Lehrer: Regierung sieht keinen drohenden Mangel

11. Januar 2017 - 9:50

Die Regierung sieht keinen drohenden Lehrermangel aufgrund des hohen Altersschnitts der Pädagogen sowie künftig steigender Schülerzahlen. Sowohl das Bildungsministerium als auch die Regierungskoordinatoren Harald Mahrer (ÖVP) und Thomas Drozda (SPÖ) verwiesen auf steigende Absolventenzahlen an den Hochschulen sowie Wartelisten.

Benötigte Kapazitäten sind schwer einzuschätzen

Benötigte Kapazitäten sind schwer einzuschätzen

Sowohl der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, als auch der Grüne Bildungssprecher Harald Walser hatten im "Kurier" vor einem drohenden Lehrermangel gewarnt. In den nächsten zehn Jahren könnten bis zur Hälfte der Lehrer in Pension gehen. Dazu kämen steigende Geburten- und damit Schülerzahlen sowie die neue, längere Lehrerausbildung, durch die es zumindest kurzfristig wenige Absolventen gibt.

Interesse am Lehrerberuf steigt

Mahrer verwies dagegen nach dem Ministerrat auf ein steigendes Interesse am Lehrerberuf und höhere Abschlusszahlen an den Pädagogischen Hochschulen. Zudem sei, wie auch im Gesundheitsbereich den zuständigen Ministerien klar, welche Kapazitäten in einigen Jahren benötigt würden. Drozda betonte, dass es Wartelisten mit bis zu 5.000 Personen gebe - laut Bildungsministerium rund 3.700 im Pflichtschulbereich, an den AHS und BMHS rund 1.200.

Tatsächlich sind die Zahlen schwer einzuschätzen: Laut den jüngsten OECD-Zahlen sind 37 Prozent aller Volksschullehrer, 48 Prozent aller Lehrer der Sekundarstufe I (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) sowie 42 Prozent der Lehrer an Oberstufenschulen 50 Jahre oder älter. Wann diese genau in Pension gehen, ist allerdings nicht exakt vorherzusagen - bisher war der Anteil der Lehrer, die regulär in den Ruhestand treten, eher gering.

Größte Unbekannte ist aber die Zahl der künftig neu eintretenden Lehrer: 2014/15 schlossen an den Pädagogischen Hochschulen (PH) rund 4.600 Personen ein Lehramtsstudium ab, an den Unis waren es rund 1.500. Das sind jeweils Zuwächse gegenüber den Jahren davor. Allerdings hat gerade die Umstellung auf die neue Lehrerausbildung begonnen, die vor allem für die bisherigen PH-Absolventen eine Verlängerung des Studiums um zwei Semester bis zum Bachelor und um vier Semester bis zum voll ausgebildeten Lehrer mit sich bringt. Damit gibt es de facto mindestens ein Jahr kaum Absolventen - und je länger die Ausbildung dauert, desto höher ist das Risiko eines Drop-Out oder zumindest einer Studienverzögerung.

Wenig Änderung bei Schülerzahlen

Die Schülerzahlen sollten sich laut Bildungsministerium bis 2023 nicht allzu drastisch ändern: Im AHS/BMHS-Bereich soll es zu einem Plus von rund 15.000 Schülern gegenüber heuer kommen, im Volksschulbereich zu einem Plus von 3.000. Dem steht ein Minus von 10.000 an den Neuen Mittelschulen gegenüber.

Im Volksschulbereich soll der zu erwartende Lehrer-Mehrbedarf durch Kandidaten aus der Warteliste gedeckt werden können. In höheren Schulstufen ist das in den meisten Gegenständen auch der Fall, in bestimmten Mangelfächern wie Naturwissenschaften setzt man auf die geplanten neuen Schulcluster, die ein schultypenübergreifendes Unterrichten möglich machen sowie "Quereinsteiger" aus anderen Berufen.

Dazu kommt noch das neue Lehrerdienstrecht, das ab 2019 verpflichtend für alle neu eintretenden Pädagogen gilt. Dieses beinhaltet eine geringfügige Erhöhung der Lehrverpflichtung im Bereich der Pflichtschule sowie eine je nach Fach unterschiedliche Erhöhung der Lehrverpflichtung für den Bereich der höheren Schulen.



(APA/red, Foto: APA/APA (dpa))