Medizinstudenten wissen zu wenig über Impfungen

6. März 2017 - 11:00

Das Wissen über Impfungen ist in Österreich mangelhaft. Das gilt auch für die Medizinstudenten. Selbst nach sechs Semestern Medizinstudium haben diese noch eine lückenhafte Vorstellung von Immunisierungen. Das zeigt eine große Umfrage in den deutschsprachigen Ländern, sagte die Wiener Spezialistin Ursula Wiedermann-Schmidt kürzlich bei der Apothekertagung in Schladming.

Spätere Ärzte auf demselben Wissensniveau wie Bevölkerung

Spätere Ärzte auf demselben Wissensniveau wie Bevölkerung

Bei der wissenschaftlichen Untersuchung über das Wissen und die Einstellung zum Impfen wurden 3.822 Medizinstudenten aus Österreich (MedUni Wien, MedUni Innsbruck), der Schweiz und Deutschland mit entsprechenden Fragebögen versorgt. In Österreich waren es 1.185 Studenten. Die Rücklaufquote bei den Befragungsbögen lag bei 55 Prozent. Die Studenten hatten alle schon drei Jahre Medizinstudium hinter sich.

Angst, durch Impfung krank zu werden

Die Ergebnisse unterschieden sich in Österreich, Deutschland und der Schweiz nicht grundlegend. Laut Ursula Wiedermann-Schmidt waren die Angaben zum Fachwissen bei der Masernimpfung nur bei rund 38 Prozent der österreichischen Medizinstudenten richtig, bei der Influenza bei 26 Prozent und bei der HPV-Impfung (Gebärmutterhalskrebs) nur bei um die 24 Prozent der Teilnehmer. Knapp 63 Prozent gaben an, sich nie gegen die Influenza immunisieren haben zu lassen. 37 Prozent fürchten Nebenwirkungen, 24 Prozent haben gar Bedenken, durch die Impfung selbst krank zu werden. Auf der anderen Seite befürworteten knapp 89 Prozent der Medizinstudenten eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal.

Wenn spätere Ärzte zu wenig über Impfungen wissen, kann das nicht wesentlich anders bei der allgemeinen Bevölkerung sein. Im Rahmen eines von vier Projekten der "Prävenire"-Initiative wird derzeit versucht, in der Mustergemeinde Pöggstall in Niederösterreich den Impfschutz zu steigern (Titel: "Gemeinsam vorsorgen"). Daran sind in der 2.500-Einwohner-Gemeinde die Hausärzte, die Apotheke, die Gemeinde selbst und Vereine engagiert. Am Beginn der von den Wiener Spezialisten begleiteten Aktion gab es auch dort eine Statuserhebung.

Masern kann Gehirnhautentzündung nach sich ziehen

In einer Umfrage (618 Teilnehmer) zeigte sich laut Ursula Wiedermann-Schmidt, dass nur 37 Prozent der Erwachsenen wussten, dass eine zweimalige Masernimpfung lebenslang vor der Erkrankung schützt. Nur 18 Prozent wussten, dass bei einem von 1.000 Masernfällen eine lebensgefährliche Gehirnentzündung auftritt. Nach Durchsicht der eigenen Impfunterlagen gaben 33 Prozent der Erwachsenen (18 bis 65 Jahre) an, gegen die Diphtherie geimpft worden zu sein (Tetanus: 58 Prozent, Pertussis: 15 Prozent, Polio: 16 Prozent, Masern-Mumps-Röteln: 30 Prozent, FSME: 55 Prozent und Influenza: elf Prozent). Bei den Sechs- bis 15-Jährigen waren die angegebenen Impfraten zumeist etwas höher. 41 Prozent der Erwachsenen gaben an, Impfungen völlig positiv gegenüber zu stehen, 30 Prozent bezeichneten sich als "impfskeptisch", 25 Prozent als "impfkritisch" ("Wir sind gesund, wir brauchen keine Impfungen.").

Dabei zeigt sich in Österreich derzeit, wie ein breiter Impfschutz bei bestimmten Erkrankungen auch die Nichtgeimpften vor diesen bewahrt. Die Experten sprechen dabei von "Herdenschutz". Ursula Wiedermann-Schmidt führte dazu Daten zu den invasiven Pneumokokken-Erkrankungen (Sepsis etc.) an. Seit 2012 im Rahmen des Gratis-Kinderimpfprogramm ein hoher Prozentsatz der Kinder gegen zehn Stämme der Pneumokokken immunisiert wird, sei es "tendenziell zu einem Rückgang der Erkrankungen bei den älteren Menschen" gekommen. Doch auch die sollten natürlich gegen die Pneumokokken geimpft werden. Invasive Pneumokokken-Fälle wurden insgesamt in Österreich im Jahr 2005 bei 145 Patienten festgestellt, im Jahr 2015 waren es 422 Fälle, im Jahr 2016 dann 250.



(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))