Wissenschaftsjahr 2018: Blick zurück und zu fremden Welten

22. Dezember 2017 - 9:10

Die Geschichte prägt das Wissenschaftsjahr 2018 hierzulande, etwa das Jubiläum "100 Jahre Republik Österreich" und andere runde Jahrestage. Der Blick der Forschung ist im neuen Jahr aber nicht nur zurück gerichtet, sondern auch zu fremden Welten: Etliche Raumsonden starten mit österreichischer Beteiligung, etwa zu Mars und Merkur. Und vielleicht fliegen erstmals Weltraumtouristen rund um den Mond.

Kometen, Mars und Merkur als Raumfahrtziele

Kometen, Mars und Merkur als Raumfahrtziele

Die Einer-Stelle von 2018 gibt Gelegenheit für mannigfaltige runde bis halbrunde Jahrestage: Die Republik Österreich feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Gleichzeitig gedenkt man kommendes Jahr des "Anschlusses" Österreichs an Nazi-Deutschland 1938, erinnert sich an die Revolution in Österreich 1848, an den Beginn (1618) und das Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) sowie an die politischen Aufbrüche von 1968.

Vor allem den Folgen des Endes des Ersten Weltkrieges und der anschließenden Republiksgründung widmen sich zahlreiche Buch-Neuerscheinungen, Ausstellungen, Forschungsprojekte oder wissenschaftliche Symposien. Ihren Geburtstag feiert die Republik mit einem Festakt in der Staatsoper am 12. November 2018 und eröffnet quasi als Geburtstagsgeschenk im November das "Haus der Geschichte Österreich" in Wien. Einen Überblick über die zahlreichen Aktivitäten des Jubiläums- und Gedenkjahres bietet die Website www.oesterreich100.at.

Forschungsförderung wird 50

Auch abseits der großen Geschichts-Jubiläen gibt es jede Menge Jahrestage. So feiert die Forschungsförderung kommendes Jahr ihren 50. Geburtstag: 1968 begannen der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und der Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft (FFF) ihre Tätigkeit. Während der FFF in der Forschungsförderungsgesellschaft FFG aufgegangen ist, gibt es den FWF noch in seiner ursprünglichen Form. Und der lädt zu seinem "Geburtstag" und anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs zu einer Leistungsschau der Grundlagenforschung vom 8. bis 12. September auf dem Maria-Theresien-Platz in Wien.

Im Frühjahr vor 100 Jahren trat die erste Welle einer Influenza-Pandemie auf, die unter dem Namen "Spanische Grippe" in die Geschichte einging und mindestens 25 Millionen Todesopfer forderte.

Der Mathematiker Josef Lense und der Physiker Hans Thirring sagten 1918 einen Effekt vorher, wonach rotierende Massen die Raumzeit verdrehen. Der nach den beiden Österreichern benannte Lense-Thirring-Effekt, der sich aus der Allgemeinen Relativitätstheorie ergibt, gilt mittlerweile als experimentell nachgewiesen.

Vor 400 Jahren, am 15. Mai 1618 formulierte Johannes Kepler (1571-1630) sein drittes Planetengesetz, in dem er das Verhältnis zwischen den Umlaufzeiten der Planeten und deren mittleren Abständen von der Sonne beschreibt.

"plus" und "minus" seit 500 Jahren

Vor 500 Jahren (1492-1525/26) verwendete der an der Uni Wien lehrende Mathematiker Henricus Grammateus in seinem "New kunstlich Buech" (1518) erstmals durchgängig die Symbole "plus" und "minus" für Addition und Subtraktion.

Die Österreichische Nationalbibliothek begeht im neuen Jahr ihr 650-jähriges Bestehen mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm. Den Auftakt macht gleich am 26. Jänner die Eröffnung der Jubiläumsausstellung "Schatzkammer des Wissens".

Weiters jährt sich 2018 der 50. Todestag der Physikerin Lise Meitner (27.10.), der 150. Geburtstag des Entdeckers der Blutgruppen Karl Landsteiner (14.6.) und der 200. Geburtstag des Hygiene-Pioniers Ignaz Semmelweis (1.7.).

Ereignisreich verspricht das Weltraumjahr 2018 zu werden: Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat angekündigt, im kommenden Jahr zwei Weltraumtouristen um den Mond zu fliegen. Ob das tatsächlich gelingt, steht in den Sternen, ist doch die dafür vorgesehene Rakete "Falcon Heavy" bisher noch nie gestartet.

Unklar ist auch, ob die bereits für 2017 geplante Rückkehr der USA zur bemannten Raumfahrt mit den Kapseln CST-100 Starliner (Boeing) und Dragon V2 (SpaceX) 2018 klappen wird - beide sind nicht einmal noch unbemannt ins All geflogen.

Raumlabor "Tiangong 1" stürzt ab

In die andere Richtung sind die Vorhersagen präziser: Das 2016 außer Kontrolle geratene chinesische Raumlabor "Tiangong 1" wird bis spätestens April 2018 abstürzen. Teile des 8,5 Tonnen schweren "Himmelspalasts" könnten auf der Erde einschlagen.

Gleich zwei Sonden werden 2018 Asteroiden erreichen, von denen sie in der Folge Proben nehmen und zur Erde zurückbringen sollen: Die japanische Sonde "Hayabusa" kommt im Juli am Asteroiden "Ryugu" an und will die Landeeinheit "Mascot" darauf absetzen. Die NASA-Sonde "Osiris Rex" soll im August ihr Ziel "Bennu" erreichen. Beide Sonden werden sich nach der Ankunft "ihrem" Asteroiden so weit nähern, dass sie Proben ansaugen und dann zur Erde zurückschicken können.

Im Februar ist der Start des chinesischen Seismo-Electromagnetic Satellite (CSES) geplant, zu dem das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein Magnetometer beigesteuert hat. Ziel der Mission ist die Untersuchung natürlicher elektromagnetischer Phänomene, die bei Erdbeben auftreten.

NASA-Mission "Insight" startet

Der Mars erreicht Ende Juli 2018 mit einer Entfernung von 58 Mio. Kilometern seinen erdnächsten Punkt seit 2003 - steht in der Raumfahrt aber ohnedies seit Jahren im Fokus. So soll im Mai 2018 die NASA-Mission "Insight" mit zweijähriger Verspätung zum Nachbarplaneten starten, im November darauf landen und dessen inneren Struktur erforschen. Das IWF ist an der Auswertung der Daten des HP3-Instruments beteiligt, eine Art Maulwurf, der in die Rekordtiefe von fünf Metern in den Mars-Boden vordringen soll.

Als Ziel künftiger bemannter Missionen steht der Mars im Mittelpunkt einer Simulationsübung, die im Februar in der Wüste von Oman u.a. vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) organisiert wird. Dabei führen "Analog-Astronauten" unter Mars-ähnlichen Bedingungen Experimente durch.

Mit einigen Jahren Verspätung wollen Europa und Japan im Oktober 2018 die zwei Sonden umfassende Mission "BepiColombo" zum Merkur starten. Das IWF ist an den Magnetometern auf beiden Sonden beteiligt, die die Magnetosphäre des sonnennächsten Planeten untersuchen. Die Weltraumfirma Ruag Space Austria baute mit den Positionier-Mechanismen für die elektrischen Triebwerke die "Lenkung" der Sonde und lieferte weitere Bauteile.

Exoplaneten auf der Spur

Der Suche nach bzw. der Analyse von Exoplaneten widmen sich im neuen Jahr zwei Missionen: Der europäische Satellit "Cheops" mit geplantem Start Ende 2018 will kleinere bekannte Exoplaneten im Detail charakterisieren und Bestandteile ihrer Atmosphären bestimmen. Das IWF lieferte dafür u.a. einen der beiden Bordrechner. Im ersten Halbjahr will die NASA mit dem Satelliten "Tess" den Nachfolger des Weltraumteleskops "Kepler" ins All bringen und nach Planeten suchen.

Zu den drei bereits im All befindlichen Austro-Satelliten soll sich Ende 2018 mit "OPS-SAT" eine weitere Kleinsonde aus Österreich gesellen. Die Technische Universität (TU) Graz will damit Software testen, mit der Störquellen im Weltraumfunk gefunden werden können.

Von der Erde aus lohnt sich der nächtliche Blick zum Himmel 2018 an einem Tag besonders: Am Abend des 27. Juli ist nicht nur eine totale Mondfinsternis zu sehen, auch der Mars ist die ganze Nacht zu sehen und wird dabei heller strahlen als Jupiter.

Vom strahlenden Mars zum schnöden Mammon: Mangels eines Bundesbudgets ist noch unklar, wieviel Geld für die Wissenschaft und Forschung 2018 zur Verfügung stehen wird - versprochen haben sowohl alte als neue Regierung jedenfalls mehr. Das stimmt zumindest für die Nationalstiftung für Forschung, die im nächsten Jahr 107 Mio. Euro (nach 18 Mio. Euro 2017) ausschüttet. Fix ist auch, dass die Forschungsprämie für Unternehmen mit 1. Jänner 2018 von derzeit zwölf auf 14 Prozent steigt.

Autonomes Fahren wird zum Thema

Soweit wie in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona), wo die Google-Schwesterfirma Waymo bereits die ersten selbstfahrenden Autos ohne Sicherheitsfahrer auf die Straße schickt, ist man in Österreich noch nicht. Die Entwicklung wird aber auch hierzulande vorangetrieben: Im Juni wird unter dem Namen "Open.Rail.Lab" die erste Testrecke für selbstfahrende Züge im Burgenland in Betrieb genommen, in der "Seestadt" in Wien-Aspern steht ein Testlauf mit autonomen Kleinbussen an. Autonomes Fahren wird auch zentrales Thema bei der größten europäischen Verkehrsforschungs- und Technologiekonferenz, der "7. Transport Research Arena", vom 16. bis 19. April in Wien sein.

Apropos Kongresse: Der alle drei Jahre stattfindende weltweit größte Astronomie-Kongress der Internationalen Astronomischen Union (IAU) mit mehr als 3.000 Teilnehmern geht vom 20. bis 31. August in Wien über die Bühne. Dabei wird auch die zehnjährige Mitgliedschaft Österreichs bei der Europäischen Südsternwarte (ESO) gefeiert. Zudem finden - schon traditionell - der Europäische Radiologenkongress (28. Februar bis 4. März) und die Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (8. bis 13. April) mit jeweils mehr als 10.000 Teilnehmern wieder in Wien statt.

Die Wissenschafter braten aber nicht nur im eigenen Saft, sondern werden auch im neuen Jahr ihre Arbeit wieder einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Österreichweit tun sie das am 13. April bei einer "Langen Nacht der Forschung". Dann gibt es noch einen Schwerpunkt im September, wenn es neben der FWF-Leistungsschau am Maria-Theresien-Platz in Wien (8.-12.) auch das Wiener Forschungsfest (14.-16.) und die European Researchers Night (28.) gibt.



(APA/red, Foto: APA/APA (AFP/NASA))