Coronavirus - Bisherige Therapien sehr "vorläufig"

24. März 2020 - 13:41

Auch wenn derzeit Klinikchefs, Infektiologen oder Biotech-Experten immer neue mögliche Medikamente gegen Covid-19-Erkrankungen ins Spiel bringen: Fundierte wissenschaftliche Beweise liegen nicht vor. Manches dürfte potenziell gefährlich sein, schrieb jetzt Walter Hasibeder, nächster Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Hasibeder: "Experimentelle Therapieoptionen potenziell gefährlich"
Hasibeder: "Experimentelle Therapieoptionen potenziell gefährlich"

Eine aktuelle Studie aus China, bei der unter Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem HIV/Aids-Medikament Lopinavir/Ritonavir ein Fehlschlag zu verzeichnen war, sollte "daran erinnern, dass wir derzeit keine spezifische Therapie gegen das SARS-CoV-2 Virus anbieten können. Die propagierten experimentellen Therapieoptionen, die wir von verschiedenen europäischen Ländern übermittelt bekommen, halte ich für potenziell gefährlich. In der Regel neigen wir dazu, positive Verläufe als Erfolg unserer Therapie und Pflege zu werten. Bei Patientinnen und Patienten, welche versterben, gehen wir meist von natürlichen Verläufen aus. Eine ursächliche Beteiligung von potenziell toxischen Medikamenten ("number needed to harm"; Wieviele Patienten werden behandelt und erleiden dabei Schaden?; Anm.) am Verlauf ist oft schwierig zu erkennen.

Freilich, das könne sich mit der Studienlage aber auch in absehbarer Zeit ändern. Hasibeder: "Eine randomisierte (Zuteilung der Patienten zu den einzelnen Gruppen per Zufall; Anm.), kontrollierte Studie (Placebogruppe; Anm.) mit Remdesivir, das ursprünglich von der Firma Gilead Sciences Inc. gegen das Ebolavirus entwickelt wurde, läuft gerade in Omaha (USA) an. Remdesivir zeigt in vitro breite antivirale Aktivität gegen die Coronaviren, welche die Erkrankungen SARS und MERS verursachen. Eine weitere Anwendungsstudie läuft derzeit in China. Ebenso fieberhaft wird an einem Impfstoff gegen das SARS-CoV-2 Virus in Europa und den USA gearbeitet . Eine Phase 1 Studie (Verträglichkeitsstudie; Anm.) dazu hat gerade in Seattle begonnen."

Untersuchung mit Malariamittel und Antibiotikum

Interessant sein könnte auch eine wissenschaftliche Untersuchung mit der Kombination des Malariamittels Choloquin und dem Antibiotikum Azithromycin. Der Intensivmediziner: "Bei 20 Erkrankten führte die Gabe von Hydroxychloroquin (600 Milligramm pro Tag; Anm.) zu einer raschen signifikanten Abnahme der Virusausscheidung über die Nasenschleimhaut im Vergleich mit Covid-19 Patienten (16 Probanden; Anm.) ohne spezifischer Therapie innerhalb der ersten sechs Tage nach Behandlungsbeginn."

Sechs Probanden erhielten am ersten Tag noch zusätzlich das Antibiotikum (500 Milligramm am ersten Tag, dann jeweils die Hälfte; Anm.). Die Zugabe von Azithromycin (500mg Loadingdose, dann 250mg/Tag). Das verstärkte den Chloroquin-Effekt. Hasibeder: "Die bisherigen Ergebnisse sind Teil einer laufenden Studie in Marseille. Aufgrund der kleinen Fallzahl gibt es keine Outcomedaten die derzeit für oder gegen diesen Therapieansatz sprechen würden. Ich persönlich finde die Studie hoch interessant und ich hoffe, dass erste Outcomedaten so schnell wie möglich publiziert werden." Möglicherweise könnte Chloroquin auch zur Verringerung der Übertragungshäufigkeit von SARS-CoV-2- eingesetzt werden.

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))

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