Transparency International plant Studie zu Hochschul-Drittmitteln

26. September 2017 - 13:40

Die Organisation Transparency International (TI) plant eine Studie zu den Drittmittelkooperationen von Hochschulen mit Unternehmen und anderen privaten Einrichtungen. 2016 nahmen allein die Unis rund 670 Mio. Euro an Drittmitteln ein - rund ein Viertel davon von Unternehmen.

Drittmittelniveau von 20 bis 30 Prozent sinnvoll

Drittmittelniveau von 20 bis 30 Prozent sinnvoll

"Die Kooperation von Hochschulen mit Unternehmen sind ganz wichtig und ein Innovationsfaktor für den Standort. Diese Vorteile liegen auf der Hand", betonte die Vorstandsvorsitzende des Österreich-Ablegers von TI, Eva Geiblinger, bei einer Konferenz zum Thema Drittmittel. "Es gibt aber eine Skepsis gegenüber unzulässiger Einflussnahme und einer Einschränkung von Forschung und Lehre." An diesem Punkt wolle man einhaken.: "Wenn ich nichts zu verstecken habe, kann ich die Tür ja aufmachen und es transparent machen." Derzeit sei nicht nachvollziehbar, welche Unternehmen welcher Hochschule zu welchem Zweck Mittel zur Verfügung stellen. Ziel sei es daher, dass künftig Hochschulen verpflichtend ihre Finanzmittel veröffentlichen und sie nach Mittelherkunft und Verwendungszwecken aufgliedern.

Der Hochschul-Sektionschef im Wissenschaftsministerium, Elmar Pichl, verwies auf die Grenzen von Drittmittelfinanzierung. "Es gibt keine unendliche Jagd nach immer mehr Drittmitteln." Man versuche, für jede einzelne Uni ein sinnvolles Niveau zu justieren - auch wenn man die eine oder andere noch dezent auf die Möglichkeit hinweisen müsse, sich verstärkt um Einwerbungen zu kümmern. Pichl hält ein Drittmittelniveau von 20 bis 30 Prozent für sinnvoll. Ausnahmen bestätigten die Regel, verwies er etwa auf die Montanuni, die einen wesentlich höheren Anteil aufweist. "Wenn man den Plafonds überschreitet, ist das weniger sinnvoll."

Spannungsfeld umfassende Veröffentlichungen

Pichl verwies aber auch auf ein Spannungsfeld zu umfassenden Veröffentlichungen. Die österreichischen Unis müssten jetzt schon so viele Daten veröffentlichen wie kaum in einem anderen Land. Gerade vor dem wachsenden Wettbewerb im Hochschulsektor im deutschsprachigen Bereich sei es aber problematisch, wenn Mitbewerber problemlos alle Infos einsehen könnten.

Der Rektor der Universität Linz, Meinhard Lukas, schilderte die Situation an "seiner" Uni. Bei einem Jahresbudget von 174 Mio. Euro kommt diese auf rund 40 Mio. Euro Drittmittel - das entspricht einem Anteil von 23 Prozent und damit etwa dem Österreich-Schnitt bzw. bei Herausrechnung der noch jungen Medizin-Fakultät rund 30 Prozent.

Gleichzeitig müsse man bei Drittmitteln aber Antragsforschung - also aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschung etwa durch die diversen Forschungsfonds, die EU oder die Länder - und Auftragsforschung durch Unternehmen unterscheiden. An den meisten österreichischen Unis mache die Antragsforschung den Löwenanteil aus. An der Uni Linz käme etwa die Auftragsforschung auf einen Anteil von acht bis zehn Mio. Euro an den 40 Mio. Gesamt-Drittmitteln.

Grundregeln für Auftragsforschung

Bestimmte Grundregeln für Auftragsforschung hält Lukas für selbstverständlich - diese seien an der Uni Linz auch explizit festgeschrieben. So müsse der Einsatz von Stammpersonal in der Auftragsforschung natürlich verrechnet werden, auch die Auftragsforschung unterliege den Regeln zur guten wissenschaftlichen Praxis.

Natürlich sei auch Transparenz bei der Auftragsforschung Teil guter wissenschaftlicher Praxis, so der Rektor. Die Frage sei nur, was passiere, wenn diese verletzt werde. "Die Instrumente der Universitätsleitung sind überschaubar", meinte der Zivilrechtler. Im Universitätsgesetz gebe es nämlich ein "sehr beachtliches Problem": Dieses räume sämtlichen Leitern einer Organisationseinheit - vom Institutsleiter bis zum Dekan - eine Vertretungsbefugnis ein. Das seien allein an der Uni Linz 200 Personen. "So ein Regelwerk würde kein Konzern für sich einführen." Vom Compliance-Standpunkt aus sei das "keine ideale Lösung".



(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))