Crowdsourcing-Plattform "Picture Pile" soll kommerzialisiert werden

8. Januar 2021 - 12:59

Forscher des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) haben in den vergangenen Jahren Handy-Apps und Online-Anwendungen entwickelt, um mit Hilfe von Freiwilligen Fotos zu Themen wie Landnutzung oder Entwaldung zu klassifizieren. So kann man einen Beitrag zur Lösung globaler Probleme wie Klimawandel und Unterernährung leisten. Steffen Fritz vom IIASA hat nun vom Europäischen Forschungsrat ERC eine Förderung erhalten, um die Plattform zu kommerzialisieren.

Bürger sollen in der globalen Forschung über die Landnutzung mitarbeiten
Bürger sollen in der globalen Forschung über die Landnutzung mitarbeiten

Laienwissenschafter können bei Anwendungen wie "Foto-Quest" oder "Picture Pile" Bilder einfach sortieren. Zu jedem Foto wird eine Frage gestellt, etwa "Ist Ackerland auf dem Bild sichtbar?". Indem man das Bild nach links oder rechts schiebt, kann man die Frage mit "ja" oder "nein" beantworten. Ist man unsicher, zieht man das Bild nach unten. Es gibt auch komplexere Fragestellungen, etwa welche Früchte auf einem Feld angebaut werden oder wie ein Gebäudeensemble auf einer Skala zwischen "arm" und "reich" bewertet wird. Zum Einsatz kommen dabei sowohl Satellitenbilder als auch Fotos vom Boden, etwa von "Google Street View".

Die so mittels "Crowdsourcing" gesammelten Daten werden frei zugänglich zur Verfügung gestellt und von Wissenschaftern auf der ganzen Welt genutzt, um Forschungsfragen zu beantworten. So können globale Landschaftsdatensätze verbessert werden, die in zahlreichen Umweltanwendungen und soziologischen Studien zum Einsatz kommen, etwa für die Erforschung von Klimawandelschäden, Entwaldung oder Artenvielfalt.

Geo-Wiki-Projekt zu Landnutzung

Steffen Fritz, Leiter der Erdbeobachtungs- und Citizen Science-Forschungsgruppe am IIASA in Laxenburg bei Wien, hat 2014 einen mit 1,4 Mio. Euro dotierten "Consolidator Grant" des ERC für ein Geo-Wiki-Projekt erhalten, bei dem Bürger in der globalen Forschung über die Landnutzung mitarbeiten sollen, und diesen Bereich stetig ausgebaut. Nun hat Fritz einen mit 150.000 Euro dotierten "Proof of Concept"-Förderpreis des ERC erhalten, um die im Zuge der bisherigen Arbeiten entwickelte Plattform "Picture Pile" zu kommerzialisieren.

"Wir sind oft von Institutionen angesprochen worden, ob wir nicht Bildklassifizierungen von einem bestimmten Satz an Fotos in 'Picture Pile' machen könnten", so Fritz. Ziel sei es nun, mit Hilfe der Förderung die Plattform für viele andere Bereiche zur Verfügung zu stellen, damit sie jeder, der Bilder klassifizieren möchte, nutzen kann, erklärte Fritz gegenüber der APA. Nutzer könnten so ihre eigenen maßgeschneiderten, qualitätskontrollierten Crowdsourcing-Kampagnen aufbauen. Als Beispiel nannte er etwa Mediziner, die Auswertungen von Bildern mit bestimmten Merkmalen für die Diagnostik benötigen.

Zudem soll die Plattform "eng mit Künstlicher Intelligenz und Machine Learning verknüpft werden". Die Wissenschafter wollen dazu "Deep-Learning-Algorithmen" als Service mit anbieten. Wenn dann jemand etwa 50.000 Bilder sortiert haben will, könnten Nutzer 5.000 Bilder klassifizieren und damit die Trainingsdaten für die Algorithmen liefern - die den Rest automatisch erledigen.

Fritz ist einer von insgesamt 55 Wissenschaftern, die in der aktuellen Antragsrunde einen "Proof of Concept"-Förderpreis des ERC erhalten haben. Mit dieser Förderschiene soll das kommerzielle bzw. gesellschaftliche Potenzial von Grundlagenforschungsprojekten ausgelotet werden.

Service: https://geo-wiki.org/games/picturepile/

(APA/red, Foto: APA/IIASA)

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