"Fundamentale Kritik" am Gesetzesentwurf für NMS: Mehr Nachteile bei NMS als bei Hauptschulen?

1. Dezember 2011 - 12:58

"Fundamentale Kritik" am vorliegenden Gesetzesentwurf für die Neue Mittelschule (NMS), die bis 2018/19 flächendeckend die Hauptschule ablösen sollen, hat Grünen-Bildungssprecher Harald Walser am Donnerstag in einer Pressekonferenz geübt. Durch die geplante Unterscheidung in "grundlegende" und "vertiefte" Allgemeinbildung in Deutsch, Mathematik, Englisch und Latein/Geometrisch Zeichen hätten NMS-Schüler mehr Nachteile beim Wechsel in eine höhere Schule als Hauptschüler. "Ein Schüler aus der Neuen Mittelschule mit einer Beurteilung nach grundlegender Allgemeinbildung hat de facto keine Möglichkeit, in eine weiterführende höhere Schule zu wechseln", so Walser.

So habe ein NMS-Schüler, der auch nur in einem der differenzierten Fächer nur die "grundlegende" Allgemeinbildung erreicht, schlechtere Chancen nach Ende der vierten Klasse in eine AHS oder berufsbildende höhere Schule (BHS) zu wechseln als derzeit ein Hauptschüler der zweiten Leistungsgruppe, so Walser mit Verweis auf das Notenbewertungsmodell des Landesschulrats Vorarlberg, wo im Frühjahr über die weitere Schulkarriere der ersten NMS-Absolventen entschieden wird.

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Roman Herbst, Direktor der NMS Gmunden (OÖ), beklagte bei dem Pressegespräch, dass das geplante Gesetz massiv in die Schulautonomie eingreife. "Wir haben groß Konzepte geschrieben, die sind jetzt alle wegzuwerfen." Individuelle Förderung der Schüler, Teamteaching von Lehrern von Haupt- und höheren Schulen in Deutsch, Mathe und Englisch, alternative Leistungsbeurteilung durch sogenannte Kompetenzraster - das alles sei durch das geplante Gesetz in Gefahr, warnte Herbst.

Direktor sieht viele Gefahren

Da das neue Modell für bestehende NMS schon ab kommendem Schuljahr verpflichtend sei, würden Schulleiter noch dazu gezwungen, gegenüber Eltern und Schülern wortbrüchig zu werden und von einem Tag auf den anderen alles zu ändern. Schwerpunkte wie Französisch, Naturwissenschaften oder Kultur "darf ich dann nicht mehr machen".

Durch den differenzierten Lehrplan, wobei jener der "vertieften Allgemeinbildung" laut Gesetzesentwurf "im Wesentlichen jenem der AHS" entspricht, sei der gemeinsame Unterricht von guten und weniger begabten bzw. Integrationsschülern gefährdet. Hintergrund: Der Lehrplan der ersten Leistungsgruppe Hauptschule ist ident mit dem des Realgymnasiums. "Jene Kinder, die eine umfassende Bildung wollen, müssen in die AHS gehen", meint Herbst deshalb.

Teamteaching, bei dem sich AHS- oder BHS-Lehrer um begabtere und Hauptschullehrer um schwächere Schüler kommen sollen, gehört aus Herbsts Sicht ebenfalls der Vergangenheit an. Es sei in dem Entwurf zwar enthalten, allerdings sei mangels Verpflichtung fraglich, ob es auch tatsächlich weiter finanziert werde. Kooperationen mit Volksschulen, durch die Herbst an seiner Schule den Übergang von der Volksschule an die NMS erleichtern wollte, seien auch gefährdet.

(APA/red, Bild APA/dpa/Patrick Pleul)


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