Gehirn steuert Computer: Tagung an TU Graz

12. September 2017 - 14:40

In der Steiermark lassen Wissenschafter mit Hilfe von Gehirnströmen Computer steuern. Die Experten vom Institut für Neurotechnologie der TU Graz entwickeln Anwendungen, die Personen mit schwersten körperlichen Behinderungen wieder den "Zugriff" auf die Außenwelt eröffnen sollen. Vom 18. bis 22. September hat es zur Internationalen Brain-Computer-Interface-Konferenz nach Graz geladen.

Intensive Weiterentwicklung gedankengesteuerter Prothesen

Intensive Weiterentwicklung gedankengesteuerter Prothesen

"Der Mensch denkt, die Maschine lenkt": So lässt sich, streng vereinfacht, das Prinzip des "Brain Computer Interface" (BCI) umschreiben. Das BCI beruht auf der Idee, die verschiedenen Muster der Gehirnströme für die Interaktion per Computer zu nutzen: Hirnelektrische Signale, die von der Schädeloberfläche aus gemessen werden, werden von einem Computer in Steuerungssignale umgewandelt, womit dann zum Beispiel einen PC-Cursor bewegt oder eine Prothese in Gang gebracht werden kann.

Computer bedienen durch Kraft der Gedanken

Für Querschnittgelähmte könnte mithilfe des BCI - bei Verwendung von Neuroprothesen - die Funktion der gelähmten Extremität ersetzt werden. So soll es u.a. möglich werden, dass Menschen mit schwerer körperlicher Einschränkung den Computer bedienen können. Zuletzt konnten die Forscher mittels dieser Gehirn-Computer-Schnittstelle die musikalischen Gedanken von Testpersonen direkt auf Notenblätter bannen und abspielen lassen.

"Wir arbeiten intensiv an der Weiterentwicklung gedankengesteuerter Neuroprothesen, die motorische Befehle direkt an der Kopfoberfläche mittels Gehirnstrommessung erkennen und in die entsprechenden Bewegungen umsetzen", erklärte Gernot Müller-Putz, Leiter des Instituts für Neurotechnologie, in einer Aussendung. Solche Prothesen wurden zwar schon vereinzelt angewendet, "allerdings noch nicht sehr ausgereift und mühsam in der Handhabung. Für gesunde Menschen ist das nicht offensichtlich, aber alleine das Greifen ist eine hochkomplexe Bewegung", schilderte der Forscher.

Science Slam für breites Publikum

Internationale Experten aus über 20 Ländern werden sich vom 18. bis zum 22. September auf der BCI-Konferenz an der Grazer TU über den Status quo austauschen - laut Aussendung die weltweit größte wissenschaftliche BCI-Konferenz. Erwartet werden "mehrere Hundert Besucher", teilte die Pressestelle mit. Für das breite Publikum wird es erstmals einen BCI-Science-Slam (22. September, 9.00 Uhr) geben, bei der die Experten in maximal sechsminütigen Darbietungen BCI-Anwendungen bzw. ihre jeweiligen Forschungsprojekte leicht verständlich und humorvoll präsentieren wollen. Der Eintritt ist frei.

Service: "From Vision to Reality" - 7. Graz BCI-Conference 2017, 18. bis 22. September an der TU Graz, http://go.apa.at/w76II6rL



(APA/red, Foto: APA/APA (AFP))