Bachelor-Studium: Österreich setzt auf Soft-Reform

22. August 2016 - 10:34

Die Möglichkeit zur Verlängerung der derzeit dreijährigen Bachelor-Studien, ein Ende der "Übersättigung mit Inhalten" und eine Stärkung von Teilzeit-, Fern- und berufsbegleitenden Studien - darauf haben sich in Deutschland Hochschulen und Bundesländer verständigt. In Österreich ist laut Wissenschaftsministerium keine Änderung der Studiendauer des Bachelor geplant, man setzt auf eine Soft-Reform.

In Deutschland soll es künftig "keine starre staatliche Vorgabe für eine Gesamtstudienzeit Bachelor und Master von zehn Semestern mehr geben", hat Horst Hippler, Chef der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, angekündigt. Damit sollen unter anderem die Verschulung des Studiums und der Notendruck wieder verringert und den Studenten mehr Freiheiten ermöglicht werden.

In Österreich gibt es unterdessen laut Wissenschaftsministerium "keine konkreten Planungen", etwas an der Studiendauer zu verändern. Das Universitätsgesetz ermögliche hier "schon jetzt eine flexible Gestaltung", wird in einer Stellungnahme gegenüber der APA betont: Immerhin dürfe das Bachelorstudium "in Ausnahmefällen" einen Umfang von vier statt drei Jahren (240 statt 180 ECTS Arbeitsaufwand) haben, "wenn das zur Erlangung der Beschäftigungsfähigkeit zwingend erforderlich ist".

Nur wenige Bachelorstudien dauern mehr als sechs Semester

In der Praxis dauert allerdings der überwiegende Teil der Bachelorstudien (266 von 346) nur sechs Semester. Lediglich 13 Studien - vor allem ingenieurwissenschaftliche an der Montanuni Leoben - dauern sieben Semester. Für 67 Studien - fast ausschließlich künstlerische Studien - sowie für alle Lehramtsstudien sind acht Semester vorgesehen.

Der Bachelor ist in Österreich im Rahmen der Bologna-Reform ab dem Jahr 2000 eingeführt worden. Damals wurde die frühere Studienstruktur aus Magister- und Doktoratsstudium durch Bachelor, Master und PhD ersetzt, mittlerweile sind 96 Prozent aller Uni-Studien auf das Bologna-System umgestellt. In Österreich wie in Deutschland wurde allerdings als Folge der Reform vor allem von den Studentenvertretungen eine Verschulung und Überfrachtung der Studienpläne beklagt, (politisch erwünschte) Auslandsstudienaufenthalte würden durch die straffe Struktur verunmöglicht. Der Protest gegen diese Einschränkungen war 2009 auch Ausgangspunkt für die "unibrennt"-Bewegung, bei der Uni-Hörsäle im In- und Ausland besetzt worden waren.

Unter dem Titel "Bologna Reloaded" hat die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) 2010, zehn Jahre nach Beginn der Umstellung auf das Bachelor-Master-System, den Kinderkrankheiten der Studienreform den Kampf angesagt: Eine "Task Force" sollte etwa Empfehlungen zur Verbesserung der Studienpläne erarbeiten. Auch die Universitäten selbst haben angekündigt, Umsetzungsprobleme der unter Zeitdruck realisierten Reform zu beheben. Nachgebessert werden sollte etwa bei der Bewertung des Arbeitsaufwands von Lehrveranstaltungen.

Experten-Team berät "seit einigen Jahren" Unis

Laut Wissenschaftsministerium berät nun "seit einigen Jahren" ein Team von Experten des Europäischen Hochschulraums (EHR) die Unis etwa bei der Entwicklung von Studienplänen in der Bologna-Struktur und damit verbundenen Werkzeugen wie dem European Credit Transfer System (ECTS) zur Bewertung von Studienleistungen. Hier wurden, wie auch die Universitäten selbst einräumten, in der Vergangenheit oft einfach die Stunden in ECTS umgewandelt, ohne den tatsächlichen Arbeitsaufwand zu berücksichtigen.

Notwendigkeit zur "Weiterentwicklung" sieht das Ministerium auch bei der Durchlässigkeit von Abschlüssen, speziell vom Bachelor in den Master zwischen den verschiedenen Hochschultypen. Diese Probleme sollen allerdings beim Projekt "Zukunft Hochschule" angegangen werden, das Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) initiiert hat.

Die Österreichische Hochschulkonferenz, ein Beratungsgremium der Regierung, empfiehlt außerdem neben Pflichtfächern Wahlfächer in allen Studienplänen, und zwar sowohl als Bündel zur individuellen Vertiefung als auch "ein weitreichendes Angebot an freien Wahlfächern" für den "Blick über den Tellerrand".

Geht es nach der Universitätenkonferenz (uniko), ist das zumindest teilweise bereits passiert, wie der Leiter des Forum Lehre, Martin Polaschek, gegenüber der APA betont: "In vielen Häusern wurden nach der ersten Phase der Umstellung auf das Bachelor-/Master-System und ersten Erfahrungen Anpassungen vorgenommen, die den Studierenden größere Wahlfreiheit erlauben."

(APA/red, Bild APA)