Brustkrebs: Tumorschrumpfung vor Operation angestrebt

20. März 2017 - 9:30

In Zukunft dürften mehr Brustkrebspatientinnen als bisher von einer medikamentösen Therapie zur Schrumpfung des Tumors vor der Operation profitieren als bisher. Dies ergibt sich aus jenen Leitlinien-Beschlüssen, welche 55 internationale Experten bei der St. Gallen Brustkrebskonferenz in Wien gefasst haben.

140 Fragen zur optimalen Therapie diskutiert

140 Fragen zur optimalen Therapie diskutiert

An dem Kongress hatten seit vergangenem Mittwoch rund 3.000 Mammakarzinom-Experten aus 105 Ländern teilgenommen. Es handelt sich um eine alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung, bei der die Wissenschafter jeweils die zuvor publizierten aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse zum Thema von Brustkrebs im frühen Stadium diskutieren und bei der in einer Podiumsdiskussion am Ende schließlich ein Konsens über neue Fragen erzielt werden soll.

"Dieses Mal beriet das Expertengremium, das aus 55 Panel-Mitgliedern bestand, 140 Fragen", sagte Michael Gnant, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie (MedUni Wien/AKH), gegenüber der APA. Vor zwei Jahren war die St. Gallen Brustkrebskonferenz vor allem aus Platzgründen zum ersten Mal nach Wien übersiedelt. "2019 und 2021 wird sie ebenfalls in Wien stattfinden", berichtete Gnant, auch Präsident der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG).

Einige der Konsensus-Beschlüsse, welche die Konferenz fällte, könnten wesentliche Auswirkungen auf die Therapie von Brustkrebs im frühen Stadium für die Zukunft haben. "In Zukunft sollen alle Patientinnen, bei denen ein HER2-positives oder ein sogenanntes Triple-negatives Mammakarzinom festgestellt wird, schon vor der Operation eine medikamentöse Therapie zur möglichst starken Verkleinerung des Tumors erhalten", berichtete Gnant.

Bei HER2-positiven Tumoren finden sich an der Oberfläche der Krebszellen vermehrt Rezeptoren für einen Zellwachstumsfaktor (EGFR). Triple-negative Mammakarzinome weisen weder vermehrt HER2-Rezeptoren noch Östrogen- oder Progesteron-Rezeptoren auf (sogenannte hormonabhängige Mammakarzinome). Das von den internationalen Experten nun generell präferierte Vorgehen mit einer medikamentösen Therapie beim frühen Mammakarzinom (HER2-positiv oder Triple-negativ) wird in Österreich schon seit einiger Zeit angewendet, berichtete der Chirurg. "Insgesamt betrifft das etwa ein Drittel aller neu diagnostizierten Mammakarzinom-Patientinnen", sagte er zur Bedeutung dieser Empfehlung.

Mehr brusterhaltende Eingriffe

In der Fachsprache wird die medikamentöse Behandlung bei einer Karzinomerkrankung noch vor der Operation "neoadjuvante" Therapie genannt. Sie soll das Karzinom möglichst verkleinern. Manchmal gelingt es sogar soweit zu kommen, dass die Pathologen später überhaupt keine vitalen Krebszellen im Operationspräparat mehr finden.

Diese Erfolge führen aber zu neuen Fragen. Bei der Brustkrebskonferenz diskutierten die Experten am Ende, wie groß der chirurgische Eingriff nach einer solchen neoadjuvanten Verkleinerung des Tumors sein sollte: eben im Ausmaß des bei Diagnose bestandenen Karzinoms oder gemäß der Größe nach der medikamentösen Behandlung. "Es ist klar festgestellt worden, dass zum Beispiel bei einer Verkleinerung des Tumors durch die neoadjuvante Therapie von fünf auf zwei Zentimeter eben dann der zwei Zentimeter große Tumor chirurgisch entfernt werden sollte (kein Eingriff nach der ursprünglichen Größe; Anm.)", sagte der Wiener Brustkrebsspezialist Michael Gnant gegenüber der APA.

Die neoadjuvante Therapie und die Rücksichtnahme auf die damit erreichte Größe des Karzinoms unmittelbar vor dem chirurgischen Eingriff - natürlich mit einem kleinen Sicherheitsabstand sollte in der Zukunft die Operationen noch kleiner machen. Das könnte auch die Rate der brusterhaltenden Chirurgie weiter steigern.

Behandlung mit Bisphosphonaten

Die dritte wesentliche neue Empfehlung der internationalen Brustkrebsexperten zielt auf eine unterstützende medikamentöse Therapie nach der Operation bei hormonabhängigem Brustkrebs ab: Sowohl bei Patientinnen nach der Menopause mit antihormoneller medikamentöser Behandlung als auch bei jüngeren Frauen, die eine solche Therapie bei hormonabhängigen Brustkrebs erhalten, sollte zusätzlich noch eine Behandlung mit sonst bei der Osteoporose eingesetzten Medikamenten erfolgen (z.B. Bisphosphonate).

Wesentliche wissenschaftliche Studien dazu erfolgten in den vergangenen Jahren im Rahmen der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG), welche Gnant leitet: Die "Knochenhärter" haben nämlich einen vorbeugenden Effekt gegen das Auftreten von Fernmetastasen bei Brustkrebs und senken so die Rückfallsrate, was längerfristig auch die Sterblichkeit der Patientinnen deutlich reduziert.



(APA/red, Foto: APA/APA (Gindl))

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