Coronavirus - Einschränkungen an Hochschulen bis Ostern

10. März 2020 - 13:41

Der eingeschränkte Lehrbetrieb an den Hochschulen soll von spätestens Montag bis zu den Osterferien andauern. Das gab Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz bekannt. An den Schulen gebe es derzeit aber "keine Notwendigkeit für flächendeckende Schließungen".

Einschränkungen gelten für sämtliche Unis, FH und PH
Einschränkungen gelten für sämtliche Unis, FH und PH

Die Einschränkungen gelten für sämtliche Universitäten, Privatuniversitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. An den mehr als 70 Hochschulen studieren insgesamt fast 380.000 Personen. "Alles, was publikumsintensiv ist, wird zurückgefahren", so Faßmann. Lehrveranstaltungen sollen vor allem über Distance Learning stattfinden. Große Bibliotheksräume werden geschlossen, Sportveranstaltungen an den Universitätssportinstituten nicht stattfinden. Der Forschungsbetrieb wird dagegen weitergeführt.

Die erst ab Montag einsetzende Verpflichtung zur Einstellung von Präsenz-Lehrveranstaltungen an den Hochschulen begründete Faßmann mit nötigen Vorbereitungsmaßnahmen. Noch nicht klar ist, ob der Schulbetrieb an den Übungsschulen der Pädagogischen Hochschulen (PH) weitergeht. Jede PH hat meist eine angeschlossene Volks- und Neue Mittelschule, an denen die angehenden Lehrer übungsweise unterrichten bzw. am Unterricht teilnehmen.

Universität Salzburg sagt alle Lehrveranstaltungen ab

Das Rektorat der Universität Salzburg hat entschieden, alle Präsenzlehrveranstaltungen mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres einzustellen. Sofern möglich, soll auf digitale Lehrformate umgestellt werden. Auch alle anderen Veranstaltungen, Vorträge und der Tag der offenen Tür am 11. März wurden abgesagt. Universitätsmitarbeiter können Ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen.

Auch Prüfungen finden weiter statt, sagte einen Sprecherin der Universität zur APA. Das betreffe sowohl mündliche kommissionelle Prüfungen wie schriftliche Prüfungen, wo Studierende - wenn notwendig - auf größere Hörsäle ausweichen oder auf mehrere Hörsälen aufgeteilt werden. Damit könne ein entsprechender Abstand zwischen den Studierenden untereinander gewährleistet werden.

Bei der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), der Fachhochschule Salzburg und der Universität Mozarteum tagten am frühen Nachmittag noch die Verantwortlichen. "Momentaner Stand ist, dass das Haus nicht geschlossen wird, aber sofort alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern abgesagt wurden. Heute Abend ist davon etwa ein Klavierkonzert betroffen", sagte ein Sprecher der Universität Mozarteum zur APA. Was die Lehrveranstaltungen betreffe, werde derzeit noch beraten. Es sei etwa zu klären, wie mit Studierenden umgegangen wird, die Einzelunterricht bei einem Professor oder einer Professorin nehmen.

Unis Wien, Graz ab morgen ohne Präsenz-Veranstaltungen

Auch die Universität Wien hält bis voraussichtlich zu den Osterferien keine Präsenz-Lehrveranstaltungen bzw. Prüfungen mehr ab. Das teilte das Rektorat auf seiner Homepage mit. Der Unterricht werde auf Home-Learning bzw. E-Learning umgestellt.

Die Gebäude der Uni an den verschiedenen Standorten bleiben geschlossen, Veranstaltungen wie etwa der für Donnerstag geplante Dies Academicus werden abgesagt. Damit findet auch kein Parteienverkehr statt, Bibliotheken, Universitätssportinstitut und das Sprachenzentrum sind ebenfalls zu.

Studenten sollen keine Nachteile im Studienverlauf erfahren und demnächst über die weitere Vorgehensweise informiert werden. Gleichzeitig wird gewarnt, dass es durch die vermehrten Zugriffe auf Mailserver, die Lernplattform und Websites zu temporären Überlastungen kommen kann.

Die Universität Graz und die Technische Uni (TU) Graz sowie die FH Kärnten bieten laut "Kleiner Zeitung" (Online) ebenfalls keine Lehrveranstaltungen mehr an. An der Universität Klagenfurt finden laut Homepage ebenfalls ab Mittwoch und "bis auf Weiteres" keine Präsenztermine von Lehrveranstaltungen mehr statt.

"Keine Notwendigkeit" für großflächige Schulschließungen

An den Schulen werde man von großflächigen Schließungen dagegen vorerst absehen, betonte Faßmann. Dafür gebe es derzeit "keine Notwendigkeit". Diese sei erst dann gegeben, wenn die Gesamtzahl der Erkrankungen drastisch zunehmen würde - unabhängig von etwaigen Erkrankungen an Schulen selbst. Bei Verdachtsfällen bzw. tatsächlichen Infektionen an Schulen gelten die bisherigen Regelungen etwa mit zeitweiligen Schließungen oder der Absonderung von Klassen.

Grund für die unterschiedliche Behandlung von Schulen und Unis sei die unterschiedliche Form des Kontakts. An den Hochschulen würden zahlreiche Studenten aus anderen Staaten - etwa aus Südtirol - studieren. "Schulen sind viel kleinere lokalere Einheiten", so Faßmann.

Schüler für Verschiebung der Zentralmatura

Die angekündigte Schließung von Schulen ist aus Sicht von Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike von der ÖVP-nahen Schülerunion "wichtig und nachvollziehbar". Gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass den Schülern keine Bildung entgeht und die angehenden Maturanten eine faire Zentralmatura erhalten. "Es wäre eine anzudenkende Maßnahme, dass man die Zentralmatura verschiebt", so Uzodike zur APA.

Man müsse evaluieren, wie viel Stoff üblicherweise in den Wochen vor den Osterferien durchgenommen würde, die heuer ohnehin schon sehr unglücklich fallen würden. "Nach den Osterferien gibt es nur noch Betreuungsstunden und in den Wochen vor den Osterferien sind alle wichtigen Schularbeiten. Der ganze wichtige Stoff, die wichtigen Schularbeiten und die Vorbereitung auf die Zentralmatura gehen den Schülern dann ab."

Man müsse sich auch überlegen, wie in der Zeit der Schulschließung die Bildung der Schüler sichergestellt werden könne. Eine teilweise Umstellung auf Fernlehre sieht Uzodike für die Schulen kaum als Option. Bei den jüngeren Schülern gebe es zusätzlich ein Betreuungsproblem. "Wenn die Eltern diese Betreuung nicht übernehmen können, muss sich der Staat ganz schnell überlegen, wie er das sonst macht."

Schulschließungen werden vorbereitet

Das Bildungsministerium hat die Schuldirektoren ersucht, sich auf Schulschließungen präventiv vorzubereiten. In einem der APA vorliegenden Schreiben an Schulleiter wird außerdem empfohlen, dass Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen ab sofort bis auf Weiteres ausgesetzt werden.

Derzeit sei der bundesweite Schulbetrieb von einer flächendeckenden Schließung wie an den Hochschulen nicht betroffen, heißt es in dem Schreiben. Das derzeitige Prozedere mit anlassbezogenen Schulsperren habe sich bewährt. "Wir alle hoffen, dass es zu weiteren Einschränkungen nicht kommen wird. Dennoch ist mein Ersuchen an Sie, dass wir in enger Abstimmung bleiben und uns auf Schulschließungen gemeinsam vorbereiten", heißt es in dem von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gezeichneten Dokument.

Die Direktoren werden ersucht, gemeinsam mit den Lehrern "in den kommenden Tagen Übungsmaterialien zur Festigung und Vertiefung des aktuell im Unterricht behandelten Lernstoffes für Schülerinnen und Schüler vorzubereiten, die Sie ihnen im Bedarfsfall mit nach Hause geben bzw. über digitale Kanäle zur Verfügung stellen können." Schulschließungen könnten genutzt werden, "um bereits durchgenommenen Stoff zu wiederholen und zu vertiefen oder um sich in aller Ruhe mit Themen zu befassen, die derzeit im Unterricht behandelt werden".

Ministerium bereitet Online-Angebot vor

Schulen sollten Kommunikationskanäle mit Schülern und Eltern per Mail oder Lernplattformen wie Moodle oder LMS nutzen. Schulbibliotheken könnten die Schüler mit Lektüre versorgen. Außerdem bereitet das Ministerium in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule NÖ "ein altersgerechtes, kompaktes Online-Angebot mit pädagogischen Materialen vor, die zur Überbrückung in der Zeit einer vorübergehenden Schulschließung genützt werden können".

Außerdem wird den Schulen empfohlen, "Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen ab sofort bis auf Weiteres auszusetzen. Bitte nehmen Sie mit dem Reiseveranstalter - auch bezüglich möglicher Stornozahlungen - Kontakt auf".

(APA/red, Foto: APA/APA (EXPA/ JOHANN GRODER))

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