nur an 100 Schulen getestet, der flächendeckende Einsatz ist für Jänner 2020 geplant. Dabei geht es um schulische "Vorläuferfähigkeiten" wie Feinmotorik, zahlenbezogenes Vorwissen, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Mit 6. Mai startet die Zentralmatura-Saison 2019: Den Autakt machen am 6. Mai Spanisch und die Minderheitensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch. Abgeschlossen wird mit Italienisch am 14. Mai. Änderungen sind für das Fach Mathematik angekündigt: Nachdem 2018 ein Fünftel bei der Klausur in diesem Fach gescheitert ist, will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nachbessern. Im Jänner will er seine Pläne präsentieren.

Mehrere Änderungen werden erst mit Start des neuen Schuljahrs im Herbst in Kraft treten: In den Deutschförderklassen gelten dann verpflichtende Lehrpläne, die vorgeben, was ein Schüler für den Wechsel in eine reguläre Klasse können muss. Die Deutschklassen sind für jene Kinder vorgesehen, die dem Unterricht wegen sprachlicher Probleme nicht ausreichend folgen können. Für die Zuteilung soll es ab dem Frühjahr einen standardisierten Test geben.

Mit dem Schuljahr 2019/20 werden an den Volksschulen an dem zweiten Semester der 2. Klasse wieder verpflichtend Ziffernnoten eingeführt, dasselbe gilt grundsätzlich auch fürs Sitzenbleiben. Neu eingeführt werden außerdem Bewertungsgespräche, bei denen Eltern über den Leistungsstand der Schüler informiert werden. Auswirkungen zeigen wird all das freilich erst 2020. Bei Bedarf können Volksschüler ab Herbst auch zur Teilnahme an Förderunterricht verpflichtet werden.

Leistungsgruppen mit flexiblem Wechsel in NMS

Aus den Neuen Mittelschulen (NMS) sollen im neuen Schuljahr "Mittelschulen" werden, an denen schulautonom in Deutsch, Mathe und Englisch Leistungsgruppen eingerichtet werden können. Dabei soll auch unter dem Semester ein flexibler Wechsel möglich sein. Ab der 2. Klasse soll es außerdem zwei Leistungsniveaus ("Standard", "Standard-AHS") samt zwei überlappender fünfteiliger Benotungsskalen geben. Verpflichtend ist die Umstellung der NMS allerdings erst mit dem Schuljahr 2020/21.

Außerdem tritt mit dem Schuljahr 2019/20 verpflichtend das Neue Lehrerdienstrecht in Kraft. Dieses bringt eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf grundsätzlich 24 Stunden, höhere Anfangsgehälter und eine flacheren Gehaltskurve. Außerdem bekommen Junglehrer, die frisch von der Pädagogischen Hochschule bzw. Uni kommen, eine neue Art der Berufseinführung: In der sogenannten Induktionsphase sollen sie im ersten Berufsjahr bei geringerer Lehrverpflichtung von erfahrenen Mentoren in die Schulpraxis eingeführt werden.

Auch eine organisatorische Änderung bringt 2019: Mit 1. Jänner ersetzen Bildungsdirektionen die bisherigen Landesschulräte bzw. Schulabteilungen der Ländern. Die Zuständigkeiten bleiben zwar weiter zwischen Bund und Land geteilt, die Verwaltung soll allerdings unter einem Dach erfolgen.

Nachdem im Herbst als Teil der neuen 15a-Vereinbarung zur Kinderbetreuung zwischen Bund und Ländern ein Kopftuchverbot im Kindergarten vereinbart wurde, muss dieses nun in den Landesgesetzen verankert werden. Niederösterreich hat das bereits getan, die anderen Länder sollen sukzessive folgen.

Neue Beschränkungen an den Unis

Das Jahr 2019 bringt an den Universitäten neue Platzbeschränkungen. Ab dem im Herbst startenden Studienjahr 2019/20 dürfen die Unis österreichweit auch die Anfänger-Studienplätze in Rechtswissenschaften (auf insgesamt 4.300), Fremdsprachen (3.020) und Erziehungswissenschaften (1.460) begrenzen. Neue Schranken gibt es auch in nur lokal überlaufenen Studienrichtungen.

Dazu zählen Soziologie, Kultur- und Sozialanthropologie, Chemie und Politikwissenschaft an der Uni Wien, Umweltsystemwissenschaften an der Uni Graz sowie Forst- und Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (Boku). Grund dafür ist, dass in diesen Fächern bestimmte Schwellenwerte beim Betreuungsverhältnis sowie den Studienanfängerzahlen bzw. den Zahlen der prüfungsaktiven Studenten überschritten werden.

Außerdem dürfen die Universitäten ab dem Studienjahr 2019/20 vor dem Beginn aller Bachelor- und Diplomstudien "Eignungs-Feedbacks" durchführen. So können vor der Inskription etwa die Absolvierung von Online-Assessments oder die Abgabe von Motivationsschreiben verlangt werden. Diese dürfen zwar bewertet werden, das Abschneiden dabei hat aber keine Auswirkungen auf die Aufnahme.

Weitere Änderung in Sachen Uni-Zugang: Ab dem Herbst entfällt die Quotenregelung für die österreichweit 144 Anfänger-Studienplätze in der Zahnmedizin. Künftig sind also nicht mehr mindestens 75 Prozent der Plätze für Personen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert. In der Humanmedizin (1.536 Plätze) bleibt die Quote dagegen aufrecht.

Neues Finanzierungssystem

Ab 2019 werden die Unis außerdem nach einem neuen System finanziert - und zwar über drei Säulen: Lehre, Forschung und Infrastruktur/strategische Entwicklung. Während die Mittel für die ersten beiden Säulen durch vorgegebene Parameter berechnet werden, wird über die dritte vor allem verhandelt. Kernelement des neuen Modells ist die Finanzierung der Lehre: Die Unis erhalten den Großteil der Mittel dafür über die Zahl der an ihnen jeweils prüfungsaktiv betriebenen Studien. "Prüfungsaktiv" bedeutet dabei, dass im Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von mindestens acht Semesterstunden oder 16 ECTS abgelegt wurden. Zum Vergleich: Die Studienpläne sind so konzipiert, dass mit 60 absolvierten ECTS pro Studienjahr das jeweilige Studium in Mindeststudienzeit abgeschlossen wird.

Von 27. bis 29. Mai stehen turnusmäßig die alle zwei Jahre stattfindenden Wahlen zur Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) statt. An drei Wahltagen von Montag bis Mittwoch bestimmen die Studenten dabei ihre Vertretungen auf Bundes-, Hochschul- und Studienrichtungsebene. In der ÖH ist die VP-nahe AktionsGemeinschaft (AG) mit 26 Prozent die stärkste Fraktion. Aber nach der Wahl 2017 taten sich der Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ (21 Prozent), die Grünen und Alternativen StudentInnen/GRAS (16 Prozent) und die parteiunabhängigen Fachschaftslisten (14 Prozent) zu einer linken Koalition zusammen.

Im Herbst 2019 will außerdem die Central European University (CEU) ihren Studienbetrieb in Wien aufnehmen. Die CEU plant wegen des Dauerkonfliktes mit der ungarischen rechtskonservativen Regierung die Übersiedlung der Mehrzahl ihrer Studienprogramme von Budapest in die österreichische Hauptstadt. Die Standortfrage ist noch offen. Ab 2023/24 soll die Uni dann auf einem Teil des Geländes untergebracht sein, auf dem sich jetzt noch das Otto-Wagner-Spital befindet.

(APA/red, Foto: APA)


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