Wissenschaftsminister will Studenten von Unis an FH verlagern

16. Februar 2016 - 9:16

Studienrichtungen mit Engpässen versus "Luxusfächer" mit wenigen Studenten © APA (Schlager)

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellt die Studien an den Universitäten und Fachhochschulen auf den Prüfstand. Bis 2017 sollen die Unis ihr Studienangebot sowohl untereinander als auch mit den FH abgleichen. Ziel ist unter anderem eine Verlagerung von Studenten von Unis in Richtung FH, so Mitterlehner kürzlich bei einer Pressekonferenz.
 

Insgesamt gebe es in Österreich rund 1.500 Studienpläne an Unis und FH, schilderte Mitterlehner den Ist-Zustand. Die Auslastung ist dabei höchst unterschiedlich: Während an den Unis etwa die 20 meistinskribierten Studienrichtungen jährlich auf rund 41.000 Studienanfänger kommen, sind es in den 20 am wenigsten belegten Fächern nur knapp 230. Gleichzeitig studieren von den insgesamt 350.000 Studenten nur 13 Prozent an den FH - in der Schweiz und in Bayern sind es mehr als ein Drittel.

Folge dieser Verteilung sei eine höhere Belastung der Universitäten, die wiederum auf die Betreuungsverhältnisse durchschlage, so Mitterlehner. Darunter leide im Endeffekt auch die Forschung. Neben Studienrichtungen mit Engpässen gebe es andererseits die "Luxusfächer" mit wenigen Studenten. Nächstes Problem sei die Durchlässigkeit innerhalb des gleichen Fachs an den Unis: Aufgrund der Autonomie der Unis bei den Curricula sei es kaum möglich, als Medizin-Student von Innsbruck nach Wien oder als Jus-Student von Graz nach Salzburg zu wechseln.

Strategieprozess gestartet

Zur besseren Steuerung des Hochschulsektors startet das Ministerium daher unter Einbindung der Hochschulen einen Strategieprozess, der bis 2017 abgeschlossen werden soll und dessen Ergebnisse in die nächste Leistungsvereinbarungsperiode 2019 bis 2021 einfließen. So sollen vor allem wirtschaftsnahe Studien wie Betriebswirtschaftslehre (BWL) - aber eventuell auch Jus - teilweise an die FH verlagert werden, um mehr Freiraum für die Forschung an den Unis zu schaffen. Vorschreiben will Mitterlehner das zunächst nicht: Zunächst soll dies über Anreize zur Kooperation geschehen - "es kann am Ende des Prozesses aber auch eine gesetzestechnische Festlegung geben".

Ein Modell für wirtschaftsnahe Studien wie BWL könne es "sehr salopp formuliert" etwa sein, die Bachelor-Ausbildung an FH durchzuführen und das Doktorat an den Unis, so Mitterlehner auf eine entsprechende Frage. Die Master-Ausbildung würden sich die beiden Hochschultypen dann je nach Schwerpunkt teilen.

Neben dem Abgleich des Studienangebots zwischen den Hochschulen definiert das Ministerium noch vier weitere "Aktionsfelder": So sollen etwa Forschung und Lehre in den Life Sciences vor allem im Großraum Wien abgestimmt werden, Ähnliches gilt für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften an den Unis und die Informatik. Als Querschnittsthema wird die Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den Hochschulsektoren angegangen - also etwa der Wechsel von einer Uni zur anderen oder von FH an eine Uni.

Keine Fusionen von Hochschulen geplant

Eine Fusion von Hochschulen ist aber nicht geplant, so Mitterlehner. "Es ist nicht unser Ziel, die Quantität der Unis in Frage zu stellen oder deren regionale Verankerung. Es geht um die Inhalte dort." Ganz auszuschließen sei eine Zusammenlegung "am Ende der Analyse" allerdings nicht: "Aber das hieße, das Pferd von hinten aufzuzäumen."

Auch das österreichweite Streichen ganzer Fächer stehe nicht auf der Tagesordnung, meinte Mitterlehner: "Wir wollen keine Streichorgie entwickeln, weil dann wäre das Projekt gleich vor Beginn gescheitert." Aufgrund der Uni-Autonomie sei das Angebot aber nicht aufeinander abgestimmt. "Die Frage wird sein, ob man nicht Kooperationen macht. Wenn in Mathematik in Klagenfurt zwölf Plätze nachgefragt werden, muss man fragen, ob es nicht möglich ist, das gemeinsam mit steirischen Hochschulen anzubieten."

Mit einhelliger Zustimmung rechnet Mitterlehner nicht: "Wir werden damit nicht nur Begeisterung ernten bei den Unis, bei den Fachhochschulen schon eher. Da werden Machtbereiche verschoben."

(APA/red, Bild Illustration copyright APA/Hirsch)


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