20. Juli 2012 - 9:34 | DerOnlineTutor
Finanzministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner haben am 17. Juli zwei neue Fördermaßnahmen für Jungunternehmer präsentiert. Zusammen wollen sie 110 Mio. Euro über 6 Jahre aufbringen, davon 87,5 Mio. Euro von der öffentlichen Hand. Nur 6,9 Prozent der Unternehmen in Österreich sind Neugründungen, also weniger als fünf Jahre alt, begründete Mitterlehner den Bedarf. Damit liege Österreich im EU-Vergleich "im hinteren Bereich". Außerdem hängen Jungunternehmen stark von Bankkrediten ab - die unter den neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel III) weniger leicht vergeben werden, ergänzte Fekter.

Der neu aufgelegte Gründerfonds hat 65 Mio. Euro zur Verfügung, im ersten Jahr 15 Millionen, dann je 10 Millionen. Er ermöglicht eine 49-Prozent-Beteiligung an Jungunternehmen. Die öffentliche Hand werde laut Mitterlehner als "strategischer Investor und nicht als Finanzinvestor" agieren, das heißt auch länger beteiligt bleiben. Nach bis zu zehn Jahren werde man wieder aussteigen - und vorzugsweise an den Gründer verkaufen, der ein Vorkaufsrecht erhalten soll.
Abwicklung über aws
Der Gründerfonds werde über den Austria Wirtschaftsservice (aws) abgewickelt, der über die Beteiligungen entscheidet und diese mit Know-How unterstützt. Ausfälle könne es geben, da es sonst kein Risikofonds wäre, sagte Mitterlehner. Er geht aber davon aus, dass auch viele Beteiligungen mit Gewinn verkauft werden können. Pro Jahr plane man 20 bis 30 Beteiligungen zu je 100.000 bis zu 1 Mio. Euro, um Österreichs Gründer zu unterstützen.
Die zweite Maßnahme ist ein "Business Angels Fund": Hier zahlt die öffentliche Hand 22,5 Mio. Euro ein - die Republik Österreich 15 Millionen und die EU (der Europäische Investitionsfonds EIF) 7,5 Millionen. Etablierte Unternehmer - sogenannte "Business Angels", sollen das Geld auf 45 Millionen Euro verdoppeln und zugleich ihre Expertise an den aufstrebenden Unternehmer weitergeben. Die Initiative werde laut Fekter Jungunternehmern mehr Stabilität geben und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bessere Rahmenbedingungen für kreative Unternehmer bieten. Fekter erwartet bei den Business Angels 30 bis 50 Beteiligungen pro Jahr und erinnert daran, dass es bereits ein Netzwerk von "Business Angels" gibt.
Finanzierung aus Dividenden
Finanziert werden die Maßnahmen aus Dividenden von staatlichen Unternehmen aller Ressorts, die bisher in das allgemeine Budget geflossen sind. Dem Finanzministerium und dem Wirtschaftsministerium zurechenbare Unternehmen (ÖIAG, OeNB und Verbund) werden mit zusammen mindestens 80 Prozent den größten Anteil beisteuern. Dem Verkehrsministerium zugeordnete Firmen (Asfinag) sollen 16 Prozent leisten, dem Landwirtschaftsministerium zugehörige Firmen (Bundesforste) die restlichen vier Prozent.
Ziel ist es, bis 2020 bei Unternehmensneugründungen ins "gute Mittelfeld" vorzudringen - also auf etwa zehn Prozent zu kommen - sagte Mitterlehner. Spitzenreiter sind derzeit Lettland mit 19,2 Prozent und Bulgarien mit 17,5 Prozent. Auch wenn die Wirtschaftsstruktur in Österreich gut sei, könne sie noch weiter verbessert werden. Österreich stagniert in den letzten zehn Jahren bei rund sechs Prozent, so Fekter (APA/red, Bild APA/Jäger).
Kommentar hinzufügen