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"Windkanal" für Wirtschaftsforschung an der WU Wien

4. Mai 2017 - 10:55

Dem weiten Feld menschlicher Entscheidungen widmet sich eine neue Einrichtung an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Im neu eröffneten "Kompetenzzentrum für Experimentalforschung" sehen Forscher verschiedener Fachrichtungen Menschen beim wirtschaftlichen Handeln zu. Wie in einem "Windkanal" können dort entscheidende Bedingungen verändert werden, sagte Ko-Leiter Ben Greiner der APA.

Kompetenzzentrum untersucht etwa Feedback auf Online-Marktplätzen
Kompetenzzentrum untersucht etwa Feedback auf Online-Marktplätzen

In dem Kompetenzzentrum WULABS mit seiner Labor-Infrastruktur können die Wissenschafter Entscheidungsprozesse in relativ großen Gruppen von bis zu 32 Versuchsteilnehmern analysieren. Der entscheidende Pluspunkt gegenüber der Feldforschung ist, dass hier die möglichst realistischen Bedingungen gezielt verändert werden können. So lässt sich etwa erforschen, unter welchen Bedingungen Menschen ihren Besitz mit anderen teilen oder wie sich Geruch auf die Wahrnehmung von Geschäften und Produkten auswirkt, heißt es seitens der Uni.

Feedback auf Online-Märkten unter der Lupe

Greiner, der das Labor zusammen mit den WU-Forschern Bernadette Kamleitner und Rupert Sausgruber leitet, beschäftigt sich beispielsweise mit der Funktion von Rückmeldungen in Online-Märkten, wie etwa auf eBay. "In den Felddaten haben wir gefunden, dass die Wahrscheinlichkeit negatives Feedback zurückzubekommen bei 90 Prozent liegt, wenn jemand negatives Feedback gegeben hat", sagte Greiner. Bei positivem Feedback war es genauso. Das hatte den Effekt, "dass kaum mehr jemand negatives Feedback geben wollte, weil er dann Negatives zurückbekommt. Daher fand man fast nur positives Feedback auf eBay."

Die Wissenschafter stellten dann im Labor einen solchen Markt im Kleinen - allerdings mit echtem Geld - nach. Greiner: "Das Schöne ist, dass wir eben im Labor die Regeln ändern können, ohne den ganzen Markt kaputt zu machen." Die Erkenntnisse stießen bei eBay auf offene Ohren und das Unternehmen änderte vor einiger Zeit sein Feedback-System auf Basis der Arbeit des Forschers, der im vergangenen Jahr von der University of New South Wales (Australien) an die WU gewechselt ist. Seither kann etwa ein Verkäufer dem Käufer kein negatives Feedback mehr geben.

Experimentelle Wirtschaftsforschung ausbauen

Mit der aus dem Hochschulraum-Strukturmittel-Programm des Wissenschaftsministeriums vorerst über fünf Jahre finanzierten neuen Infrastruktur soll die aufkommende experimentelle Wirtschaftsforschung nun ausgebaut werden. Das Spektrum an auf dem Gebiet tätigen Disziplinen reiche von der Volkswirtschaftslehre und zunehmend der Betriebswirtschaftslehre, über die Marketing-, Finanz- oder Innovationsforschung bis zu den Rechtswissenschaften und der Informatik. Der Schritt weg von der Theorie und herkömmlichen Forschung "lohnt sich für viele Fachrichtungen", ist Greiner überzeugt.

Die Laboratorien sollen nun allen an der WU - inklusive Jungforschern - und teilweise auch Externen offen stehen. Die Initiatoren bauen auch ein Pool mit potenziellen Versuchsteilnehmern auf. "Der Forscher muss dann nur noch ins Labor kommen und sein Experiment durchführen. Wir wollen natürlich auch die Methode promoten", sagte Greiner, der sich mit den Mitbetreibern auch darum bemüht, Doktoranden und Studenten das Experimentieren näher zu bringen.

Service: https://www.wu.ac.at/en/exp

(APA/red, Foto: APA/APA (Fohringer))


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