"Austro-Nobelpreis" geht an Quantenphysiker Nägerl

19. Juni 2017 - 11:55

Der Wittgenstein-Preis 2017 geht an den aus Deutschland stammenden Quantenphysiker Hanns-Christoph Nägerl von der Universität Innsbruck. Das gab der Wissenschaftsfonds FWF in Wien bekannt. Die als "Austro-Nobelpreis" geltende Auszeichnung ist mit 1,5 Mio. Euro dotiert und damit der höchste österreichische Wissenschaftsförderpreis.

Experimentalphysiker beschäftigt sich mit ultrakalten Quantensystemen

Experimentalphysiker beschäftigt sich mit ultrakalten Quantensystemen

Zudem erhielten sechs Nachwuchsforscher Start-Preise, die mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotiert sind. Den insgesamt vier ausgezeichneten Frauen und drei Männern steht die jeweilige Fördersumme in den kommenden sechs Jahren für ihre Arbeit zur Verfügung. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer aus ausländischen Wissenschaftern zusammengesetzten Jury.

Mit dem Wittgenstein-Preis werden hervorragende und international anerkannte Wissenschafter ausgezeichnet. Die vom Wissenschaftsministerium finanzierte Förderung soll ihnen "ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungstätigkeit garantieren, um eine außergewöhnliche Steigerung ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu ermöglichen", wie es seitens des FWF heißt. Der nunmehrige Wittgenstein-Preisträger Nägerl war bereits im Jahr 2003 unter den damals ausgezeichneten Start-Preisträgern.

Verhalten widerspricht oft Alltagsverständnis

Der am 24. Februar 1967 geborene Experimentalphysiker gilt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der ultrakalten Quantenvielteilchensysteme. Mit seiner Forschungsarbeit verfolgt er vor allem das Ziel, mit lasergekühlten Atomen und mittlerweile auch größeren Molekülen sogenannte Quantensimulatoren herzustellen, in denen die quantenphysikalischen Zustände der einzelnen Teilchen gezielt erzeugt werden können. Mit Hilfe dieser Systeme, die teilweise noch nie beobachtete, oftmals dem Alltagsverständnis widersprechendes Verhalten an den Tag legen können, lassen sich Phänomene analysieren, für deren Berechnung herkömmliche Computer nicht die Kapazitäten haben.

So gehen Wissenschafter etwa davon aus, dass mit komplexen Vielteilchenquantensystemen die Mechanismen, die hinter der widerstandslosen Leitung von Strom bei höheren Temperaturen (Hochtemperatursupraleitung) stehen, aufgeklärt werden könnten. Die von Nägerl und seinem Team erforschten Quantendrähte geben Einblick in zukünftige Probleme, die im Zuge der rasant fortschreitenden Verkleinerung elektronischer Schaltkreise auftreten. Ab einem bestimmten Grad an Miniaturisierung können nämlich die bizarren Regeln der Quantenphysik zum Tragen kommen.

Von 1987 bis 1994 studierte der 50-Jährige in seiner Heimatstadt Göttingen Physik, wo er nach einem Auslandsjahr an der University of California in San Diego (USA) ab 1990 auch Hilfsassistent wurde. Im Rahmen seines Doktoratsstudiums wechselte Nägerl zusammen mit dem Quantenphysik-Pionier Rainer Blatt 1995 nach Innsbruck.

Schon 2011 "Consolidator Grant" eingeworben

Nach einem zweijährigen USA-Aufenthalt am California Institute of Technology kehrte er im Jahr 2000 in die Tiroler Landeshauptstadt zurück. Auf seine Habilitation im Jahr 2006 folgte 2011 die Berufung auf eine ordentliche Professur an der Uni Innsbruck. Neben dem Start-Preis 2003 konnte Nägerl 2011 u.a. einen hochdotierten "Consolidator Grant" des Europäischen Forschungsrates (ERC) einwerben. Zudem ist der Physiker eines der Gründungsmitglieder der 2008 an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eingerichteten "Jungen Akademie" (vormals "Junge Kurie").

Den Wittgenstein-Preis möchte der dreifache Familienvater und passionierte Snowboarder beispielsweise dafür nutzen, Quantengase noch besser zu kontrollieren und zu manipulieren, wie er am Montagvormittag bei einer Pressekonferenz in Wien erklärte. Für den österreichischen Forschungsstandort wünscht sich Nägerl - neben einer insgesamt höheren Dotierung der Grundlagenforschung - vor allem die Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur. Wenn man sich ansehe, was beispielsweise in Deutschland an Laborgebäuden im universitären Bereich hochgezogen werde, sei Österreich "am Kleckern - also weit weg vom Klotzen", so der Forscher, der die Auszeichnung gemeinsam mit den START-Preisträgern am Mittwochabend (21. Juni) entgegennehmen wird.



(APA/red, Foto: APA/APA/EXPA/Jakob Gruber)

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