Einstieg
Voraussetzung für die Zulassung zum Masterstudium Angewandte Ethik ist die Absolvierung eines geistes- und kulturwissenschaftlichen, theologischen, rechts-, sozial- oder wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor- oder Diplomstudiums oder eines beliebigen universitären Lehramtsstudiums, des Diplomstudiums Pharmazie, der Bachelorstudien Biologie, Psychologie oder Pädagogik, des Diplomstudiums Humanmedizin, des Bachelorstudiums Gesundheits- und Pflegewissenschaft oder eines anderen im In- oder Ausland absolvierten facheinschlägigen oder gleichwertigen Studiums an einer anerkannten postsekundären Bildungseinrichtung (vgl. § 64 Abs. 5 UG).1 Der Nachweis der allgemeinen Universitätsreife gilt durch den Nachweis dieser Zulassungsvoraussetzung jedenfalls als erbracht. Über die Gleichwertigkeit entscheidet gemäß § 60 Abs. 1 UG das Rektorat.
Information
Gegenstand des Studiums
Der Gegenstandsbereich des Masterstudiums Angewandte Ethik umfasst die grundlegenden Fragestellungen der Praktischen Philosophie, die das Handeln von Menschen reflektiert und seine Grundsätze methodisch und systematisch untersucht. Ethik allgemein fragt nach der argumentativen Begründung von Werten und Normen, nach der Rolle und Funktion moralischer Begriffe sowie nach den Regeln und Strukturen von Entscheidungsprozessen. Auf dieser Basis widmet sich die Angewandte Ethik der gedanklichen Erschließung, Durchdringung und Aufbereitung konkreter gesellschaftlich relevanter Bereiche menschlicher Wirklichkeit unter dem Vorzeichen des Handelns und unter dem Anspruch der Rationalität.
Die wissenschaftliche und fachliche Ausbildung, die das Masterstudium Angewandte Ethik vermittelt, bietet eine Grundausbildung in philosophischer Ethik und qualifiziert je nach Wahl der Studierenden in zwei von drei Bereichen:
· Ethikunterricht an mittleren und höheren Schulen
· Medizin- und Pflegeethik
· Unternehmens- und Sozialethik
Qualifikationsprofil
Das Masterstudium Angewandte Ethik erweitert die aus den zubringenden geistes-, natur-, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen sowie theologischen und pädagogischen Diplom-, Bachelor- oder Lehramtsstudien vermittelten fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten um eine fundierte moralphilosophische Orientierung sowie um eine entsprechende ethische Analyse- und Entscheidungskompetenz in spezifischen Praxisfeldern. Gleiches gilt im Sinne der Zusatzqualifikation für das Studium der Humanmedizin bzw. für andere akademische Berufsausbildungen im Gesundheitswesen (PflegewissenschaftlerInnen etc.). Das Curriculum ist daher weitgehend als berufsbegleitendes Studium konzipiert.
Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiums Angewandte Ethik besitzen folgende Kompetenzen und Qualifikationen:
Wissenschaftliche Kompetenz in Ethik sowie den angrenzenden human- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen; dazu zählen insbesondere folgende Teilqualifikationen:
Kenntnis der ethischen Grundbegriffe sowie der wichtigsten ethischen Konzeptionen und Begründungsstrategien;
Fähigkeit zur Analyse, Interpretation und Präsentation von klassischen Quellentexten der moralphilosophischen Tradition;
Verständnis für die historische, soziale, kulturelle und psychologische Bedingtheit von Moralität;
Befähigung, aktuelle Themen der Praktischen Philosophie unter Anwendung einschlägiger Fachliteratur und wissenschaftlicher Hilfsmittel selbständig sowie inhaltlich und methodisch reflektiert zu bearbeiten;
Fertigkeit, einen wissenschaftlichen Text in Form einer Masterarbeit zu verfassen;
autonome Urteils- und Argumentationsfähigkeit im Bereich ethischer Fragestellungen;
Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Forschung und zur Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte.
Befähigung zum professionellen Umgang mit komplexen ethischen Fragestellungen in spezifischen Praxisfeldern; dazu zählen insbesondere folgende
Teilqualifikationen:
Sensibilität für ethische Fragestellungen auf individueller, sozialer und strukturell- politischer Ebene;
Sensibilität für die ethische Dimension professionellen Handelns;
Fähigkeit zur Benennung und kritischen Reflexion von bzw. zur Auseinandersetzung mit eigenen und fremden individuellen Einstellungen und Werthaltungen;
Befähigung, verschiedene Perspektiven einzunehmen und auf der Grundlage des dialogischen Prinzips in toleranter Weise den Werten und Normen anderer Menschen zu begegnen;
Methodenkompetenz in der Arbeit mit konkreten Problemstellungen eines Praxisfelds;
Problemlösungskompetenz durch den sicheren Gebrauch der Methode der ethischen Fallanalyse unter Berücksichtigung prozeduraler Kriterien für die Entwicklung tragfähiger Handlungsoptionen;
Befähigung zum Ethikunterricht insbesondere an AHS/BHS/BMS sowie zur Ethik-Arbeit in anderen Bildungseinrichtungen (z. B. berufsständische Akademien);
Kompetenz zur Begleitung von Qualitätsentwicklungsprozessen (Ethikberatung);
Fähigkeit zur eigenständigen Entwicklung personal verantworteter ethischer Positionen im Kontext von beruflich relevanten Fragestellungen (Ethos- Kompetenz).
Fertigkeiten, die an studienbezogenen Themen vermittelt, erprobt und trainiert wurden, jedoch nicht auf den Bereich der Angewandten Ethik beschränkt sind (so genannte „soft skills“):
Informationskompetenz;
Erschließungskompetenz: Vermittlungs- und Präsentationstechniken;
Rhetorische, sprachliche und kommunikative Fertigkeiten;
Team- und Dialogfähigkeit;
Konfliktmanagement;
Kritikfähigkeit;
Befähigung zur konstruktiven Teilnahme am öffentlichen Diskurs.
Berufsfeld
Bedarf und Relevanz des Studiums für die Wissenschaft und den Arbeitsmarkt
Die wachsende Komplexität moderner Gesellschaften hat eine Vielzahl von Problemstellungen mit ethischem Hintergrund hervorgebracht. Nicht zuletzt die Landesgrenzen überschreitenden Verflechtungen in ökologischer, wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Hinsicht – Stichwort: Globalisierung – zeigen auf, wie wichtig eine sachgerechte und systematische Analyse dringender gesellschaftlicher Fragen ist. Unausweichlich sind damit normativ-ethische Fragen verbunden.
Deshalb besteht ein Bedarf an allgemeinen ethischen Grundkenntnissen und spezieller Feldkompetenz, um auf der Basis einer begründeten ethischen Reflexion zu Werturteilen zu gelangen, die ebenso für andere Menschen nachvollziehbar sind. Ein Indikator für die einzelwissenschaftliche Relevanz der Fragestellungen der Angewandten Ethik liegt in deren kontinuierlicher Differenzierung in Subdisziplinen.
Näherhin dient das Masterstudium Angewandte Ethik der Erschließung ethischer Fragen in Forschung und Vermittlung sowie der ethischen Bildung und der wissenschaftlich fundierten Berufsvorbildung hinsichtlich Reflexions-, Diskurs- und Problemlösungskompetenz in den drei optionalen Qualifizierungsmodulen.
Bildung, wofür folgende Berufsfelder beispielhaft zu nennen sind:
Ethikunterricht an mittleren und höheren Schulen (in Verbindung mit einem anderen Lehramtsstudium)
Ethisch orientierte Bildungsarbeit außerhalb des schulischen Bereichs: berufsspezifische Fortbildungen, berufsständische Akademien, Erwachsenenbildung, Qualitätsjournalismus
Öffentlichkeitsarbeit in nationalen oder internationalen NGOs mit sozialem Schwerpunkt
Gesundheit, wofür folgende Berufsfelder beispielhaft zu nennen sind:
Mittleres und höheres Gesundheitsmanagement
Leitungs- und Organisationsaufgaben in Ethikkommissionen und Ethikkomitees
Klinische Ethikberatung
Qualitätsentwicklung in Einrichtungen des Gesundheitswesens (z. B. Leitbildprozesse, Entwicklung von Ethikkodizes oder Guidelines)
Wissenschaftsjournalismus in medizinethischen Belangen Wirtschaft & Gesellschaft, wofür folgende Berufsfelder beispielhaft zu nennen sind:
Unternehmens- und Politikberatung
Beratungs- und Führungspositionen in nationalen oder internationalen NGOs
Qualitätsentwicklung in der betrieblichen Gestaltung bzw. Unternehmensführung
Implementierung nachhaltiger Strukturen
Globalisierungsmanagement
Ethische Zertifizierung
Wissenschaftsjournalismus in sozial- und wirtschaftsethischen Belangen
Handlungssicherheit und Reflexionsfähigkeit stellen darüber hinaus entscheidende Erfolgsfaktoren für den beruflichen Aufstieg dar. Grundlegend dafür ist die Kenntnis eigener und fremder Werte, Ziele und Handlungsmaximen. Ethisch geschultes Denken stärkt somit die Fähigkeit zur sachgerechten Analyse von Situationen des beruflichen Alltags in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen.
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