Andrea Mayer wird Kunst- und Kulturstaatssekretärin

19. Mai 2020 - 7:59

Die Favoritin hat das Rennen gemacht: Andrea Mayer, ehemalige Leiterin der Kunst- und Kultursektion und aktuelle Kabinettsdirektorin von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, wird Nachfolgerin von Ulrike Lunacek als Kunst- und Kulturstaatssekretärin. Der Erweiterte Bundesvorstand der Grünen hat am Montagabend einen entsprechenden Vorschlag von Parteichef Werner Kogler angenommen.

Mayer folgt auf Lunacek
Mayer folgt auf Lunacek

Corona-bedingt trat das Parteigremium per Videokonferenz zusammen. Mit 100 Prozent der abgegebenen und gültigen Stimmen (anwesend waren 29 der 33 Stimmberechtigten) wurde Mayer, die über Video mit den Anwesenden diskutierte und Fragen beantwortete, angenommen. Zuvor hatte der Bundesvorstand der Grünen nach Beratung mit dem Parlamentsklub eine einstimmige Empfehlung an den Erweiterten Bundesvorstand abgegeben.

Die weithin als Fachfrau im Kulturbereich geschätzte Mayer, die vor ihrer Tätigkeit in der Präsidentschaftskanzlei unter dem damaligen Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) Leiterin der Kunst- mit der Kultursektion war, soll nach jetzigem Stand bereits am Mittwoch angelobt werden. Danach wartet auf die gebürtige Niederösterreicherin die Herkulesaufgabe, die ob der Coronarestriktionen aufgebrachte Kulturszene mit Taten und Worten zu besänftigen.

Nach vehementer Kritik an schleppenden Unterstützungsmaßnahmen und zu wenig Verständnis für die existenziellen Nöte von Künstlern und Kulturinstitutionen angesichts der herrschenden Veranstaltungsverbote hatte Lunacek am Freitag ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie habe gemerkt, dass die Unzufriedenheit und Enttäuschung im Kulturbereich trotz ihrer Bemühungen "nicht geringer wurde" und sie "keine positive Wirkung mehr erzielen konnte", erklärte sie.

Aus der Präsidentschaftskanzlei ins Staatssekretariat

"Mir ist wichtig, dass wir eine professionelle, kompetente und ebenso engagierte Person bekommen werden", hatte Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler (Grüne) über die künftige Kunst- und Kulturstaatssekretärin gesagt. Dass Andrea Mayer tatsächlich "eine sehr kompetente, erfahrene und führungsstarke Persönlichkeit" ist, dieses Urteil kommt von höchster Stelle - vom Bundespräsidenten.

Im Februar 2017 wurde die Spitzenbeamtin (die während ihrer Ehe Ecker hieß) von Alexander Van der Bellen als Kabinettsdirektorin in die Hofburg berufen. Als erste Frau leitete sie seither die Präsidentschaftskanzlei. Kontakt in die Kunst- und Kulturszene hatte sie auch weiterhin - so steht sie etwa dem Kuratorium des Belvedere vor, dessen Ausschreibungsprozess nach den Turbulenzen um Direktorin Agnes Husslein-Arco sie geleitet hatte.

Mayer wurde 1962 in Amstetten geboren und studierte in Wien Germanistik, Geschichte und Rechtswissenschaft. Erste politische Erfahrungen sammelte sie in der Österreichischen Hochschülerschaft. Nach ihrem Gerichtsjahr und einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft trat sie 1993 in den Bundesdienst ein und wurde Mitarbeiterin des damaligen Kunstministers Rudolf Scholten (SPÖ). Anschließend war sie im Wissenschaftsministerium für Innovation und Forschungsfragen zuständig.

2007 erfolgte ihre Bestellung zur Chefin der Kunstsektion im damals von Claudia Schmied (SPÖ) geleiteten Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. 2015 wurde die Kunst- mit der Kultursektion fusioniert. Nach einer Ausschreibung wurde Mayer vom damaligen Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (SPÖ) mit der Leitung beauftragt. Damit war die Mutter von Zwillingen, die auch eine Supervisions- und Coachingausbildung absolvierte, unangefochten Österreichs oberste Kunst- und Kulturbeamtin.

Sie fungierte als Eigentümervertreterin des Bundes bei der Bundestheater-Holding und der MuseumsQuartier Errichtungs- und BetriebsgesmbH sowie als Mitglied in unterschiedlichen Aufsichtsgremien, wie etwa bei den Bregenzer und den Salzburger Festspielen und im Wiener Konzerthaus. Als Expertin bringt sie unzweifelhaft langjährige Erfahrung und tiefen Einblick in das Gebaren der heimischen Kulturinstitutionen mit. Als Beamtin hat sie sich in der Kulturbranche den Ruf einer kompetenten und streitbaren, die Sache leidenschaftlich vertretenden Verhandlungspartnerin erworben. Als Politikerin wird sie sich erst bewähren müssen.

(APA/red, Foto: APA/APA (Bundesheer/Lechner))

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