"Nichts drin": Skeptiker nehmen homöopathische "Überdosis" in Wien

2. Februar 2011 - 16:33

Selbsternannte "Skeptiker" wollen unter dem Motto "Nichts drin, nichts dran"   am 5. Februar um 10.23 Uhr auf öffentlichen Plätzen in 26 Ländern und 53 Städte  eine "Überdosis" homöopathischer Medikamente schlucken. Man wolle auf die "unkritische und irreführende Vermarktung der Homöopathie" aufmerksam machen, so die Wiener Gruppe der "Skeptiker - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) in einer Aussendung. In Wien wollen rund 20 "Skeptiker" am Wiener Stephansplatz ihre "Überdosis" einnehmen.

Mit der etwas ungewöhnlichen Uhrzeit möchte man auf  die sogenannte Avogadro-Konstante hinweisen, die angibt, wie viele Atome eines Elementes oder Moleküle einer chemischen Verbindung in einer bestimmten Stoffmenge (Mol) des jeweiligen Materials enthalten sind. Ab einer Verdünnung von eins zu zehn hoch 23 ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein einziges Molekül der ursprünglichen Substanz mehr in dem homöopathischen Arzneimittel. "In einem typischen homöopathischen Mittel wie z.B. Belladonna C30 beträgt die Verdünnung 1 zu 10 hoch 60, das bedeutet, in Belladonna C30 ist kein Belladonna drin", erklärte Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschafter an der WU Wien sowie Vorstandsmitglied der GWUP.

Deswegen sei es für Berger nicht erstaunlich, dass "wissenschaftliche Studien nur Placebo-Wirkung zeigen". Um dies zu beweisen werden die Wiener Skeptiker am Stephansplatz homöopathische Globuli der Verdünnungsstufe C30 einnehmen, die Namen wie "Phosphorus" (Phosphor), "Arsenicum" (Arsen) und "Strychnos nux vomica" (Brechnuss) tragen, "tatsächlich aber aus reinem Zucker bestehen", so Berger.

Kritisiert wird, dass homöopathische Mittel laut einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1992 einer "obskuren Ausnahmeregelung" unterliegen und ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden können.  Manche Kritiker bezeichnen Homöopathie sogar als gefährlichen Etikettenschwindel, "weil sie kranken Menschen die Illusion vermittelt, Homöopathie sei eine nebenwirkungsfreie Alternative zur verschmähten 'Schulmedizin'".

Für Berger ist Homöopathie dagegen "eine der letzten Bastionen des modernen Aberglaubens. Ihre Grundprinzipien sind wissenschaftlicher Unfug, ihre Wirksamkeit kann sie seit 200 Jahren nicht nachweisen" und es sei "eine Schande für die österreichische Medizin", dass die Ärztekammer ein Homöopathie-Diplom vergebe und Homöopathie sogar an manchen Universitäten unterrichtet werde - aus rein kommerziellen Gründen.

(Internet: http://1023.gwup.org)

(Quelle: APA/red)

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