Information
Mit dem interdisziplinären Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte und weiteren Initiativen gibt es in Salzburg eine beachtliche Anzahl an Spezialisierungen in verschiedensten Bereichen der jüdischen Geschichte, wie Literatur, Religion, den Holocauststudien usw. Diese bedeutsamen Ressourcen sind bislang nicht zu einem Studiengang gebündelt worden, obgleich sie bereits maßgebliche Akzente in Forschung und Lehre sowie Öffentlichkeitsarbeit gesetzt haben.
Jüdische Studien sind – nach der Judaistik – erst in den 1970er Jahren auch im deutschsprachigen Raum entstanden und haben einen großen Aufschwung erlebt. Allerdings sind bislang nur wenige Masterstudiengänge entwickelt (Graz – Heidelberg Joint Degree „Geschichte jüdischer Kulturen“ Ein-Fach – nicht-konsekutiv, komplementärer Wahlfach-Anteil; in Deutschland: Universität Potsdam Ein-Fach – konsekutiv, Universität Düsseldorf, Universität Halle-Wittenberg Zwei-Fach – konsekutiv; in Planung: Universität München; in der Schweiz: Universität Basel Zwei-Fach mit komplementärem Wahlfach-Anteil, konsekutiv). Salzburg erfindet damit das Rad der „jüdischen Studien“ zwar nicht neu, übt aber entscheidenden Einfluss auf die noch sehr junge Ausgestaltung von Masterstudiengängen mit Vorbildwirkung auf andere aus. Daher ist es angezeigt, von einem spezifischen Ansatz und einer einzigartigen Kombination an Überblick und Schwerpunktsetzungen zu sprechen, die Salzburger Ressourcen bündelt, die intensive Kooperation mit in- und ausländischen Partnern gleichzeitig beflügelt und den Studierenden die Möglichkeit eröffnet, über einen reinen Wahlfachstudiengang hinaus einen gründlich durchdachten und durchstrukturierten Master zu erwerben, der sich ergänzend zum eigenen Bildungsweg förderlich auf die Berufsaussichten auswirkt.
Der Masterstudiengang vermittelt Grundlagenforschung und bindet gleichzeitig an eine gesellschaftliche Realität und eine berufliche Praxis zurück. Die gesellschaftspolitische Herausforderung angesichts einer intensiven Debatte um Integration und Migration sowie des nach wie vor bestehenden Antisemitismus machen eine vertiefte Auseinandersetzung mit jüdischer Kulturgeschichte zu einem wichtigen Baustein europäischer Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, gegen Ausgrenzungen und Vorurteile.
Nur unter Einbeziehung der historischen Tiefendimension und einer interdisziplinären Betrachtung des Phänomens der jüdischen Kulturgeschichte in ihrem Beitrag für eine europäische Kultur, für ein Zusammenleben von Minderheiten und Mehrheiten, in den Binnendiskursen wird eine vertiefte Kenntnis ermöglicht, die zu Aufklärung beiträgt und Grundlagen für gesellschaftliche Praxis legt.
Qualifikationsprofil
Das Masterstudium „Jüdische Kulturgeschichte“ vermittelt eine spezialisierte kulturgeschichtliche Bildung und Kenntnisse, die für Berufe im Bereich der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie auch der Theologie qualifizieren. Die Kombination mit Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachenkenntnissen, wirtschafts- und betriebswissenschaftlichen Kenntnissen, Fertigkeiten auf dem Gebiet der (neuen elektronischen) Medien, im Bereich Museumsdidaktik oder im Kulturmanagement erhöhen die Chancen der Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt.
Das Studium soll einen Beitrag gegen Vorurteile, Ausgrenzungen von Minderheiten aller Art
sowie gegen Antisemitismus leisten. Folgende Kompetenzen und Kenntnisse werden im Masterstudium „Jüdische Kulturgeschichte“ vorrangig erworben:
(1) Kulturgeschichtliches Wissen über das Judentum: Nach einem kulturgeschichtlichen Grundstudium sollen die Studierenden anhand eines breiten Überblicks die Fähigkeit erhalten, das Phänomen des Judentums im Rahmen einer allgemeinen und europäischen Kultur verstehen zu können, darunter die vielfältigen Begegnungen von Judentum und nichtjüdischer Kultur, die zentralen Quellen jüdischer Kultur, die maßgeblichen Sprachen. Sie sollen Identitätenbildung im Rahmen der europäischen kulturellen Entwicklung und die Prozesse von Interaktion, Akkulturation und des Kulturtransfers verstehen lernen.
(2) Spezialwissen in Teilbereichen: Aufbauend auf einem erworbenen Überblickswissen sollen Spezialkenntnisse die kritische Analyse kulturgeschichtlicher Entwicklungen am Beispiel des Judentums und seiner interkulturellen Verflechtung ermöglichen. Neben der Fähigkeit zur Synthese der Fülle an Informationen sollen die Absolventinnen und Absolventen auch über die Fähigkeit verfügen, das Bild einer eindimensionalen, zielgerichteten Entwicklung zu relativieren. Sie sollen Schwerpunkte bilden und persönliche Profile entwickeln.
(3) Fortgeschrittene Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens, Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten: Die Studierenden sollen vertiefte Kenntnisse in der Benützung von Quellen, von Bibliotheken und Archiven, in der Anwendung elektronischer Verfahren zur Informationsgewinnung (z.B. Internet) sowie anderer Methoden zur Informationsbeschaffung wie Oral History (hier liegt ein starker Schwerpunkt der Salzburger Kompetenzen im Bereich der jüdischen Geschichte) oder die statistische Auswertung von Massenquellen erwerben. Die Studierenden sollen eigenständig wissenschaftliche Arbeiten erstellen können.
(4) Kritische Auseinandersetzung mit speziellen Theorien und Methoden der wissenschaftlichen Arbeit sowie mit quellenkritischen Methoden: Die Vermittlung von speziellen wissenschaftstheoretischen Ansätzen, vor allem aber von theoretischen Grundlagen der Kulturgeschichte und der besonderen Anwendung auf die jüdische Kultur soll der kritischen Einschätzung der Quellen und Sekundärdarstellungen dienen und es ermöglichen, aktuelle Diskurse nachzuvollziehen und sich daran zu beteiligen.
(5) Adaption methodischer und theoretischer Grundlagen im Studium: Die Notwendigkeit interdisziplinärer Zugänge soll im Masterstudium durch die Absolvierung eines methodischtheoretischen Moduls verdeutlicht werden, in dem die Zugänge zur Kulturgeschichte aus den verschiedenen Teilbereichen, wie etwa der Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft, theologischen Wissenschaften und anderer benachbarter Disziplinen, vorgestellt werden. Eine interdisziplinäre Vertiefung des Wissens ist auch im Rahmen der Vertiefungsfächer angestrebt.
(6) Selbstständiges Erarbeiten komplexer Fragestellungen und Themenbereiche: Die Studierenden sollen im Laufe ihres Masterstudiums die Fähigkeit vertiefen, den komplexen und vielschichtigen Prozess wissenschaftlichen Arbeitens in einzelne konkrete Arbeitsschritte zu unterteilen. Dazu gehört die Einsicht in die Notwendigkeit der inhaltlichen Begrenzung des Forschungsgebietes, der Aufstellung forschungsleitender Hypothesen sowie der Evaluierung und Reflexion der an den Quellen gewonnenen Ergebnisse.
(7) Fähigkeit der Organisation längerfristiger Projekte (Projektarbeit), sowie Fähigkeit, komplexe Probleme in arbeitsteiliger Forschungsorganisation zu lösen (Teamarbeit): Im Laufe des Masterstudiums soll die Fähigkeit zur Erarbeitung größerer Themenbereiche in Arbeitsgruppen vermittelt und geübt werden. Den Studierenden wird Einblick in die Entstehung und den Verlauf wissenschaftlicher Projekte gegeben. Ein wichtiges Ziel ist die Fähigkeit zum selbstständigen Verfassen von Projektanträgen.
(8) Fähigkeit der zielgruppenorientierten Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse: Die Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse in unterschiedlichen Medien und Situationen stellt einen wesentlichen Bereich der Ausbildung im Masterstudium dar. Deshalb wird im Studium die Anwendung von Präsentationstechniken verfeinert, ebenso die Aufbereitung eines Themas für ein Massenpublikum, etwa durch Essays, Beiträge in Printmedien, Radiointerviews oder in multimedialer Form.
(9) Verbindung aktueller gesellschaftsrelevanter Probleme mit ihrer (kultur)-historischen Dimension: Die Betonung der Aktualität kulturhistorischer Fragestellungen soll vor allem auch durch diachrone Betrachtungen und Fragestellungen, etwa in den längsschnittorientierten Kernfächern, betont werden.
(10) Fähigkeit zur mündlichen und schriftlichen Verständigung zu fachspezifischen Themen in lebenden Fremdsprachen: Die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz wird im Masterstudium betont. Die Absolvierung von Auslandssemestern, etwa im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten ERASMUS-Programms, wird durch größtmögliche Anrechnung auf der Basis des ECTS-Systems gefördert.
(11) Sensibilisierung für Genderfragen und Geschlechterdemokratie: Die Studierenden sollen im Laufe ihres Masterstudiums die Fähigkeit erwerben, Deutungen der Kultur nach geschlechtsspezifischen Kriterien und Ausblendungen zu hinterfragen und für ihren eigenen Zugang zur Geschichte die Erkenntnisqualität der Kategorie „Geschlecht/Gender“ zu nützen. Vermittelt wird dieser geschlechterorientierte und -differenzierte Blick durch eine grundsätzliche Integration in die Lehre sowie durch explizite Lehrveranstaltungen aus dem Feld der historischen Frauen-, Männer und Geschlechterforschung. Diese sind zudem Signale eines gleichstellungsorientierten Lehr- und Forschungsbetriebes. Inhaltliche Vertiefungen im Bereich der Gender Studies sind im Rahmen der Vertiefungsfächer durch entsprechende Angebote möglich, die von einzelnen Studienrichtungen oder als interdisziplinäre Schwerpunktbildung bereitgestellt werden. Die mit dem Erwerb dieses Wissens verbundene Schlüsselqualifikation „Gendersensibilität“ stellt ein Know-how dar, das heute in zahlreichen Berufsfeldern und darüber hinaus als Grundlage einer geschlechterdemokratischen Gesellschaft bedeutsam ist.
Berufsfeld
Das Masterstudium bietet in den Lehrveranstaltungen eine auf individuell gewählte Themenfelder spezialisierte Vorbildung in folgenden Berufsfeldern:
(1) Kulturgeschichte, Jüdische Studien und Judaistik (Universitäten, Forschungsinstitute, andere wissenschaftliche Einrichtungen)
(2) Archivwesen, Museen, Bibliotheken, Dokumentationswesen
(3) Erinnerungskultur und Denkmalpflege
(4) Didaktik im Bereich der Jugend- und Erwachsenenbildung
(5) Ausstellungswesen
(6) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
(7) Medienarbeit
(8) Tätigkeit im Bereich der Verwaltung auf mehreren Ebenen
(9) Berufe im Bereich der Freizeitindustrie bzw. der Tourismusbranche
(10) Kulturmanagement
(11) Tätigkeiten im Bereich der interkulturellen Arbeit.
Mögliche Alternativen zu diesem Masterstudium in Salzburg
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