Sieben Jahre antihormonelle Therapie sind bei Brustkrebs genug

7. Dezember 2017 - 14:40

Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs nach der Menopause und nicht metastasierter Erkrankung sollten nach der Entfernung des Tumors per Operation sieben Jahre lang antihormonell behandelt werden. Zehn Jahre Therapie sind nicht notwendig. Das ist das Ergebnis der Auswertung der sogenannten SALSA-Studie der österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG).

Mehr Nebenwirkungen bei weiterer Therapieverlängerung

Mehr Nebenwirkungen bei weiterer Therapieverlängerung

Die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchung wurden kürzlich beim US-Brustkrebs-Symposium in San Antonio im US-Bundesstaat Texas präsentiert. Es handelt sich um die jährlich weltweit wichtigste Konferenz in Sachen Mammakarzinom.

Der Hintergrund: Eine Standardbehandlung bei postmenopausalem Brustkrebs ist es, nach der chirurgischen Entfernung des Tumors zumindest fünf Jahre lang eine antihormonelle (endokrine) Brustkrebstherapie zu verabreichen. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass die Verlängerung dieser Therapiedauer die Ergebnisse verbessert. Das erfolgt derzeit mit sogenannten Aromatasehemmern (z.B. die Wirksubstanz Anastrozol), welche die körpereigene Östrogen- und Progesteronproduktion blockieren.

Optimale Dauer einer Therapieverlängerung ermittelt

Die bisher ungelöste Frage war aber die optimale Dauer dieser Therapieverlängerung, also ob eventuell zwei oder fünf weitere Jahre Behandlung das Ergebnis verbessern könnten. Die Resultate der aktuellen Studie (ABCSG 16/S.A.L.S.A) der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) zeigten jetzt, dass die Fortführung der Therapie mit dem Aromatasehemmer Anastrozol um weitere zwei Jahre ausreicht. Eine zusätzliche, weitere Verlängerung um fünf Jahre ist nicht sinnvoll, weil sich das Therapieergebnis nicht verbessert, aber mehr Nebenwirkungen auftreten.

An der Studie nahmen 3.484 Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs ohne Metastasen bei Mammakarzinomerkrankung bis zum Stadium III zum Zeitpunkt der Diagnose teil. Sie waren im Durchschnitt 64 Jahre alt, also alle nach der Menopause und hatten bereits fünf Jahre lang keinen Rückfall erlitten. "Bei Behandlung über einen zusätzlichen Zeitraum von zwei Jahren hinweg kam es unter 1.731 Patientinnen in 378 Fällen zu einem Wiederauftreten der Erkrankung, bei einer Behandlung über zusätzlich fünf Jahre hinweg waren es unter 1.738 Patientinnen insgesamt 348 Rückfälle. Das ist faktisch das Gleiche", sagte Michael Gnant, Präsident der ABCSG und Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik von MedUni Wien und AKH, gegenüber der APA. Er präsentierte die Ergebnisse in San Antonio. Gnant hatte die SALSA-Studie koordiniert. Die Antihormontherapie unterdrückt die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen bzw. Progesteron, da diese das Wachstum hormonrezeptor-positiver Tumoren stimulieren und so zu einem Rückfall (Rezidiv) führen können.

Daten von mehr als 70 österreichischen Zentren

Relevant sind die Studienergebnisse aus Österreich vor allem wegen der großen Anzahl der betroffenen Patientinnen. "Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs nach der Menopause machen etwa zwei Drittel aller Mammakarzinom-erkrankten Patientinnen aus", sagte Gnant. In die wissenschaftliche Untersuchung zur Bestimmung der optimalen Therapiedauer bei diesen Erkrankten wurden zwischen 2004 und 2010 die insgesamt 3.484 postmenopausale Brustkrebspatientinnen an mehr als 70 österreichischen Zentren in die Untersuchung aufgenommen. "Die Beobachtungszeit betrug bis zu 14 Jahre", sagte der Chirurg. "Wir haben herausgefunden, dass zwei zusätzliche Jahre mit einem Aromatasehemmer nach der endokrinen Therapie jedenfalls ausreichen und eine weitere Therapieverlängerung keinen Benefit bringt, wohl aber mehr Nebenwirkungen", sagte Gnant.

Anastrozol blockiert die Geschlechtshormonsynthese und verhindert dadurch Rückfälle, weist aber einen anderen Wirkmechanismus und ein günstigeres Toxizitätsprofil auf als das seit vielen Jahren eingesetzte Tamoxifen auf. Ein Problem bei langer antihormoneller Brustkrebstherapie ist vor allem das Auftreten von Osteoporose.

Seit mehr als 30 Jahren führt Österreichs größte akademische Krebs-Studiengruppe Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) wissenschaftliche Untersuchungen zum Mammakarzinom, kolorektalen Karzinom sowie zum Pankreaskarzinom durch. In Österreich arbeitet die ABCSG mit hundert Zentren und mehr als 900 beteiligten Ärzten zusammen. Bisher nahmen mehr als 25.300 Patienten an klinischen Studien der Studiengruppe teil.



(APA/red, Foto: APA)