Sitzenbleiben: VP-regierte Länder skeptisch

21. Juni 2011 - 8:32

Aufsteigen mit drei Nicht Genügend für Vorarlberg "unausgegoren", für Niederösterreich nicht zielführend - Oberösterreich für Differenzierung nach Fächern

Die Skepsis in der ÖVP gegenüber der geplanten Modularen Oberstufe wächst: Neben Parteichef Michael Spindelegger und Bildungssprecher Werner Amon äußern auch die VP-regierten Bundesländer Kritik bezüglich des Modells, das das Aufsteigen mit bis zu drei Nicht Genügend ermöglichen soll. Ein Kurssystem wird in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg zwar prinzipiell begrüßt, dass damit aber quasi das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, stößt auf Kritik.

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Als "unausgegoren" bezeichnet Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer das Konzept gegenüber der APA, "das muss man noch einmal gründlich hinterfragen". Instrumente wie Förderkurse, Coaching oder Ganzjahresplanung sollten bereits vor und nicht erst in der schulischen Krise zum Einsatz kommen. Man dürfe den Schülern kein X für ein U vormachen und so tun, als ob es auch ohne Leistung gehe, warnte der Landesrat. Er befürchte außerdem, dass man beim Aufstieg mit drei Nicht Genügend in vielen Fällen eine Wand aufbaue, "an der der Schüler nicht mehr weiterkommt", so Stemer. Wenn es in der Schule einmal gar nicht laufe, könne es im Einzelfall auch besser sein, ein Jahr zu wiederholen.

Für Stemers Pendant aus Niederösterreich, Karl Wilfing, ist das Aufsteigen mit drei Fünfern nicht zielführend, weil es dem Leistungsgedanken widerspricht. Er würde sich aber einem Modell anschließen, wenn wie bisher das Lehrerkollegium über einen Aufstieg trotz Nicht Genügend entscheidet, wie er der APA sagte. Die Lehrerkonferenz solle bewerten, ob der betreffende Schüler begründete Nachteile hatte und imstande sei, den Stoff nachzuholen. Die Gefahr von willkürlichen Entscheidungen, wie kritisiert worden war, sieht Wilfing dabei nicht.

Die oberösterreichische Bildungslandesrätin Doris Hummer tritt dafür ein, die Entscheidung über Aufsteigen oder Sitzenbleiben nach Gegenständen zu differenzieren. In aufbauenden Fächern, beispielsweise Sprachen, könne sie sich eine Versetzung mit drei Fünfern nur schwer vorstellen, sagte sie im Gespräch mit der APA. "In Geschichte ist es leichter, das Römische Reich und den Zweiten Weltkrieg parallel zu lernen." Das Modulsystem halte sie aber prinzipiell für gut, "sogar besser als vorher". Denn nun müsse man die versäumte Leistung nachbringen, was mit der Aufstiegsklausel nicht immer der Fall war.

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer stellte gegenüber der APA in Frage, ob Schüler durch jenes Modell die Lernziele vor allem in aufbauenden Fächern erreichen können. Für die sinnvollere Oberstufenreform hielte er es, wenn Jugendliche Defizite in bestimmten Fächern durch bessere Leistungen in anderen ausgleichen könnten, in denen sie besonders begabt sind. "Wieso kann nicht ein Sprachentalent in Französisch und Englisch 130 Prozent des Lehrplans erfüllen und dafür in Physik und Mathematik einen Abschlag kriegen", fragte der Landeshauptmann. Stärken und Talente sollten entsprechend entwickelt werden, betonte er.

Äußerst zurückhaltend reagierte die für Schule zuständige Tiroler VP-LR Beate Palfrader auf APA-Anfrage. Wichtig sei, dass die betroffenen Schüler die Möglichkeit hätten, "die Defizite in einzelnen Fächern gezielt nachzuholen, um somit zu einem positiven Schulabschluss zu gelangen". Aufgrund von Defiziten in einzelnen Fächern ein ganzes Schuljahr wiederholen zu müssen, soll jedoch im Rahmen der "Modularen Oberstufe" der Vergangenheit angehören, da das "Sitzenbleiben" sich negativ auf die Motivation der Schüler auswirke. Es müsse durch gezielte Förderung sichergestellt werden, dass die Schüler das Leistungsziel in allen Fächern erreichen und die hohe Qualität der schulischen Ausbildung erhalten bleibe, betonte Palfrader in ihrem Statement. (APA/red)


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