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Berufungen an Unis: Harter Kampf um beste Köpfe

22. November 2019 - 8:59

Derzeit sind aufgrund einer Initiative zur Verbesserung der Betreuungsrelationen an den Universitäten überdurchschnittlich viele Stellen zu besetzen. Die Unis stehen dabei in Konkurrenz zueinander sowie zu ausländischen Hochschulen. Über die Möglichkeiten und Grenzen bei der Suche nach den besten Köpfen diskutierten Rektoren in Wien.

Vitouch: "Berufungsautonomie der österreichischen Universitäten ist hoch."
Vitouch: "Berufungsautonomie der österreichischen Universitäten ist hoch."

Ausgeschrieben sind verschiedenste Stellen. Das österreichische Universitätsrecht kennt mehrere Kategorien von Professuren beziehungsweise Berufungsverfahren.

Hohe Berufungsautonomie

Die positiven Seiten der Berufungsmöglichkeiten schilderte der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) und Rektor der Uni Klagenfurt, Oliver Vitouch. "Die Berufungsautonomie der österreichischen Universitäten ist - im Gegensatz etwa zur Finanzautonomie - hoch." Es gebe keine vorgegebenen Gehaltstabellen für Professoren, die Grenzen setze nur das Globalbudget der jeweiligen Hochschule.

Genauso wenig gebe es einen Genehmigungsvorbehalt durch ein Ministerium, so Vitouch. "Bei relativ frischen Kräften haben wir ganz gute Chancen." Vor allem das seit einer Novelle des Universitätsgesetzes mögliche "Opportunity Hiring" begrüße er sehr. Dabei können die Unis eine bestimmte Anzahl an Professuren ohne fachliche Widmung festlegen und "wissenschaftliche herausragende Persönlichkeiten" zunächst befristet proaktiv berufen. Damit könnten etwa Brexit-Flüchtlinge rasch gewonnen werden.

"Extrem dünner" Markt

Die Probleme bei der Gewinnung von Top-Leuten verdeutlichte dagegen der Rektor der Technischen Universität (TU) Graz, Harald Kainz. Der Markt in bestimmten Bereichen wie der Informatik und den Ingenieurswissenschaften sei "extrem dünn". Dort würden überall in Europa Kapazitäten an den Unis aufgebaut. Bei manchen Personen komme man finanziell einfach nicht mit. "Bei einem Beamten im Alter von 45 plus aus Deutschland ist es aussichtslos." In Deutschland werden Uniprofessoren im Gegensatz zu Österreich noch verbeamtet - die Differenz zur dortigen Beamtenpension könnten die österreichischen Unis finanziell nicht abgelten.

Die TU Graz helfe sich etwa mit rechtzeitigen Vorbereitungen bei der Ausschreibung von Professuren, so Kainz. Man versuche intern bereits eine Vorauswahl zu treffen und potenzielle Kandidaten zu Tagungen in Graz einzuladen, um ihnen den Wechsel schmackhaft zu machen. Dazu kämen Dual Career-Modelle, wobei der Berufungskandidat bei der Jobsuche des Partners unterstützt wird. Außerdem vergebe die Uni Incentives etwa für die Einwerbung eines ERC-Grants (Förderung durch den europäischen Forschungsrat, Anm.) oder das Aufstellen eines Christian-Doppler-Labors.

Blick in die Schweiz

Ganz andere Möglichkeiten hat die Universität Zürich, deren Rektor Michael Hengartner Einblick in die Berufungspraxis seiner Hochschule gab. So würden etwa Headhunter eingesetzt, die im Vorfeld einer Ausschreibung die besten Kandidaten bereits im Vorfeld kontaktieren - "nach dem Motto: Du, schau, wir schreiben da demnächst aus."

In der Schweiz gebe es im Gegensatz zu Österreich zwar eine vorgegebene Lohntabelle: In der für Professoren geltenden Lohnklasse 27 kommt man allerdings auf knapp 250.000 Franken (228.000 Euro) im Jahr. Damit könne man in praktisch allen Bereichen trotz der höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz konkurrieren. "Es hungert kein Professor bei mir", so Hengartner.

Weiteres Argument für die Uni Zürich: Man habe dort nur eine "sehr moderate Lehrverpflichtung" sowie eine gute Infrastruktur, meinte Hengartner. Einschränkung: "Wir haben zu wenig Infrastruktur. Wenn die Schweiz baut, baut sie einen Palast - aber sie braucht 20 Jahre dafür."

(APA/red, Foto: APA)


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