Bildungsreform: Vertreter diverser Interessensvereinigungen ziehen durchwachsene Bilanz

19. November 2015 - 8:37

Eine durchwachsene erste Bilanz zogen nun Vertreter unterschiedlicher Interessensvereinigungen angesichts der am 17. November präsentierten Regierungs-Pläne zur Bildungsreform. Auf breite Ablehnung von der Industriellenvereinigung (IV) bis zur Caritas stoßen die Pläne, die gemeinsame Schule lediglich in Modellregionen zu erproben. Positive Aspekte sehen die Experten bei der Schulautonomie.

"Großen Diskussionsbedarf" ortet der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, im Bezug auf die geplanten Beschränkungen der Modellregionen zur Erprobung der gemeinsamen Schule bis 14 Jahre. Dass diese in jeden Bundesland nicht mehr als 15 Prozent aller Standorte der jeweiligen Schulart bzw. 15 Prozent aller Schüler der jeweiligen Schulart umfassen dürfen, sei etwa "ein Affront" gegenüber der Landesregierung Vorarlbergs, die diese Schulform gerne flächendeckend eingeführt hätte.

Modellregion-Pläne für Eltern problematisch

Insgesamt seien die Pläne zur Reform aber "deutlich mehr geworden als befürchtet. Aber nicht das, was wir erhofft haben", erklärte Neumayer. Es brauche nun einen breiten Diskurs über die Umsetzung. Positive Punkte seien unter anderem der künftige Ausbau des Breitband-Internets an Schulen und die geplante Einrichtung einer Bildungsstiftung zur Unterstützung von Schulprojekten im Bereich Digitalisierung.

Sehr problematisch aus Sicht der Eltern ist dagegen die Tatsache, dass es in den Modellregionen deren Zustimmung zur Umsetzung des neuen Modells nicht mehr brauchen soll, erklärte Elisabeth Rosenberger, Vorsitzende des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens. Hier würden Schulpartner- und Elternrechte "mit einem Federstrich weggewischt". Eine Folge könnte sein, dass Eltern, die ihre Kinder nicht in diesen Schultyp schicken wollen, einfach längere Wege in Kauf nehmen und ausweichen.

Die ehemalige AHS-Direktorin und Vorsitzende der Initiative BildungGRENZENLOS, Heidi Schrodt, attestierte dem Reformpapier insgesamt das Fehlen einer "Vision". Angesichts der sich ankündigenden Regelung zu den Modellregionen (mit deren geplanter Evaluation 2025, Anm.), sei zu befürchten, "dass das mehr als zehn Jahre Stillstand" für die gemeinsame Schule bedeutet. Auch Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter sieht die Modellregion-Pläne kritisch. Hier sei man leider "auf halbem Weg stehen geblieben".

Caritas sieht Bedarf an mehr Untersützungspersonal

Die neuen Bildungsdirektionen, bei denen die Verwaltung aller Schulen künftig gebündelt werden soll, dürften "keine umbenannten Landesschulräte" werden. Einige Probleme im System, wie etwa die nicht genug ausgebaute Schulautonomie, hätten die Verhandler zwar erkannt - dass ein Schulleiter zukünftig aber bis zu fünf Prozent der Ressourcen für Lehrkräfte für Supportpersonal verwenden kann, bezeichnete Wachter als "Unsinn". Es brauche zusätzliches Unterstützungspersonal im Schulbetrieb.

Für die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Gerda Schaffelhofer, stimmt bezüglich der Schulautonomie die Richtung in einigen Teilbereichen. Dass nun aber jeder Schuldirektor ohne zusätzliche Ausbildung schnell zum fähigen "Schulmanager" mutiert, sei nicht zu erwarten.

Eine Aufwertung der Kindergartenpädagogik-Ausbildung ebenso wie eine Überführung der Zuständigkeiten für den Bereich in das Bildungsministerium hätte sich die Sprecherin der Elementarpädagogik-Plattform Educare, Heidemarie Lex-Nalis, erhofft. Wohin der angekündigte "Bildungskompass" (eine durchgehende Erhebung des Entwicklungsstandes der Kinder, beginnend mit dreieinhalb Jahren, Anm.) zeigen soll, sei ihr noch schleierhaft. Lex-Nalis befürchtet, dass auch dafür zukünftig die Kindergartenpädagogen ohne zusätzliche Ausbildung zuständig sein könnten.

(APA/red, Bild APA/Fohringer)


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