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"Neiddebatte über die Ferienzeit"

Lehrer-Ausbildung nur in den Ferien funktioniert nicht

Mit dem neuen Dienstrecht sollen Lehrer laut Vorschlag der Regierung zu 15 Stunden Fortbildung pro Jahr verpflichtet werden, die ausschließlich außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden müssen. Zuletzt machten Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und die Wiener Landesschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (beide S) Druck für mehr Lehrerfortbildung in den Ferien. AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin (FCG) bezeichnet die Vorstöße in seinem Blog jedoch lediglich als jährlich wiederkehrende "Neiddebatte über die Ferienzeit" und betont, dass Fortbildung nur in den Ferien gar nicht möglich sei.

Quin rechnet vor, dass in diesem Fall für die rund 120.000 Lehrer in den Sommerferien 575 Fortbildungsveranstaltungen pro Woche angeboten werden müssten. Werden diese in Seminarform angeboten, würden 575.000 Nächtigungen anfallen, und zwar in der Hochsaison. "Ich - und mit mir wohl die Pädagogischen Hochschulen - wäre hoch zufrieden, stünde nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel für die Fortbildung zur Verfügung", die eine solche Umschichtung kosten würde. Die Forderungen Burgstallers und Brandsteidls könnten daher "nur auf einer massiven Teilleistungsschwäche in Mathematik beruhen", so Quin.

Fortbildung ausschließlich in den Ferien anzubieten, ist auch aus Sicht von Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) nicht möglich. "Das ist eine Frage der Organisation und von Angebot und Nachfrage. Alles in den Ferien zu machen, werden wir nicht schaffen", betont er gegenüber der APA. Allerdings würden Pflichtschullehrer schon jetzt "unheimlich viele" Angebote in den ersten und letzten Ferienwochen nutzen. Dabei appelliert Kimberger an die PH, ihr Angebot noch flexibler an den Bedarf der Lehrer anzupassen.

An den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) finden laut Gewerkschaftsvertreter Jürgen Rainer (FCG) schon jetzt zwei Drittel der Fortbildung in der unterrichtsfreien Zeit statt. Allerdings, moniert er im APA-Gespräch, gebe es "im Bereich der BHS überhaupt keine gescheiten Angebote". Diese würden nämlich nur in den allgemeinbildenden Bereich fallen, Neuerungen in der Wirtschaft könne man nur in der Wirtschaft selbst erlernen. Ein Budget, um neues Wissen zuzukaufen, hätten die Schulen aber nicht.

Lehrer sehr fortbildungsfreudig

Insgesamt fallen laut Unterrichtsministerium derzeit nur fünf Prozent der von Lehrern absolvierten Fortbildungen in die Sommerferien. Künftig sollen laut dem Regierungsentwurf "nur bei Vorliegen eines wichtigen dienstlichen Interesses" Stunden ausfallen dürfen, weil Lehrer sich fortbilden. Wie viele Stunden Lehrer sich fortbilden müssen, ist derzeit nur bei den Landeslehrern festgelegt: Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen müssen 15 Stunden pro Schuljahr nachweisen. Für Lehrer an Bundesschulen (AHS, BMHS) gehört die Fortbildung zwar zu den Dienstpflichten, Art und Umfang sind aber nicht definiert.

Generell sind Österreichs Lehrer laut der OECD-Lehrerstudie TALIS 2008 sehr fortbildungsfreudig: Laut Eigenangabe von Lehrern der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) haben 97 Prozent in den vorangegangenen 18 Monaten mindestens eine Fortbildungsveranstaltung besucht - das ist der zweithöchste Wert überhaupt. Allerdings fallen in der Studie darunter nicht nur formelle Aktivitäten wie etwa Kurse oder Bildungskonferenzen, sondern auch das Lesen berufsbezogener Literatur oder informelle Gespräche mit Kollegen darüber, wie der eigene Unterricht verbessert werden kann. Und: Österreichs Lehrer bilden sich zwar zu einem großen Teil fort, die Dauer ist allerdings unter dem Durchschnitt, weil sie vor allem Kurzangebote nutzen.

Den Inhalten der Fortbildungen stellten sie unterdessen ein schlechtes Zeugnis aus: 45 Prozent der Lehrer hätten sich noch mehr Fortbildungen gewünscht, allein: fast zwei Drittel unter ihnen fanden kein passendes Angebot.

Experte plädiert für mehr Anbieter in der Lehrerfortbildung

Derzeit ist die Fortbildung der Lehrer aller Schultypen fast ausschließlich an den Pädagogischen Hochschulen (PH) angesiedelt. Aus Sicht des Linzer Erziehungswissenschafters Herbert Altrichter hat das allerdings weniger inhaltliche als historische Gründe, da die Fortbildung schon früher staatlich kontrolliert wurde. Dem System täte es allerdings gut, wenn Lehrer sich künftig auch an den autonomen Universitäten und bei privaten Anbietern fort- und weiterbilden könnten, betont er im Gespräch mit der APA.

Davon würden aus seiner Sicht auch die PH, die freilich bereits "eine Menge Know-how" in diesem Bereich aufgebaut hätten, selbst profitieren. Immerhin verweigere der Staat diesen ein Mehr an Autonomie genau mit dem Argument, dass er die Lehrerfortbildung beeinflussen können müsse. "Insofern ist das ein Danaergeschenk an die PH, dass sie die Fortbildung machen und dadurch immer wieder dem Zugriff von Landesschulräten und (Unterrichts-)Ministerium ausgesetzt sind", so Altrichter (APA/red, Bild APA).

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