TU Wien will mit Studie Notwendigkeit einer Pensionsreform nachweisen

16. September 2013 - 15:40

Die TU Wien hat in einer Studie mit einem neuen Ansatz versucht, die Notwendigkeit einer Pensionsreform nachzuweisen. Während bisher üblicherweise die steigenden Zahl der Pensionisten im Vergleich zu den Erwerbstätigen herangezogen wird, wurde bei dieser Untersuchung ermittelt, in welchem Alter der durchschnittliche Konsum das durchschnittliche Lohn-Einkommen übertrifft. Ergebnis: In Österreich gerät man früher in ökonomische Abhängigkeit als in anderen Ländern.

Im Rahmen des Projekts „Welfare, Wealth and Work for Europe - WWW for Europe“ wurden an der TU Wien Daten von mehreren europäischen Ländern analysiert. Die Relation zwischen der Bevölkerung im Erwerbsalter und jener im Pensionsalter anzugeben, ist für Alexia Fürnkranz-Prskawetz, Professorin für mathematische Ökonomie an der TU Wien nicht korrekt. Ihre Forschungsgruppe hat statistisch erhoben, welche Werte in jedem einzelnen Lebensjahr erwirtschaftet werden und wie viel konsumiert wird.

Altersgrenze nach oben verschieben

Die Altersgrenze, bei der das durchschnittliche Lohneinkommen wieder unter die durchschnittliche Konsum-Grenze sinkt und man in ökonomische Abhängigkeit gerät, liegt in Österreich im Durchschnitt bei 59 Jahren, in Deutschland bei 60. „Diese Altersgrenze muss nach oben verschoben werden, insbesondere angesichts der steigenden Lebenserwartung. Das wird nur durch höhere Zu- und Abschläge je nach Pensionsantrittsalter möglich sein“, meint Fürnkranz-Prskawetz. Schweden gilt hier international als Vorbild: Bis zum Alter von 63 Jahren erwirtschaftet die schwedische Bevölkerung im Durchschnitt mehr als sie konsumiert.

Der Übergang in die ökonomische Abhängigkeit am Ende der Berufskarriere findet bei Frauen früher statt als bei Männern: Nur bis zum Alter von 55 Jahren (Männer: 59) erwirtschaften Frauen mehr als sie konsumieren. (Deutschland: Frauen: 53, Männer: 61)

Durch die Einbeziehung unbezahlter Leistungen, wie Kinderbetreuung und Hausarbeit, die hauptsächlich von Frauen übernommen werden, wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen zwar in allen Staaten kleiner, in Österreich und Deutschland bleiben Frauen trotzdem unter dem von Männern erwirtschafteten Produktionswert. Unter statistischer Einbeziehung unbezahlter Leistungen erwirtschaften in Österreich Frauen ab einem Alter von 59 Jahren weniger als sie konsumieren. Bei Männern liegt diese Grenze bei 61 Jahren (Deutschland: Frauen 59, Männer 62).

Am Beginn der Berufslaufbahn erwirtschaften junge Menschen allerdings aufgrund der vergleichsweise hohen Zahl an Lehrlingen in Österreich schon relativ früh - im Alter von 22 Jahren - mehr als sie konsumieren. In Deutschland und Italien, ebenso wie in Finnland und in Großbritannien findet dieser Übertritt vom Nettokonsumenten zum Nettoproduzenten erst mit 27 Jahren statt (APA/red, Bild APA).


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