Anzahl ordentlicher Studierender im WS 10/11
| Weiblich | Männlich | Verhältnis Weibl./Männl. | Gesamt |
| Erstzugelassene | 23 | 29 | 44.23% / 55.77% | 52 |
| Begonnene Studien | 44 | 65 | 40.37% / 59.63% | 109 |
| Ordentliche Studierende | 136 | 186 | 42.24% / 57.76% | 322 |
| Quelle: UNI:DATA BMWF |
Einstieg
Vor Abschluss des Bachelorstudiums Philosophie ist zur Reifeprüfung an höheren Schulen ohne Pflichtfach Latein gemäß § 4 Abs. 1 UBVO 1998, BGBl. II Nr.44/1998 in der Fassung BGBl. II Nr.26/2008 eine Zusatzprüfung aus Latein abzulegen. Gemäß § 4 Abs. 2 und Abs. 3 UBVO 1998 entfällt diese Zusatzprüfung aus Latein, wenn Latein an einer höheren Schule im Ausmaß von mindestens zehn Wochenstunden erfolgreich besucht wurde.
Information
Das Bachelorstudium Philosophie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl-FranzensUniversität Graz vermittelt eine fundierte wissenschaftliche Grundausbildung in Philosophie. Es versteht sich als wissenschaftliche Berufsvorbildung im Sinne von § 3 Abs. 3 UG und dient als Grundlage zur Ergreifung eines auch an der Philosophie orientierten Berufes in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, sowie als erster Ansatzpunkt einer wissenschaftlichen Laufbahn im Bereich der Philosophie.
Die Besonderheit des Faches Philosophie liegt in der ganzheitlichen und vernunftbegründeten Erörterung der für das menschliche Leben wesentlichen Grundbereiche und Grundbestimmungen. Die notwendige Spezialisierung in Fachwissen, die die dynamische Organisation der modernen Gesellschaft mit sich bringt, bedarf zunehmend auch eines zusammenschauenden allgemeinen Wissens als eine Art Gegengewicht und Korrekturinstanz. Ganzheitliche, interdisziplinäre und methodologische Betrachtungsweisen gewinnen in einer immer stärker vernetzten und komplexer werdenden Gesellschaft wachsende Bedeutung. Auch Antworten auf ethische Fragen gewinnen in allen Problemfeldern zunehmend größeres Gewicht.
Zu den methodischen und inhaltlichen Besonderheiten der Philosophie gehört insbesondere die systematische Reflexion über die Formen und Strukturen menschlichen Erkennens und über erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Voraussetzungen aller Wissenschaftsdisziplinen. In dieser Hinsicht ist die Philosophie vorwiegend Metawissenschaft und Grundlagenwissenschaft. Als eine derartige Reflexionsdisziplin analysiert sie die fundamentalen begriffslogischen und theoretischen Voraussetzungen (den kategorialen Rahmen) des Denkens und Handelns und versucht, derartige kategoriale Rahmenbedingungen selbst wieder kritisch zu hinterfragen (theoretische Philosophie).
Ein zentraler Aufgabenbereich der Philosophie liegt darüber hinaus in der kritischen und rationalen Auseinandersetzung mit Wertproblemen und Sinnfragen des menschlichen Lebens. Dazu gehört nicht zuletzt das kritische Überdenken und Prüfen von weltanschaulichen und kulturellen Orientierungen (sozial-moralischen Grundwerten, ethischen Imperativen, humanen Wertstandards, aber auch fundamentalistischen Ideologien usw.) in Bezug auf ihre Ursprünge, Implikationen und Konsequenzen. Die Philosophie leistet diese vermittelnde Hilfe hinsichtlich der wesentlichen Grund- und Zielfragen menschlicher Existenz (praktische und angewandte Philosophie, insbesondere angewandte Ethik). In engem Zusammenhang damit stehen auch Fragen der kritischen Anwendung der Philosophie auf spezifische Lebens- und Wissensbereiche.
Da philosophische Ideen und Gedankensysteme stets wichtige Kulturgebilde für die menschliche Wertorientierung und das menschliche Selbstverständnis waren, hat im Rahmen der Philosophie als Fachdisziplin die Geschichte der Philosophie einen bedeutsamen Stellenwert (Geschichte der Philosophie).
Aufbau
Das sechssemestrige Bachelorstudium umfasst einen Arbeitsaufwand (Workload) von insgesamt 180 ECTS-Anrechnungspunkten (an Lehrveranstaltungen 114 ECTS-Anrechnungspunkte für Pflicht-, 30 für gebundene und 30 für freie Wahlfächer; dazu kommt die Bachelorarbeit mit 6 ECTSAnrechnungspunkten). Das Studium ist nach modular strukturierten Fächern gegliedert. Die Lehrveranstaltungen sind im Folgenden mit Gliederung, Titel, Typ, ECTS-Anrechnungspunkten (ECTS), Kontaktstunden (KStd.) und der empfohlenen Semesterzuordnung (Sem.) genannt. In der Spalte P/G ist gekennzeichnet, ob es sich um ein Pflichtfach (PF) oder ein gebundenes Wahlfach (GWF) handelt. Aus den gebundenen Wahlfächern ist entsprechend der Vorgaben auszuwählen.
Qualifikationsprofil
Das Studium soll mit den wesentlichen Begriffen, Lehrmeinungen, Problemen und Methoden des Faches Philosophie vertraut machen und mit Hilfe des philosophischen Fachwissens Ansätze zu kritischen und konstruktiven Reflexionen über Fragen der theoretischen Weltorientierung und der moralischen und politischen Lebenspraxis liefern.
Grundkenntnisse der Theoretischen Philosophie und Logik zielen auf die Schulung der Argumentationskompetenz, der verbalen Ausdruckskompetenz und der rationalen Kritikkompetenz ab und machen die Studierenden mit wesentlichen Positionen der Weltorientierung vertraut. Grundkenntnisse aus Praktischer Philosophie (Ethik, Sozialphilosophie, Kulturphilosophie, Philosophische Anthropologie, Religionsphilosophie, Ästhetik usw.) bieten Anregungen, eigene Einstellungen, Überzeugungen und Vorurteile sichtbar zu machen bzw. zu überprüfen und persönliche Wunschvorstellungen realistisch zu überdenken (Selbstreflexionskompetenz). Ferner vermitteln sie die Fähigkeit, sich rational an sozial-moralischen Grundwerten und humanen Wertstandards zu orientieren und sich über Ursprünge, Implikationen und Konsequenzen solcher Orientierungen Rechenschaft zu geben (sozial-moralische Orientierungskompetenz). Grundkenntnisse aus Geschichte der Philosophie ergeben einen Grundbestand an humanistischem Bildungswissen in seiner problemgeschichtlichen Entwicklung sowie die Fähigkeit zum Verständnis philosophischer Werke und zur Auseinandersetzung mit philosophischen Positionen und Richtungen.
Folgende Kompetenzen können durch das Bachelorstudium Philosophie besonders vermittelt bzw. gefördert werden: Reflexionskompetenz mit Bezug auf theoretische und praktische Problemlösungen und Überzeugungen verbunden mit Analysekompetenz auf der Basis von Logik und differenzierender Begriffs- und Sprachanalyse sowie Fähigkeit (und Interesse), Zusammenhänge mit argumentativer Schärfe zu verfolgen; Fähigkeit, sich in neue Problemstellungen und Fachgebiete einzuarbeiten und an der Lösung fachübergreifender Problemstellungen mit anderen Berufsgruppen zusammenzuarbeiten und das Gelernte in verschiedenen Berufsfeldern anzuwenden bzw. sich auf Berufsanforderungen einzustellen; Kooperations-, Integrations- und Kommunikationskompetenz unter Einschluss interdisziplinärer Diskursfähigkeit; Argumentations- und Ausdruckskompetenz auf der Basis der Methoden der analytischen Philosophie; soziale und/oder politische Beurteilungskompetenz sowie Orientierungskompetenz in Wertbelangen auf der Basis von weltanschauungsanalytischen und ideologiekritischen Verfahren. Für Absolventen/Absolventinnen des Lehramtsstudiums Psychologie und Philosophie an der Naturwissenschaftlichen und der Geisteswissenschaftlichen Fakultät stellt der Bachelor der Philosophie eine Zusatzqualifikation dar, um auch spezielle philosophische Fächer wie Ethik an höheren Schulen qualifizierter unterrichten zu können.
Berufsfeld
Zum Unterschied von Studien, die einen direkten Berufsbezug aufweisen (etwa Theologie, Medizin, Rechtswissenschaften, Lehramtsstudien, diverse Fachstudien), kann ein Abschluss des Bachelorstudiums Philosophie nur in wenigen Fällen geradewegs in einen ihm spezifischen Beruf münden. Allerdings fördert das Bachelorstudium aufgrund des Erwerbs der unter (1.2) angegebenen (Fach-, Methoden-, Sozial- und Personal-)Kompetenzen erheblich die Qualifikation zur Ausübung eines Berufes. Daher gibt es neben einer wissenschaftlichen Laufbahn in der Philosophie eine Reihe potenzieller Berufsfelder, in der die im Rahmen eines Philosophie-Bachelorstudiums erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen zum Tragen kommen:
- Bildungseinrichtungen (z.B. Universitäten, Fachhochschulen, Erwachsenenbildung);
- Verlags-, Literatur- und Pressewesen;
- Medien;
- Bibliothekswesen;
- Informations- und Wissensmanagement;
- (inter-)kulturelle Kommunikation: Kulturpolitik, Kulturverwaltung und Kulturvermittlung;
- Wirtschaft (z.B. Öffentlichkeitsarbeit);
- Politikberatung;
- Gesundheitswesen;
- Ethik- und Sozialberatung;
- freiberufliche Tätigkeiten, etwa Publizist/in, Schriftsteller/in.
Die Chancen, in Berufsfelder einzudringen, in denen philosophische Kenntnisse und Fertigkeiten von Relevanz sind, werden durch zusätzlich zu erwerbende Fachqualifikationen und außeruniversitäre Praxis (siehe unten (4.4)) besonders gefördert.
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