Sentinel-Satelliten: Europas Erdbeobachtungsflotte zur Hälfte im All

13. Oktober 2017 - 11:40

Im Rahmen des europäischen Erdbeobachtungsprogramms "Copernicus" wurden seit 2014 fünf Sentinel-Satelliten ins All geschossen. Heute (13. Oktober) kommt mit Sentinel-5P der sechste Umweltwächter dazu. Im kommenden Frühjahr wird der Start-Reigen mit jenem von Sentinel-3B fortgesetzt. Mit verschiedenen Instrumenten liefern die Sonden Informationen über den Zustand der Erde. Im Folgenden eine Übersicht:

Gut verpackt startet Sentinel-5P als sechster Umweltwächter

Gut verpackt startet Sentinel-5P als sechster Umweltwächter

Bis 2021 sind insgesamt zwölf Sentinel-Satelliten geplant. Für die Serien Sentinel-1 bis -3 sind parallel fliegende, baugleiche Satelliten vorgesehen, um eine bessere zeitliche Auflösung der Daten zu bekommen. Von den übrigen Serien werden auch jeweils zwei Sonden gebaut. Es fliegt aber immer nur jeweils ein Exemplar, erst am Ende von dessen Lebenszeit folgt das zweite. Die einzelnen Serien unterscheiden sich in ihrer Instrumentierung.

Sentinel-1A und -1B sind zwei Radarsatelliten, die in einem Bereich (C-Band, Anm.) messen, der schon länger in der Fernerkundung verwendet wird. Konkret können damit die Eisbedeckung der Ozeane sowie die Hebung und Senkung der Landoberfläche beobachtet werden. "Die beiden Satelliten können aus 800 Kilometern Höhe beispielsweise die Senkung eines Gebäudes um einen Millimeter registrieren", erklärte der ESA-Direktor für Erdbeobachtung, Josef Aschbacher, der APA.

Die Sentinel-2-Satelliten haben ein sogenanntes multispektrales Instrument an Bord, das hochauflösende Spektralbilder der Landoberfläche liefert. Sie sind damit auf die Überwachung der Vegetation, etwa der landwirtschaftlichen Produktion, des Waldzustands, etc. spezialisiert. Man kann mit ihnen aber auch die Wasserqualität, Chlorophyll im Meer und Gletscher überwachen. Mit dem seit März in einer Umlaufbahn in 786 Kilometern Höhe befindlichen Sentinel-2B kann alle fünf Tage der gesamte Globus komplett erfasst werden, in mittleren Breiten wird jeder Punkt sogar alle drei Tage beobachtet.

Anstieg des Meeresspiegels auf Millimeter messen

Großflächige Änderungen sowohl der Ozeane als auch der Landflächen lassen sich mit den optischen und Infrarot-Sensoren an Bord der Sentinel-3-Satelliten verfolgen. Beispiele dafür sind etwa die Temperatur der Wasseroberfläche, die Überwachung von Meeresströmungen oder das Auftauen des Permafrostbodens. Zudem befindet sich ein Altimeter an Bord der bereits im All befindlichen Sentinel-3A-Sonde, mit dem man etwa global den Anstieg des Meeresspiegels in Millimeter-Genauigkeit vermessen kann. Dieser Aufgabe soll sich in den 2020er Jahren auch Sentinel-6 widmen. Der Start von Sentinel-3B ist im Frühjahr 2018 geplant.

Im Fokus von Sentinel-4 und Sentinel-5 stehen die gängigsten Treibhausgase in der Atmosphäre mit Ausnahme von Kohlendioxid. Dessen Messung ist so komplex, dass es sich bisher der Analyse vom Weltraum aus entzieht. Sentinel-4 wird dabei als eines der Instrumente auf einem Meteosat-Satelliten von einem geostationären Orbit aus operieren, Sentinel-5 als eines der Instrumente auf einem MetOp-Satelliten von einer polaren Umlaufbahn. Bis letzterer in rund fünf Jahren in die Umlaufbahn gelangt, liegt es an seinem "Vorgänger" Sentinel-5P, die Zusammensetzung der Erdatmosphäre laufend aufzuzeichnen.

Service: http://go.apa.at/fsM6S94l



(APA/red, Foto: APA/ESA/Stephane Corvaja)