Ars Electronica Festival 2018 zeigt Irrtümer der Digitalisierung

12. April 2018 - 15:21

Das Ars Electronica Festival 2018 mit dem Titel "Error - The Art of Imperfection", also Irrtümer und die Kunst der Fehler, findet von 6. bis 10. September in ganz Linz und hauptsächlich in der PostCity, dem ehemaligen Postverteilzentrum am Bahnhof, statt. Die Festivaldirektoren Christine Schöpf und Gerfried Stocker umrissen das Programm in einer Pressekonferenz in Linz.

"Error" ist eine Weiterführung des Themas aus dem Vorjahr "AI - Das andere Ich"
"Error" ist eine Weiterführung des Themas aus dem Vorjahr "AI - Das andere Ich"

"Error" ist eine Weiterführung des Themas aus dem Vorjahr "AI - Das andere Ich", das sich der künstlichen Intelligenz annahm, ihre technischen Fertigkeiten und Möglichkeiten, aber auch philosophische Fragen und gesellschaftspolitische Auswirkungen auslotete. Mit "Error" wendet man sich nun den vielen Irrtümern bzw. Fehlentwicklungen zu, die dieses Gebiet beinhaltet. "Ein Irrtum muss kein Fehler sein, es ist lediglich eine Abweichung von der Norm, von dem, was wir uns erwartet haben. Aber wer legt die Norm fest?", fragte Stocker. Bereits kleine Abweichungen könnten etwa in der Datenüberwachung verdächtig sein. Zudem müsse man bedenken, dass Systeme alles, was sie erkennen, auch fälschen können.

Große Themen, die wissenschaftlich, technologisch, künstlerisch und gesellschaftspolitisch aufgearbeitet werden, sind Datenhoheit, Massenüberwachung, Privatsphäre, auch Genderthematik und Einfluss der Kultur spielen mit. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) sah "den Beginn einer Diskussion und nicht das Einzelthema eines Festivals" und einen Prozess des Lernens mit Fehlern und Risiken umzugehen. Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) betonte, dass die regionale Wirtschaft heuer stark in das Festival eingebunden sei.

Viele Fehlleistungen gehen auf das Konto von Vorurteilen

"Wir haben jetzt seit 20, 30, 40 Jahren die digitale Revolution, aus wie vielen Fehlern werden wir noch lernen müssen, bis wir auch sie bewältigen?", stellte Stocker moderne Entwicklungen in Kontext zur 3,5 Milliarden Jahren dauernden Entwicklung des Menschen. "Die Liste der Irrtümer ist endlos", verwies Schöpf auf von selbstfahrenden Autos verursachte Unfälle, Fehler in der Bilderkennung intelligenter Maschinen und zweifelhafte Ergebnisse aus Machine-Learning-Prozessen. Ein weißes Pixel in einem Bild und die Maschine glaubt, ein Schiff sei ein Flugzeug oder eine Katze ein Vogel, führte Stocker vor Augen. Ein großer Anteil der Fehlleistungen gehe auf das Konto von Vorurteilen.

Die Begeisterung für künstliche Intelligenz brauche unbedingt soziale Intelligenz an ihrer Seite, fordert Stocker. Vier Milliarden Menschen sind ans Internet angeschlossen, 5,2 Milliarden haben ein Smartphone, 2,2 Milliarden sind bei Facebook und pro Sekunde wachse die Community um 8,5 Menschen, verdeutlichte Stocker. Und doch werde falsch eingeschätzt, was wir an Daten im Internet von uns preisgeben, Menschen werden zu digitalen Konsum-Lemmingen (gemacht). Mittels eines Fitnesstrackers wurde etwa die Lage einer geheimen Anlage der US-Army verraten. China arbeitet bereits an einem Masterplan zur Überwachung namens "Sky Net" mit Gesichtserkennung und GPS-Tracking.

Natürlich gebe es auch "Erfolgsgeschichten des Irrtums". Eine ist auf dem Festivalplakat zu sehen, ein blaues Farbpigment, das irrtümlich aus einem wissenschaftlichen Experiment entstand, und als YInMn Blau patentiert wurde. Die anorganische chemische Verbindung hat alle Qualitäten von Kobaltblau, ist aber nicht giftig und kann Hitze gut abführen, erklärte Stocker.

Service: Weitere Informationen unter http://www.aec.at

(APA/red, Foto: APA/Ars Electronica/R. Bauernhansl)


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