Bund kauft Medizin-Studienplätze an Paracelsus Universität

4. Dezember 2017 - 15:10

Der Bund kauft befristet Studienplätze an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Insgesamt sollen für je 25 Anfänger-Studienplätze der Jahre 2018 bis 2020 drei Mio. Euro fließen, bestätigte man im Wissenschaftsministerium einen Bericht im Ö1-"Morgenjournal". Kritik kommt von der Universitätenkonferenz (uniko).

Problem: Viele Medizin-Absolventen verlassen Österreich

Problem: Viele Medizin-Absolventen verlassen Österreich

Als Grund für den Zukauf wird im Ministerium auf APA-Anfrage der Ärztebedarf in der Region durch den Abfluss von Medizinern nach Bayern genannt. Daher soll bis zum für spätestens 2028 geplanten Vollausbau der Medizin-Fakultät Linz befristet der Bedarf durch die Kooperation mit der PMU gedeckt werden. Die Studenten absolvieren ihre gesamte Ausbildung dabei an der Privatuni - diese bietet (vor allem durch die Nutzung von Ferienzeiten) eine kürzestmögliche Studiendauer von fünf Jahren an.

Gleichzeitig verpflichtet sich die PMU vertraglich, dass ein bestimmter Prozentsatz der Studenten nach Ende der Ausbildung in Österreich bleibt. De facto kauft das Ministerium damit nicht nur Studienplätze, sondern Absolventen.

Absolventen verlassen Österreich

Aus Sicht der uniko ist die Maßnahme unnötig: Einerseits könnten die staatlichen Universitäten dies auch leisten, hieß es im "Morgenjournal". Für den Rektor der Medizinuni Wien, Markus Müller, stellt sich überhaupt die Frage, ob es zusätzliche Ausbildungsplätze überhaupt braucht. Das Problem bestehe ja nicht in zu wenigen Medizin-Absolventen, sondern darin, dass diese Österreich verlassen. Müller hält das Vorgehen des Wissenschaftsministeriums für einen "seltsam konstruierten Weg, hier öffentliche Gelder einer privaten Universität zukommen zu lassen, um noch mehr Studienplätze zu schaffen".

Im Ministerium verweist man darauf, dass an den öffentlichen Unis die - auch räumlichen - Kapazitäten derzeit ausgeschöpft seien. Die Maßnahme sei außerdem befristet und die Möglichkeit dazu explizit im Privatuniversitätengesetz festgehalten.



(APA/red, Foto: APA/APA (Fohringer))