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Deutschpflicht: Ablehnung bzw. maximal "Light"-Variante in Bundesländern

2. Februar 2016 - 12:08

Eine Deutschpflicht an den Schulen auch in der Pause stößt in den meisten Bundesländern auf Ablehnung bzw. kommt - wenn überhaupt - nur in einer "Light"-Variante als unverbindliche Empfehlung. Das zeigt ein APA-Rundruf in den einzelnen Bundesländern.

Im Ursprungsland der Diskussion, Oberösterreich, ist derzeit ein Tauziehen zwischen "Pflicht" und "Bemühen" im Gang: Laut schwarz-blauem Regierungsübereinkommen soll "sichergestellt werden, dass nicht nur während des Unterrichts, sondern auch in den Pausen und auf dem gesamten Schulareal deutsch gesprochen wird". Der zuständige LHStv. Thomas Stelzer (ÖVP) möchte das in den Hausordnungen verankern, allerdings ohne Konsequenzen. Der zuletzt vom Landesschulrat ausgearbeitete Textentwurf liest sich noch milder: "Wir bemühen uns, auch außerhalb des Unterrichts Deutsch als gemeinsame Sprache zu verwenden", heißt es darin. Man habe schließlich "nie von Pflicht gesprochen", argumentiert Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. Auch wenn Kritiker wie der Grüne Klubobmann Gottfried Hirz bereits ein Zurückrudern wegen "Verfassungswidrigkeit" und "Unsinnigkeit" orten, könnte es doch noch zu einer Nachschärfung kommen: Stelzer will ein rechtliches Gutachten abwarten und danach das Vorhaben noch "konkretisieren".

Steiermark: "Bitte warten"

"Bitte warten" heißt es auch in der Steiermark hinsichtlich einer angekündigten Empfehlung des Landesschulrates. Zuerst werde dieser den Pflichtschulinspektoren vorgelegt und dann an die Schuldirektionen verschickt. Das werde "bis zum Sommer dauern", hieß es dazu aus dem Büro von Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner. In der Vorwoche hatte sie betont, dass es sich um keine Verordnung, sondern eine Empfehlung handeln werde und dass die Schulen selbst entscheiden können, diese für ihre Hausordnung zu übernehmen. Zugleich stellte sie klar, dass es keine Kontrolle und keine Strafen bei Verstößen geben werde.

"Ich glaube, das ist nicht der richtige Weg", hielt hingegen die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Steiermark, Elgrid Messner, fest. "Einem Kind etwas zu verbieten, was es kann, nämlich seine eigene Muttersprache, ist keine Wertschätzung, sondern eine grundsätzliche Abwertung der Fähigkeiten. Das ist nicht stärkend für die weitere Lernmotivation", entrüstete sich die PH-Rektorin. Viel klüger als eine Sprache zu verbieten sei, etwas anzubieten, das die Mehrsprachigkeit fördere.

Am deutlichsten ist die Ablehnung von Deutsch als Pausensprache in den SP-regierten Ländern. Als "undenkbar" bezeichnete der Kärntner Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger die Einführung einer generellen Deutschpflicht. Aber auch eine Empfehlung werde es in Kärnten nicht geben. "Warum soll man sich etwas umhängen, nur um populistisch in Erscheinung zu treten?", fragte sich Altersberger. Die Rufe nach einer Deutschpflicht in den Schulpausen würden an der Realität vorbeiführen: "In manchen Schulen ist man schon so weit, dass man sich Handyverbote in der Pause überlegt, weil die Schüler zu wenig miteinander zu kommunizieren. Wichtig wäre es, dass die Schüler überhaupt wieder mehr miteinander reden, in welcher Sprache, das ist zweitrangig. Die Bildungssprache ist aber selbstverständlich Deutsch."

"Verschiedenste Sprachen" im Burgenland normal

Burgenlands Landesschulratspräsident Heinz Josef Zitz hält ein Verordnen von Deutsch als einziger Pausensprache weder für sinnvoll noch für umsetzbar. Es stelle sich die Frage, wie man so ein Verbot durchsetzen wolle. "Was, wenn zwei Schüler Englisch reden im Pausenhof, was grundsätzlich pädagogisch wertvoll wäre?", fragte Zitz. Zudem gebe es im Burgenland anerkannte Minderheitensprachen wie Kroatisch, Ungarisch und Romanes. "Das heißt, bei uns wird in den Pausen grundsätzlich in den verschiedensten Sprachen gesprochen", so der Landesschulratspräsident.

Auch in Wien sieht man das ähnlich: Kinder sollten eigentlich dazu gebracht werden, miteinander zu reden und sich auszudrücken. Ein Verbot der Muttersprache wäre daher kontraproduktiv, hieß es aus dem Stadtschulrat.

Auch die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hält eine Deutschpflicht in den Pausen für "unzulässig und nicht zielführend". "Ich halte nicht viel davon, solche Maßnahmen von oben zu verordnen. Die Schulen wissen am besten, welche Integrationsmaßnahmen angebracht sind", meinte Palfrader. Sollte eine Schule jedoch selbstständig eine derartige Verpflichtung einführen, könne sie sich nicht einverstanden erklären. Deutsch müsse zwar forciert werden, da es die Grundlage für jede weitere Bildung darstelle, aber dies könne auch über andere Wege erreicht werden. So könnte man beispielsweise einheimische Kinder und Kinder aus anderen Nationen dazu anregen, auch außerhalb der Schule Zeit miteinander zu verbringen. Vielfalt müsse auf jeden Fall als Bereicherung gesehen werden und nicht als Bedrohung.

Die Vorarlberger Schullandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) lehnt zwar ebenfalls eine Verpflichtung ab. Einer Empfehlung im Sinne einer Sensibilisierung stehe sie aber aufgeschlossen gegenüber. Sie könne sich durchaus vorstellen, an die Vorarlberger Schulen heranzutreten. Diese müssten dann aber im Rahmen der Schulautonomie selbst entscheiden, ob sie einen entsprechenden Passus in die Hausordnung aufnehmen wollen oder nicht. "Sprache ist der Schlüssel zur Integration", betonte Mennel gegenüber der APA. Jede Übung trage zur Verbesserung der Sprachkenntnisse bei.

Salzburg: "Gute Idee"

Für eine "gute Idee" hält man den oberösterreichischen Vorstoß in Salzburg: "Die gemeinsame Sprache im Schulalltag macht Sinn. Eine Fremdsprache erlernt man ja auch vor Ort und im Alltag am besten", so Roland Bieber, Leiter der Präsidialabteilung im Landesschulrat Salzburg. Zugleich könnten Probleme eingedämmt werden, etwa dass Kinder ihre Mitschüler oder Lehrer in einer anderen Sprache beschimpfen. "Wichtig ist, dass man zunächst diskutiert, was für das Wohl der Schüler am besten ist", betonte Bieber. "Es wird sicher nicht dazu führen, dass Geschwister in der Pause nicht mehr in ihrer Muttersprache kommunizieren dürfen." Konkrete Empfehlungen für die Umsetzung seien vonseiten des Landesschulrats nicht vorgesehen. Das sei Sache des Schulgemeinschaftsausschusses oder des Schulforums.

In Niederösterreich seien ebenfalls keine schriftlichen Empfehlungen geplant, hieß es vom Landesschulrat. Die Schulordnung liege in der Autonomie der Schulen.

(APA/red)


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