Corona - Forscher suchen mit Wiener Testmethode auch nach Mutationen

13. Januar 2021 - 16:41

Eine von Wiener Wissenschaftern entwickelte Methode zum Aufspüren des SARS-CoV-2-Virus auf Basis moderner Genanalyse-Technologien soll nun auch dabei helfen, die Verbreitung neuer Virusvarianten, wie der britischen B.1.1.7-Variante helfen. Das Interesse an der Hochdurchsatz-Sequenzierung zur Suche nach Mutationen sei gestiegen, erklärte Johannes Zuber vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) und der "Vienna COVID-19 Diagnostics Initiative" (VCDI).

Mutationen im Visier
Mutationen im Visier

Mittels "Next Generation Sequencing" (NGS) lassen sich große Mengen an Erbgutinformation in relativ kurzer Zeit analysieren. Ein Team um Forscher vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und vom IMP hat diese Technologie bis zum Herbst derart weiterentwickelt, dass damit bis zu 36.000 Proben, etwa von Covid-19-Verdachtsfällen, pro Durchlauf in rund 24 Stunden analysiert werden können. Die entsprechende Logistik bei der Probenentnahme und -anlieferung vorausgesetzt, ist die am Wiener BioCenter bereits seit Monaten zum Screening der dort rund 1.500 Mitarbeiter erfolgreich eingesetzte "SARSeq"-Methode etwa für ein kontinuierliches Monitoring von Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen geeignet.

"Mit Abstand beste Methode"

Es handle sich hier aber auch um die "mit Abstand beste Methode, um Mutationen zu untersuchen", sagte Zuber im Rahmen eines Online-Vortrages des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), der u.a. auch die Entwicklung unterstützt hat. Denn das Verfahren erkennt nicht nur, ob SARS-CoV-2-Viren in der Probe sind, es sammelt auch Informationen über die konkrete Erbinformation des Erregers in der spezifischen Probe.

Diese Technologie soll jetzt dementsprechend auch breiter eingesetzt werden. Vor allem gebe es hier "großes Interesse aus China", so Zuber, aber auch österreichische Forschungseinrichtungen und Behörden würden angesichts der neuen Virusvarianten stärker das Potenzial de Technologie erkennen. "Das wird jetzt auch genutzt werden", zeigte sich der Forscher überzeugt. Aufgrund der bereits in Österreich getätigten Entwicklungsarbeit sei man manchen Nachbarländern hier teils "um Längen voraus".

Mit Testmethoden "am Ende angelangt"

Mit dem gesamten Bündel an Testmethoden auf das Coronavirus, das jetzt verfügbar ist, sei man quasi "am Ende angelangt", sagte Zuber: "Worum es jetzt eigentlich geht, ist das Potenzial von Molekularbiologie in die Entscheiderköpfe hineinzubekommen. Die hängen immer noch an Kriterien, die aus der medizinischen Diagnostik kommen." Die neuen Möglichkeiten hätten aber vor allem großes Potenzial, um breite Screenings durchzuführen und vor allem infektiöse Virenträger gezielt zu finden. Gelingen solche Monitorings mit gegenüber Antigen-Tests weit aufschlussreicheren Verfahren nicht, bleibe zu befürchten, dass es weiter kaum Alternativen zu Lockdowns gibt. Gespräche dazu würden sich aber nicht immer einfach gestalten, so der Wissenschafter: "Es sollen endlich die Köpfe aufgehen für das, was eigentlich möglich wäre."

(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))

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